Stadtentwicklung

Wattenscheider Bahnhofsquartier bietet historische Chance

Planungsamts-Leiter Eckart Kröck präsentiert die Entwürfe für das neue Bahnhofsquartier in Wattenscheid in der Jahrhunderthalle.

Planungsamts-Leiter Eckart Kröck präsentiert die Entwürfe für das neue Bahnhofsquartier in Wattenscheid in der Jahrhunderthalle.

Foto: Gero Helm / FFS

Wattenscheid.  Mit dem Kauf des Bahnhofs Wattenscheid wollen Verwaltung und Politik das Viertel zwischen Berliner Straße und Ridderstraße komplett entwickeln.

Auf 30 Hektar soll südlich der A 40, der Gleisstrecke Essen-Dortmund, zwischen Ridderstraße im Westen und Berliner Straße im Osten als Haupterschließung ein völlig neues Stadtviertel entworfen und gebaut werden: Das „Neue Bahnhofsquartier Wattenscheid“.

Mit dem inzwischen erfolgten Kauf des Bahnhofs kann das Gebiet südlich des Wattenscheider Zentrums über die Autobahn und die Gleise hinweg bis in das nördliche Westenfeld insgesamt betrachtet werden. Wattenscheid soll damit als künftiger Haltepunkt des Rhein-Ruhr-Express’ für Pendler aus und nach Düsseldorf interessant werden, wo Wohnraum knapp ist. „So ein zweites Zentrum gibt es sonst nur in Köln“, gibt Eckart Kröck zu bedenken. Für den Amtsleiter Planen und Bauen bietet die „Magistrale“ aus Autobahn 40 und RRX-Strecke „ein Riesenpfund“.

Nahverkehr angebunden

Deutlich ausgebaut werden sollen in der Gesamtsicht dann auch die Nord-Süd-Verbindungen entlang der Ridder- und der Bahnhofstraße. Auch eine neue „ÖPNV-Spange“ von der Wattenscheider Innenstadt zu den Bahnhöfen Wattenscheid und Höntrop rückt damit in die konkrete Betrachtung. Zehn bis 15 Jahre sind für Kröck in diesem Zusammenhang ein vernünftiger Zeitrahmen, um durchaus eine Straßenbahn-Verbindung zu planen. Und sogar Eppendorf mit anzubinden. „Man muss die Flächen im Kontext sehen“, unterstreicht Kröck.

Die Stärkung des ÖPNV sollen neben der Verbesserung der Mobilität für die Menschen vor Ort einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, die Klimawende werde am Verkehr entschieden, auch in Stadtquartieren. Wege im Quartier und zu den angrenzenden Stadtteilen sollen für Fußgänger oder Fahrradfahrer nach dem Konzept einer „Stadt der kurzen Wege“ attraktiv werden.

Besonderen Wert legt bereits die grobe Konzeption auf die Verlängerung des Fußgängertunnels im Bahnhof in Richtung Süden, um das Gebiet am Wilhelm-Leithe-Weg und der Ridderstraße anzubinden und zu erschließen. Die Ansiedlung von Büros und Dienstleistern sollen den Gewerbestandort Wattenscheid aufwerten.

Vergleichbar mit Mark 51/7

An diesem Südeingang des Bahnhofs wird aus gemischten Bauflächen auf vier Hektar ein eigenes Stadtviertel skizziert. Es soll Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Freizeit und Naherholung in einer neuen Form vereinen. In Bochum nennt Kröck eine vergleichbare Neu-Planung nur bei Mark 51/7. Denn für Laer gab das Integrierte Städtebauliche Konzept ISEK ebenso den Anstoß, wie das in Wattenscheid nun für das Bahnhofsquartier gilt.

Das alles soll entsprechend nicht in Konkurrenz zum bestehenden Wattenscheider Kern stehen. Die Verwaltung nennt als Vorgabe für den Wohnungsbau eine kompakte, gemischte Struktur und eine soziale Mischung mit verschiedenen Bautypen für unterschiedliche Zielgruppen wie sozialem Wohnungsbau und einer neuen Kindertagesstätte.

Starkregen wird berücksichtigt

Am Bahnhof wurden Flächen einbezogen, die die Bahn nicht mehr benötigt. Für dieses Gewerbe-Areal von 7,5 Hektar im westlichen Bereich der Wilhelm-Leithe-Straße sind Grünflächen, Fuß- und Radwege vorgesehen. Stärkere Beachtung findet mittlerweile auch der Umgang mit starken Niederschlägen, wie sie häufiger zu erwarten sind. Die Verkehrs- und Freiflächen nehmen Rücksicht auf die Verteilung von Regenwasser, Mulden und Senken sollen größere Mengen aufnehmen.

Die Gewerbeflächen soll voraussichtlich die Wirtschafts-Entwicklungs-Gesellschaft WEG Bochum vermarkten. Die Entwicklung und Vermarktung im Bereich Wilhelm-Leithe-Weg Süd liegt in Händen der DZ Immobilien+Treuhand GmbH. Diese Tochtergesellschaft der Deutsche-Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt, ist Teil der Genossenschaftlichen Finanz-Gruppe Volksbanken/Raiffeisenbanken.

Nach der Erörterung in der Jahrhunderthalle bearbeiten die Planungsteams den Sommer über weiter an den Entwürfen Im August stellen sie dann erneut die Planungen vor.

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