Erinnerungen

Wattenscheid: Ludwig-Steil-Haus bot „supergeile Jugendzeit“

Die Jugendlichen aus Wattenscheid unternahmen viele Ausflüge.   

Die Jugendlichen aus Wattenscheid unternahmen viele Ausflüge.   

Foto: Archiv Schäfer

Wattenscheid.  Martin Schäfer ist 67. Er verbrachte seine Jugendfreizeit im Ludwig-Steil-Haus in Wattenscheid – und schwärmt noch jetzt von den tollen Angeboten.

Martin Schäfer (67) verbrachte in den 1960er Jahren seine freie Zeit im Ludwig-Steil-Haus – damals ein Meilenstein in der modernen Jugendarbeit, auch über Wattenscheid hinaus. Zunächst als Besucher und später als ehrenamtlicher Mitarbeiter. Nachdem Martin Schäfer die kleine Artikelserie in der WAZ über das geschlossene Steil-Haus las, wurden seine Erinnerungen an seine Kinder- und Jugendzeit wieder lebendig.

Mit viel Interesse dabei

„Mit sehr großem Interesse verfolge ich die Berichte über die Zeit im Ludwig-Steil-Haus. Ich könnte noch Bilder und etwas Text zum Vorgänger von Robert Lux beitragen. Mit Jürgen Wolter habe ich meine ersten Freizeiten mit der Jungschar verbracht“, schrieb er der Redaktion.

Jürgen Wolter wurde 1960 als Jugenddiakon von der Evangelischen Kirchengemeinde Wattenscheid eingestellt. Seine hauptsächliche Wirkungsstätte war das Ludwig-Steil-Haus. Das Gemeindehaus an der Freiligrathstraße, die Straße wurde erst nach der Eingemeindung Wattenscheids nach Bochum in Ludwig-Steil-Straße umbenannt, öffnete regelmäßig für Kinder und Jugendliche seine Pforten. Darüber hinaus gehörten Freizeitfahrten für Familien, Kinder und Jugendliche zum Jahresprogramm.

1963 - „Heino“ war der Hit

„Wir haben damals in der Südfeldmark gewohnt“, erzählt Martin Schäfer. „Die Freizeitangebote der Falken durfte ich als Kind nicht besuchen, also bin ich ausschließlich im Steil-Haus zu Gast gewesen und mit Jürgen Wolter in die Ferien gefahren. Die Fahrten nach Vlotho und in das Sommercamp im niederländischen Dorf Heino bei Zwolle habe ich in guter Erinnerung.“ Noch heute sei „Heino“ eines der größten und schönsten Sommercamps der Niederlande. Das 16 ha große Gelände liegt in einer waldreichen Umgebung mit einem großen See.

Elf Jahre sei Schäfer gewesen, als er seine erste Reise mit Jugenddiakon Wolter machte. „Es hat bei den Freizeiten für uns Kinder richtig gekracht. Unsere Iglu-Unterkünfte in Heino hatten in der Mitte einen Aufenthaltsraum, umrahmt von acht Betten- nur Jungen. Da können Sie sich vorstellen, was da manchmal los war. Ganz, ganz wichtig waren aber auch die regelmäßigen Tischgebete. Alles war viel frommer als heute.“

Bei Filmabenden konnte man sich näher kommen

Zu Hause im Steil-Haus öffnete schon mal Hausmeister Ernst Hofmeister die Tür. Alle sechs Wochen wurden im kleine Saal Filme gezeigt: „Immer wieder die gleichen. „Zwölf Uhr mittags“, „Das Tagebuch der Anne Frank“ und „Die Brücke“. Jeden Film habe ich mindestens dreimal im Jahr gesehen. Das störte mich nicht. Es war dunkel und man konnte sich ein wenig näher kommen.“ Ohne die heute allgegenwärtigen Smartphones war die Freizeit anders als heute geprägt von Gemeinschaft. Gesellschaftsspiele, Tischtennis oder Sitzfußball in der Steilhaus-Turnhalle bescherten den Kindern viel Spaß miteinander. Musikveranstaltungen oder eine Diskothek waren kein Thema.

1970 - Beginn einer neuen Ära

Das änderte sich zu Beginn der 1970er Jahre. Jürgen Wolters ging und als neuer Jugendreferent wurde der Religionspädagoge Robert Lux verpflichtet. Martin Schäfer gehörte zu den rund 20 Jugendlichen, die nach Plänen eines Architekten einen Diskothekraum im Ludwig-Steil-Haus bauten. „Für mich hatte eine Disko nichts mehr mit der Kirche zu tun. Trotzdem fand ich die Idee von Robert Lux gut. Ich war ja noch zu jung, um eine kommerzielle Disko zu besuchen. Das Konzept schlug richtig ein, von überall her kamen die Jugendlichen. Aber auch beispielsweise Halbstarke aus Rotthausen mit ihren Mopeds, die Ärger machen wollten“.

Regelmäßige Ferienfreizeiten

Jürgen Wolter folgte als Jugenddiakon in den 1960er Jahren auf Ludwig Müller, der nach dem Krieg die evangelische Jugendarbeit in Wattenscheid wieder aufbaute. Regelmäßige Ferienfreizeiten waren sein Markenzeichen. Pfarrer Wilhelm Neuhoff kann sich noch gut an die Familienfreizeiten mit Wolter in das Zillertal erinnern. 1969 wurde Robert Lux Jugendreferent der Evangelischen Kirchengemeinde Wattenscheid.

Das Fazit von Martin Schäfer zur Jugendarbeit vor über 50 Jahren klingt im Rückblick ein wenig euphorisch: „Es war eine richtig supergeile Kindheit und Jugendzeit. Ich möchte keinen Tag missen. Schade, dass unsere Kinder so etwas nicht mehr erleben können.“

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