Ortsgeschichte

Wattenscheid hat einen besonderen Blick auf Europa

Die stilisierten Umrisse Europas im Fenster der Märkischen Schule Wattenscheid

Die stilisierten Umrisse Europas im Fenster der Märkischen Schule Wattenscheid

Foto: Archiv Harig

Wattenscheid.   Der Europäische Gedanke hat Tradition in der Stadt. Die Bildsprache in den Fenstern der Märkischen Schule und der Propstei nimmt ihn abstrakt auf.

Als Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG 1957 gründeten, unternahmen die ersten Mitglieder der Wattenscheider Propsteigemeinde St. Gertrud auch die erste „Tour Sainte Gertrud“ nach Nivelles in Belgien, eine der zahlreichen Gertrud-Gemeinden in Europa. Diese Freundschaft ist längst zur Partnerschaft geworden, und sie hält noch immer. Beim Patronatsfest am 17. März sind gegenseitige Besuche auch bereits fest im Jahreskalender.

Seit 2007 ist das Komitee Sankt Gertrud Wattenscheid ein eingetragener Verein. Die Mitglieder sehen die Aktivitäten zum Patronatsfest in Wattenscheid und der alljährlichen Teilnahme an der Tour Sainte Gertrude in Nivelles auch als einen wertvollen Beitrag zur Einigung Europas und als regelrechte Herzensangelegenheit.

Wer aufmerksam hinsieht, erkennt im Fenster über dem Turmportal, einem „Tympanon“, die stilisierte Figur der Schutzpatronin vor dem Umriss des europäischen Kontinents, auf dem die Standorte der Gertrud-Gemeinden markiert sind, damit auf ihre Bedeutung als Vermittlerin von Versöhnung und Frieden. Außerdem sind die Kirchen in Nivelles und Wattenscheid zu sehen. Das Fenster wurde 1992 von dem Bochumer Künstler Friedhelm Plötz neu gestaltet.

Die Wattenscheider Kunsthistorikerin Delia Albers lenkt die Blicke auch auf Details der großen Flurfenster am Ende des Foyers im Märkischen Gymnasium an der Saarlandstraße. Sie wurden nach einem Entwurf von Werner Habig 1962 von der Glasmalerei Derix aus Düsseldorf-Kaiserswerth erstellt.

„Die Idee entstand in der Zeit, als der Europagedanke und Integrationsprozess aufkeimte, der Aufbruch, wirtschaftlichen und politischen Neuanfang, Einheit und Frieden bedeuten sollte,“ beschreibt sie den Hintergrund. „Der Europagedanke wird abstrakt-formal und stilisiert dargestellt.“

Dazu dienen die mythischen Darstellungen von Europa auf dem Stier (Zeus) mit der Karte des geografischen Europas sowie der Sagengestalten Don Quijote, Till Eulenspiegel, Dr. Faustus und des Heiligen Georgs mit dem Drachen. „Farbintensiv, in kühlen Farben gehalten, flächig gehalten, dominierend: blau, grün, weiß“.

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