Chor löst sich auf

Volles Haus zum Abschied des Höntroper Männergesangvereins

Der MGV Schlägel & Eisen verstärkte sich beim Jubiläumskonzert im Höntroper Gemeindezentrum mit dem MGV Sängerbund Rotthausen.

Der MGV Schlägel & Eisen verstärkte sich beim Jubiläumskonzert im Höntroper Gemeindezentrum mit dem MGV Sängerbund Rotthausen.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Höntrop.  Beim Jubiläums-Herbstkonzert des MGV Schlägel & Eisen herrscht keine trübe Stimmung. Wattenscheider Traditionschor löst sich nach 140 Jahren auf.

Sie sind sich einig und lassen sich nicht umstimmen, die verbliebenen 16 aktiven Sänger im Traditionschor, im Dezember wird sich der MGV Schlägel & Eisen 1879 förmlich auflösen. Zwar wird es am 7. Dezember in der kleinen evangelischen Kapelle an der Höntroper Straße noch einen dann wirklich letzten Auftritt geben. Das Jubiläum zum 145-jährigen Bestehen haben sie aber erst einmal festlich und vor vollem Haus im evangelischen Gemeindezentrum, Preins Feld, begangen. Und das in gar nicht trüber Stimmung.

Vorsitzender Dieter Rohrbach begrüßte erfreut die vielen Gäste, und räumte ein: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier irgendwann stehe und sagen muss: Das war’s. Wir haben in der lange Geschichte viel überstanden, allein vier Vereinslokale gehabt, und dürfen ganz bestimmt stolz darauf sein, wie wir die Kameradschaft gepflegt haben. Deshalb tut es mir persönlich auch sehr weh, dass der Chor sich auflöst.“ Doch er leitete schnell über: „Jetzt lasst uns die Trübsal beiseite tun, ich wünsche Euch einen schönen Abend.“

Verstärkung hatte der MGV sich beim Rotthauser Sängerbund unter Georg Wehr geholt, der auch als Konzertmeister die musikalische Gesamtleitung hatte und auch den Gastchor der Damen aus Essen-Steele leitet.

Langsam fehlen die Stimmen

„Es fehlen einfach die Stimmen“, erzählte Dieter Rohrbach im Vorfeld ernst, aber bestimmt, „und es geht nach unserem eigenen Anspruch nicht mehr. Es sind zwar noch alle Stimmen so gerade vertreten, aber da darf dann auch keiner der Sangesbrüder fehlen. Und wir sind nun in dem Alter, dass man auch mal krank wird.“

Seit 66 Jahren ist Rohrbach im Höntroper MGV, mehrr 50 Jahre im Vorstand. Er hat sechs verschiedene Chorleiter erlebt „und geholt“. Er selbst ist inzwischen 84 Jahre alt und damit längst nicht der Älteste unter den Aktiven in den traditionellen roten Westen.

„Vor uns sind schon sieben Chöre hier im Umkreis kaputt gegangen“, erinnert Dieter Rohrbach, „dieser allgemeine Trend ist nicht aufzuhalten. Klar haben wir immer noch ein großes Publikum, und das ist jedes Mal zufrieden, sogar begeistert. Aber aktiv mitmachen und sich verpflichten, das will kaum noch jemand. Bei uns fehlt das Mittelalter.“

Von daher steht für Dieter Rohrbach und seine Mitsänger fest: „Wir sind uns einig, dass wir zum richtigen Zeitpunkt gehen, bevor es blamabel werden könnte. Diesem Anspruch wollten wir genügen.“

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