Interview

Ursula Schneider engagiert sich in der Frauenhilfe

Ursula Schneider ist in der Ev. Frauenhilfe aktiv.

Ursula Schneider ist in der Ev. Frauenhilfe aktiv.

Foto: Gero Helm

wattenscheid.   Ursula Schneider (70) leitet ehrenamtlich eine Gruppe der Evangelischen Frauenhilfe. Und kämpft gegen Vorurteile.

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Die Frauenhilfen in den evangelischen Gemeinden sind der Dachorganisation Evangelische Frauenhilfe in Westfalen mit Sitz in Soest angegliedert; einem Verein innerhalb der Kirche von Westfalen. Engagierte Frauen finden hier Gemeinschaft und sie gestalten das Gemeindeleben aktiv mit. Auf eine Tasse Kaffee besuchte WAZ-Mitarbeiter Norbert Philipp die tätige Christin und Vorsitzende der Frauenhilfe Wattenscheid-Mitte, Ursula Schneider (70).

Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Ursula Schneider: Geboren wurde ich im Wattenscheider Marienhospital. Nach der Schule lernte ich Rechtsanwalt- und Notargehilfin. Nach meiner Heirat und der Geburt unseres Sohnes habe ich nicht weiter in meinem Beruf gearbeitet. Mein Mann Peter und ich sind bald 50 Jahre miteinander verheiratet.

Wann kreuzte die Evangelische Gemeinde Wattenscheid Ihren Lebensweg?

Engen Kontakt zur Gemeinde hatte ich mein Leben lang. Doch als dann 1982 ein Küsterehepaar für das Ludwig-Steil-Haus gesucht wurde, haben wir uns erfolgreich beworben und sind so bis zum gemeinsamen Ruhestand im Jahr 2005 eine sehr enge Beziehung mit der Gemeinde eingegangen.

Programm für alle Altersgruppen

Und Sie sind Mitglied in der Frauenhilfe geworden.

Ja, das war 1984. Damals hatte allein die Kirchengemeinde Wattenscheid-Mitte drei Frauenhilfsgruppen mit zusammen 120 aktiven Mitgliedern. Heute zählen wir gerade mal 32 Seelen. Insgesamt umfasst die Frauenhilfe in Wattenscheid fünf Gruppen, deren Vorstände in einem Stadtverband zusammenarbeiten.

Eine Kollegin bezeichnete Ihren Kreis einmal als „Zimtschnecken-Gemeinschaft“ und meinte damit den Altersdurchschnitt. Finden Sie das Bild passend?

Nein, unser Programm sagt da was anderes aus! In unseren Treffen hören wir Vorträge und setzen uns mit altersunabhängigen Themen auseinander. Erst jetzt zum Bereich „Nahrungsergänzungsmittel“ mit der Internistin Dr. Ute Schwegler. Wir trinken ausschließlich Kaffee aus fairem Handel aus dem Eine-Welt-Laden in der Friedenskirche und leben unseren Glauben mit Gebet und Andacht. Im März beteiligten wir uns intensiv mit den Frauen der Katholischen Gemeinden am Weltgebetstag der Frauen.

Kommen denn auch jüngere Menschen zu Ihnen?

Unsere Gemeinschaft besteht aus Frauen im Alter zwischen 60 und 90 Jahren. Dass nicht jüngere Frauen zu uns kommen, liegt zum Teil sicherlich auch an unserem Image, die Frauenhilfe sei ausschließlich eine kaffeetrinkende Gruppe. So erleben wir eine Altersstruktur, die junge Menschen hindert, zu kommen.

Offen für alle Frauen

Was sind denn die speziellen Angebote für junge Frauen?

Wer an der Verkündigung von Gottes Wort Interesse hat, ist bei uns richtig. Gleich welchen Alters. Andacht und Bibelarbeiten sind bei uns ein fester Programmbestandteil. Natürlich wünsche ich mir, auch junge Frauen begrüßen zu dürfen. Wir wollen aber auch nichts kleinreden. Wir sind mit 45 000 Mitgliedern im Bereich Westfalen der größte Frauenverband innerhalb der Ev. Kirche bundesweit. Ich erstelle ein Halbjahresprogramm mit Pastor Frank Dressler und Pastorin Astrid Roode-Schmeing. Wir versuchen, Alt und Jung miteinander in Kontakt zu bringen.

Können auch konfessionslose Frauen zu Ihnen kommen?

Ja, alle Frauen, egal welcher Konfession oder auch diejenigen ohne konfessionelle Bindung, sind willkommen.

Voneinander lernen und besser verstehen

Also auch Muslima?

Natürlich, wir wären bereichert. Niemand wird dem anderen Menschen einen Glauben aufdrängen und wer zu uns kommt, muss seine Konfession nicht wechseln.

Planen Sie sich dem Thema Islam zu nähern?

Ja, schon bald. Meine Cousine entwickelte in Essen ein Projekt und schrieb dazu ein Buch. Bei „Ich erzähle meine Geschichte“ interviewen deutsche Frauen mit islamischem Glauben und umgekehrt. So können wir uns besser kennen lernen, voneinander lernen und uns besser verstehen. Im kommenden Jahr wird meine Cousine mit einer Muslima zu Gast sein und von diesem Projekt berichten.

Wird es ein ähnliches Projekt in Wattenscheid geben?

Das wäre schön, dafür benötige ich aber Unterstützung. Organisatorisch ist das sehr aufwändig und braucht viel Zeit.

Was ist Ihre Motivation für das ehrenamtliche Engagement?

Ich habe Freude daran, mit Menschen zusammen zu sein. Die Gemeinschaft stärkt meinen Glauben und hilft mir diesen in Nächstenliebe und Seelsorge zu leben. Es führt auf das eine Ziel zu: Angenommen zu sein von Gott.

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