Kirche

Thema Missbrauch: Die St.-Joseph-Gemeinde ist erschüttert

In der St.-Joseph-Gemeinde hat der Priester im Ruhestand, der zweimal wegen sexueller Straftaten verurteilt worden war, gelegentlich Sonntags-Gottesdienste gehalten.

In der St.-Joseph-Gemeinde hat der Priester im Ruhestand, der zweimal wegen sexueller Straftaten verurteilt worden war, gelegentlich Sonntags-Gottesdienste gehalten.

Foto: SCHILD, Thomas / WAZ FotoPool

Wattenscheid.  Die katholische Kirchengemeinde St. Joseph reagiert geschockt. Im Sonntags-Gottesdienst sollen alle Mitglieder informiert werden.

Mitglieder in der katholischen Kirchengemeinde in Wattenscheid sind erschüttert. 13 Jahre lang (von 2002 bis 2015) war der Priester im Ruhestand gelegentlich in der St.-Joseph-Gemeinde in Wattenscheid als Aushilfsgeistlicher tätig, obwohl er zweimal – in den Jahren 1972 und 1988 – wegen sexueller Straftaten verurteilt worden war. In den Sonntags-Gottesdiensten in der gesamten Pfarrei sollen die Mitglieder nochmal offiziell informiert werden.

„Wir wollen wissen, ob es Kenntnisse darüber gibt, ob es hier zu Grenzverletzungen gekommen ist“, sagt Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistum Essen. Propst Werner Plantzen teilt mit, dass das Team nach dem Gottesdienst zu Gesprächen bereit stehen werde. „Wir möchten signalisieren, dass wir niemanden allein lassen“, sagt er.

Hinweis von zwei Personen

Es sei eine große Betroffenheit von Seiten des Pastoralteams zu spüren. Anzeichen habe es in der Gemeinde nicht gegeben, so der Propst. „Wenn es eine Beschwerde gegeben hätte, müssten wir dem sofort nachgehen“, betont Plantzen.

Gegenüber der WAZ sagte der Pfarrer der St.-Joseph-Gemeinde, Klaus Reiermann, dass 2003 eine Frau und ein Mann gesagt hätten, dass „da mal irgendetwas gewesen“ sei. Im Internet habe er aber nichts über die Vorkommnisse gefunden. Zuvor sagte er dieser Redaktion, dass es keinerlei Anzeichen für die nun bekannt gewordenen Anschuldigungen gegeben habe.

Ruheständler bei Sonntags-Gottesdiensten

Der Ruheständler sei aber nicht in der täglichen Gemeindearbeit eingesetzt worden, so Reiermann. Seine Hauptaufgabe habe darin bestanden, aushilfsweise die Sonntags-Gottesdienste zu zelebrieren. Bis 2015 habe der heute 85-Jährige in der St.-Joseph-Gemeinde gewohnt.

Zurückhaltend äußerte sich am Donnerstag die kfd. „Wir sind ausgesprochen bestürzt. Man braucht ein bisschen Zeit, um das fassen zu können“, sagt Brigitte Merz vom Leitungsteam. Wenn so etwas vor der eigenen Haustür passiere, sei es ein beunruhigendes Gefühl.

Senioren äußern sich beim Gemeindecafé erschüttert

Beim wöchentlichen Gemeindecafé war die Berichterstattung ebenfalls Thema. Viele Senioren antworteten auf WAZ-Anfrage, dass sie geschockt seien. „Ganz viele haben gestern geweint. Ich bin froh, dass solche Sachen aufgeklärt werden“, sagt Ursula Demberger. Die 83-Jährige ist seit vielen Jahren Mitglied der Kirchengemeinde und war im Vorstand aktiv. Auch ihre Sitznachbarin Marlies Stoepel stimmt ihr zu: „Das hat uns alle runtergezogen. Er war einer von uns“, erklärt die ebenfalls 83-Jährige.

Der Priester war bei vielen älteren Gemeindemitgliedern sehr beliebt. „Bei ihm hätte ich so etwas nicht erwartet“, sagt Stoepel. Ein anderer Besucher des Cafés im Pfarrheim berichtet von intellektuellen Gesprächen, die er mit dem Priester geführt habe. Er sei froh, dass über solche Fälle berichtet werde.

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