Minister-Besuch

„Tafeln“ sind nicht als staatliches Hilfesystem zu verstehen

NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann und Tafel-Chef Manfred Baasner (v.l.) hier im Pressegespräch.  Er lobt das Engagement der Aktiven, anderen zu helfen. Foto:Gero Helm

NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann und Tafel-Chef Manfred Baasner (v.l.) hier im Pressegespräch. Er lobt das Engagement der Aktiven, anderen zu helfen. Foto:Gero Helm

Wattenscheid.  Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann zu Besuch in Wattenscheid: Tafeln fußen auf dem Engagement von Menschen, die anderen helfen.

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Minister-Besuch bekam die Wattenscheider Tafel. Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, nahm sich am Donnerstag Zeit, Gespräche mit dem Vorsitzenden Manfred Baasner über die aktuelle Situation der Tafel zu führen. Laumann lobte die Tafel als Angebot von ehrenamtlich engagierten Menschen, die anderen helfen wollen. Er stellte aber klar heraus, dass „die Tafeln keine staatliche Einrichtung oder ein Hilfesystem und auch nicht Bestandteil von SGB 2 sind.“

Bürgerschaftlich

Laumann hob zwei, für ihn wesentliche Aspekte hervor: „Gute Lebensmittel sollen nicht verkommen, denn jeder sollte Respekt vor Lebensmitteln haben. Zudem werden den Menschen Lebensmittel gegeben, die wenig Geld haben und sich darüber freuen.“ Die Tafeln fußen auf dem Engagement von Menschen, die anderen helfen wollen. „Sie sind ein bürgerschaftliches Angebot.“

Bedürftigkeit

Die Einrichtungen hätten Grundsätze für die Bedürftigkeit geschaffen, so müssten die Besucher den Hartz-IV-Nachweis erbringen. Laumann: „Das war anfangs nicht der Fall. Doch haben sich viele Menschen an der Tafel mit Lebensmitteln eingedeckt, die es eigentlich gar nicht nötig haben.“ Er lobte das ganzheitliche Betreuungsangebot der Wattenscheider Tafel mit Sprachkursen und einem Sozialen Warenhaus. „Keinen Kommentar“ wollte Minister Laumann zur Situation der „Essener Tafel“ abgeben.

Tafel-Chef Manfred Baasner machte deutlich, dass sich der Alltag bei der Tafel durch den Flüchtlingszuzug ab dem Jahr 2015 stark verändert hatte. „Viele Menschen kamen zu uns, weil sie Hilfe brauchten. Es war zum Teil schon sehr eilig und hektisch hier.“ In den vergangenen Monaten habe sich die Situation aber wieder beruhigt und entspannt. Etwa durch die Sprachkurse, die gefragt seien, würde eine bessere Verständigung möglich. Baasner: „Ohne Sprache ist miteinander leben und lernen nicht möglich.“ Viele Tafel-Gäste, die die deutsche Sprache erlernt haben, seien mittlerweile Mitarbeiter in der Einrichtung.

Märkische Schule engagiert sich

Engagement komme auch von außen, etwa durch die Gymnasiasten der Märkischen Schule. Unter dem Motto „Armut gibt es auch in Wattenscheid“ haben Schüler und Lehrer der Märkischen Schule mit der Tafel eine feste Kooperation vereinbart, die beinhaltet, dass Schüler einen Tag in der Woche in der Tafel mitwirken. So wolle die Märkische Schule sich als Wattenscheider Gymnasium vor Ort zu engagieren. Damit Schüler die Armut-Problematik kennenlernen, hat ein Kurs im Fach „Sozialwissenschaften“ der Märkischen Schule einen Tag in der Einrichtung mitgeholfen. Die Erfahrungen haben dazu geführt, dass rund 90 Pennäler der Q2, die jetzt ins Abitur starten, an einem Wochentag in der Tafel gearbeitet haben.

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