Heimatgeschichte

Spurensuche führt aus Sachsen zurück zum Alten Markt in WAT

Repräsentativ beherrschte das Gebäude die „Nordstraße“, heute den Alten Markt in Wattenscheid.

Repräsentativ beherrschte das Gebäude die „Nordstraße“, heute den Alten Markt in Wattenscheid.

Foto: Repro: Uli Kolmann / WAZ

Wattenscheid-Mitte.  Die Nachfahren des Drogisten Heinrich Schmidt treffen sich im heutigen Haus von La Piazza. Der Urahn begann in WAT mit seinem Vogelfutter-Handel.

Schon in der heute nostalgischen Werbung brachte Vogelfutter erst die gefiederten Hausgenossen zum Sprechen, und auch heute vermag es Geschichten hervorzubringen. Denn eine der Spuren in die Frühgeschichte der eigenen Dynastie führt über „Drossel- und Amselfutter“ in ein markantes Gebäude am Alten Markt, mehr als 100 Jahre zurück.

Wo heute „La Piazza“ und „Leichtsinn“ beheimatet sind, schloss sich unlängst ein Kreis, der inzwischen weit über die Hellwegstadt hinaus geht, bis nach Sachsen. Um 1880 hat der Drogist Heinrich Schmidt das Haus an der Stirnseite gegenüber der Kirchenburg, damals noch Nordstraße, erbaut. Und Besonderheiten in seinem Sortiment waren etwa „Vieh-Mast-Fresspulver“ und „Drossel- und Amselfutter“ oder sogar „Nachtigallenfutter“. Das gab’s in der noch bäuerlich geprägten Siedlung in Papiertüten, deren zwölf bis 15 leere, gesammelt und zurück gebracht, dem Kunden eine volle einbrachte – Pfandsystem des ausgehenden 19. Jahrhundert.

133 aktuell in der Liste

Zurück gebracht hat der Hinweis auf das Haus und den Begründer der Dynastie Schmidt nun auch die Nachkommen. Das auch nicht auf direktem Wege, sondern erst über eine Station im hohen Norden, nach einem der alle fünf Jahre einberufenen Familientreffen in Hamburg. „133 sind es aktuell“, wollen die ältesten Schmidts, Ottilie Sieglinde (85), und Dr. Paul Wilhelm (78), festgehalten wissen. Denn dort in der Hansestadt kam der inzwischen in Chemnitz angesiedelte Zweig der Schmidts auf die Idee, in Wattenscheid nach dem Stammsitz Ausschau zu halten. Denn das wohlsortierte Familien-Fotoalbum wies einige Bilder des Gebäudes auf.

Aus Chemnitz über Hamburg nach WAT

Nicht ahnen konnte die Delegation, die sich dann aus Sachsen letztlich auf den Weg ins Revier machte,

dass das Gebäude vor zwei Jahren komplett renoviert worden war. „Die Fassade wurde dabei dezent zurückgebaut“, erinnert Wirt Mario Oliveri von La Piazza sich. Ihm fiel auch der ungewöhnliche Besuch, vielleicht durch den deutlichen Akzent erst auf. Denn die Besucher hatten nicht einmal eigens reserviert.

Letzte Schmidt wohnte hier um 1980

„Eine Tante muss um 1980 hier als letzte Schmidt gewohnt haben“, erinnern sich Martin und Paul Schmidt, die dann wiederum 1983 in Essen gestorben ist. Das Haus wurde verkauft und umgebaut. 1978, erinnert sich Olaf Schmidt („der einzige mit nur einem

Vornamen, Mama war sparsam“), war er tatsächlich schon einmal und auch letztmalig hier. Wiederentdeckt hat er das Tagebuch der Mutter, Gudrun Ursula, aus dem Haus, was ihn am Ort der Entstehung nun besonders berührt hat.

Historischer Fund sorgt für Überraschung

Und wiedergefunden haben sie mit Ina Schlömann von „Leichtsinn“-Geschenke am Alten Markt auch die geradezu sagenhaften Abfülltüten aus der historischen Drogerie – mehr als gut erhalten und überhaupt nicht verblichen.

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