Bundesverdienstkreuz

Rüstige Seniorin bringt den Kindern Tischmanieren bei

Magdalena Welskop – hier gemütlich beim Cappuccino – wird mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Foto:Gero Helm

Magdalena Welskop – hier gemütlich beim Cappuccino – wird mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Foto:Gero Helm

Wattenscheid.  Magdalena Welskop (90) wird für ehrenamtliches Engagement im Kindergarten St. Barbara mit Bundesverdienstkreuz geehrt. Seit 30 Jahren aktiv

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Manieren sind ihr wichtig, vor allem bei Tisch. Wobei Magdalena Welskop keineswegs etepetete wirkt, doch weiß sie genau, dass Benimm am Tisch zu den Grundregeln eines Miteinanders – gerade beim Essen – gehört. Die rüstige 90-Jährige aus Leithe wirkt seit 30 Jahren im Kindergarten St. Barbara an der Hollandstraße und übt mit den drei- und vierjährigen Kindern Tischmanieren.

Für ihr Engagement wird Magdalena Welskop am 19. April im Bochumer Rathaus mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Die Benachrichtigung dazu bekam sie am 1. April. „Ich dachte zuerst, das ist ein Aprilscherz und habe sofort die Leiterin, Christiane Schlott, angerufen.“

Benachrichtigung war kein Aprilscherz

Es war kein Scherz, sondern ist Tatsache. Magdalena Welskop: „Eigentlich ist mir die Ehrung gar nicht so wichtig. Ich bin doch gerne im Kindergarten. Dort arbeitet ein so wunderbares Team.“ Und: „Obwohl ich mich jetzt doch schon sehr freue, dass meine Arbeit so anerkannt und geschätzt wird.“ Für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen haben sie die ehemalige Leiterin Christa Decka und die heutige Chefin, Christiane Schlott.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – ist ihre Devise. Die gebürtige Bochumerin, die mit ihrem Mann Ende der 1940er Jahre nach Wattenscheid gezogen ist und am Marien-Hospital als Krankenschwester gearbeitet hat, begann ihre ehrenamtliche Arbeit in St. Barabara, „als mein Enkel dort in die Einrichtung ging.“ Ihr Ehemann war verstorben und die damalige Leitern Christa Decka fragte an, ob sie sich nicht im Kindergarten engagieren wolle. „Erst habe ich in der Gruppe mitgemacht, dann beim Mittagstisch. Schnell war ich für alle die Oma Lena. Ich habe gesehen, wie sich die Kinder bei Tisch benehmen und dachte, dass ein bisschen Knigge nicht schaden kann.“

Anleitung tut allen Kindern gut

Die Einrichtungsleiterin samt Team war begeistert. Fortan war „Oma Lena“ mittags zur Stelle und schaute den Kleinen auf die Finger. „Bis heute helfe ich den drei und vier Jahre alten Kindern beim Umgang mit dem Besteck und wie sie sich richtig an den Tisch setzen“, sagt sie. Das funktioniere spielerisch, mit Spaß und ein wenig Autorität. „Ich sehe, dass die Kleinen bereits nach ein paar Tagen schon richtig gut mit Messer, Gabel und Löffel umgehen können.“

Ob sie so etwas nicht zu Hause, daheim bei den Eltern lernen, fragt sich. „Viele, aber nicht alle“, weiß die 90-Jährige aus Erfahrung. „Und da spielen weder die Nationalität noch die soziale Herkunft eine entscheidende Rolle,“ so Magdalena Welskop. „Ein bisschen Anleitung können alle Kinder gebrauchen. Und wenn sie schon gut mit dem kleinen Kinderbesteck umgehen können, dürfen sie das der größeren Kinder benutzen.“ Das animiere die Kleinen untereinander. „Natürlich möchten dann alle mit dem größerem Besteck essen dürfen.“

Es sitzen immer je sieben Kinder an einem Tisch

Die Seniorin kommt jeden Tag von 11.30 bis 13.30 Uhr in den Kindergarten – außer gelegentlich in den Ferien. Die will sie mit ihrer Familie nutzen. „Es sitzen immer je sieben Kinder an einem Tisch und ich leite sie mit einer weiteren Ehrenamtlichen an.“

Ihr Amt begann sie, als der Enkelsohn die Einrichtung besuchte. „Heute ist meine Ur-Enkelin dort. Und ich werde so lange weitermachen, wie ich kann. Es macht einfach Spaß.“

Schick in Hose und Blazer

Magdalena Welskop darf auch etwa zehn Personen mit zur Auszeichnung ins Bochumer Rathaus nehmen. „Meine Familie und die Freunde aus dem Kindergarten sollen mich begleiten.“ Und sie weiß auch schon, wie sie sich kleiden möchte: „Ein farbiges T-Shirt, einen schicken Blazer und eine Hose“, sagt sie.

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