Ein Hobby zum Abheben

Per Daumendruck mit Vollgas ab in den blauen Himmel

Keine Frage der Spannweite: Modellfluglehrer Frank Reinhardt mit dem kleinen Jonas (6).

Foto: Socrates Tassos

Keine Frage der Spannweite: Modellfluglehrer Frank Reinhardt mit dem kleinen Jonas (6). Foto: Socrates Tassos

wattenscheid.   Schnupperfliegen beim Modellflugverein Bochum-Wattenscheid an der ehemaligen Zeche Königsgrube. Im Luftraum herrschen strenge Regeln.

Passagiere möchten bestimmt nicht erleben, was sich im Luftraum über der ehemaligen Zeche Königsgrube tut: Flugzeuge drehen Loopings, Schrauben, und fegen mit bis zu 200 Sachen über den Platz. Aber Fluggäste gibt’s hier auch nicht, nur Flugschüler und -lehrer, und die Flugzeuge lassen sich mit einer Hand heben. Es ist „Schnupperfliegen“ beim Modellflugverein Bochum-Wattenscheid.

Und während es in dem Club mit seinen 182 Mitgliedern „ganz locker zugeht, wir sind keine Vereinsmeier“, so Anleiter Frank Reinhardt, herrschen im scheinbar unbegrenzten Luftraum strenge Regeln. Die Modelle dürfen keine Verbrennungsmotoren haben, und wer keinen Sachkundenachweis hat und unter 14 Jahren jung ist, darf auch nur solche bis maximal zwei Kilo steuern. „Nicht so einfach für die Nachwuchswerbung“, räumt MFV-Vorsitzender Thomas Slawinski ein.

Die Luftraumordnung regelt ohnehin schon, bis zu welcher Maximalhöhe (100 Meter ohne Nachweis, 1 000 Fuß/ca. 300 Meter mit) geflogen werden darf, und dann vor allem immer mit Steuerungskontrolle und auf Sicht. Was schon einmal gar nicht so einfach sein kann, denn die „Speed“-Modelle kommen auch mit Akku-Antrieb auf über 200 Stundenkilometer. „Wenn der einschlägt, brauchst Du gar nicht mehr zu suchen“, flachsen die Kollegen von der Bank.

Schlägt er aber nicht, Thomas Schmidt (51) hat ihn unter Kontrolle. Vorhersehbar ist aber auch in der „kleinen“ Fliegerwelt nicht alles: Sein Doppeldeckermodell drückt der Wind in einer Kurve in die Grasnarbe – Bruchlandung. Er nimmt’s gelassen, auch wenn das zwei Wochenenden mit Basteln bedeutet: „Kann man alles wieder fertig machen, ich hab’ noch ‘ne Rolle Extra-Silberfolie.“ Die Leichtbauweise, beim Doppeldecker klassisch aus Balsaholz mit Querstreben, macht die Flieger schnell und wendig, aber auch bruchgefährdet.

Der Ärger, für den Modell-Drohnen immer wieder gesorgt haben, hat auch eine strengere Verordnung ab 1. Oktober hervorgebracht. So muss etwa der Halter auf einer Plakette erkennbar sein. Wer unbedarft und unwissentlich das Flugverbot an Flughäfen oder Naturschutzgebieten missachtet oder Schäden verursacht („meistens sind es Pilotenfehler“) läuft außerdem Gefahr, dass seine Haftpflichtversicherung sich sperrt.

All das vermitteln aber auch die erfahrenen Modellflieger gern.

Interessierte Neulinge und Wiedereinsteiger sind immer sonntags auf der Anlage an der Günnigfelder Straße gegenüber dem Parkplatz der Zeche Hannover ab 10 Uhr willkommen.

Kontakt und weitere Informationen über den Geschäftsführer Carsten Giesen, Telefon 0173/28 79 641, im Web: http://www.modellflug-bochum.info.

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