Umwelt

Naturschutzgebiet Blumenkamp in Bochum ist ausgetrocknet

Das Feuchtbiotop Blumenkamp in Bochum/Wattenscheid ist ausgetrocknet.

Das Feuchtbiotop Blumenkamp in Bochum/Wattenscheid ist ausgetrocknet.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum/Wattenscheid.  Der Weiher im Biotop Blumenkamp in Bochum liegt derzeit ohne Wasser im Bereich Günnigfeld/Hordel. Für die Tierwelt ein großes Problem.

Ein ungewohntes Bild zeigt sich dieser Tage Besuchern des Naturschutzgebietes (NSG) „Blumenkamp“ zwischen Günnigfeld und Hordel: Der durch eine Bergsenkung entstandene Weiher ist trockengelegt. Statt Wasser sind Boden und Schlamm zu sehen. Der Zustand ist eine Folge des trockenen Sommers. Der angekündigte Regen könnte nun Abhilfe schaffen.

Stadt: Natürliches Phänomen

Grund zur Sorge bestehe allerdings nicht, teilt Peter van Dyk, Pressesprecher der Stadt Bochum, auf Nachfrage mit: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich der Wasserspiegel des Weihers bei langer Trockenheit absenkt, da er keine natürlichen Zuflüsse hat. Sinkt der Grundwasserspiegel, sinkt der Wasserstand des Weihers, der an einigen Stellen auch völlig trockenfallen kann.“

Wer häufig auf dem Weg durch die grüne Idylle zwischen Erzbahntrasse und Ortsumgehung Günnigfeld unterwegs ist, wird sich sicherlich dennoch gewundert haben, wie Meldungen und Fotos an die Redaktion gezeigt haben. Handlungsbedarf bestehe laut Stadt ebenfalls nicht, obwohl derzeit das gewohnte Bild von badenden, schwimmenden Enten und anderen Wasservögeln fehlt.

Keine Eingriffe geplant

Im Gegenteil. Der Natur möchte man ihren Lauf lassen, keinesfalls eingreifen und mit gut gemeinten Aktionen den Kreislauf abändern, sagt van Dyk: „Aufgefüllt wird der Weiher nicht, da der zyklisch sich ändernde Wasserstand natürliche Ursachen hat und diese Änderungen für ein Ökosystem wie am Blumenkamp aus Sumpf- und Röhrichtpflanzen, Pioniergewächsen und Schilf nicht nur nicht schädlich, sondern normal sind. Dieses Ökosystem steht unter Naturschutz, was auch bedeutet, dass der Mensch sich dort so wenig wie möglich einmischen sollte.“

Schildkröten nehmen Sonnenbad

Eine weithin bekannte Besonderheit des naturbelassenen Teiches ist derweil wohl doch auf menschliches Handeln zurückzuführen. Vor vielen Jahren muss jemand „Rotwangen-Schmuckschildkröten“ im Weiher ausgesetzt haben. Im Ruhrgebiet wurden die Reptilien, die ursprünglich aus Nord-Amerika stammen, dann heimisch. Vor allem an warmen Tagen werden die Schildkröten bei einem Sonnenbad auf Baumstümpfen häufig beobachtet und fotografiert.

Tiefster Punkt Bochums

Während der Anblick der geschützten Oase vor allem im Sommer Gedanken an exotische Mangrovenwälder wecken kann, geht der Ursprung des flachen Weihers auf die „Maloche-Unter-Tage“ zurück: Das Stillgewässer im 3,7 Hektar großen Naturschutzgebiet ist durch den Bergbau entstanden, nachdem sich das Gelände abgesenkt hatte. Gleichzeitig markiert das NSG „Am Blumenkamp“ Bochums tiefsten Punkt (43 Meter über NN)

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Auch Fische haben immer wieder den Weg in den Weiher gefunden. Eingetragen werden sie unter anderem im Gefieder von Wasservögeln. Besucher schlugen auch in diesem Punkt in der Vergangenheit Alarm, als zahlreiche tote Fische im Weiher zu finden waren, etwa im Jahr 2011. Damals wurde Sauerstoffmangel im Stillgewässer, das über keine Zu- oder Abläufe verfügt, als Ursache festgestellt.

Gefährdete Krötenart hier heimisch

Weitere „Am Blumenkamp“ heimische Tiere sind zum Beispiel Amphibien, wie Grasfrösche, Erdkröten, Wasserfrösche, Teich- und Bergmolche. Auch die streng geschützten Geburtshelferkröten haben im Günnigfelder NSG eine Heimat gefunden.

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