Umwelt

„Nachbarin Natur“ kann in Wattenscheid neue Formen annehmen

Wo der Auenwald zwischen Hansastraße und Wattenscheider Straße Raum finden sollte, nimmt das Projekt „Nachbarin Natur“ nun langsam Formen an.

Wo der Auenwald zwischen Hansastraße und Wattenscheider Straße Raum finden sollte, nimmt das Projekt „Nachbarin Natur“ nun langsam Formen an.

Foto: Uli Kolmann / WAZ

Wattenscheid-Heide.  Auf die Brache am Westkreuz soll behutsam die Natur zurückkehren. Die Initiative „Nachbarin Natur“ kann das Gelände kostenlos vom Land pachten.

Vergessen ist das Fleckchen Erde nicht, versteckt auf eine ungewöhnliche Weise wohl. Eingeschlossen wird die dreieckige Brachfläche von der Wattenscheider Straße, der Hansastraße, und der Trasse der Straßenbahn 302, dahinter der Lärmschutzwand zur A 40. Hier bekommt ein ungewöhnliches Projekt Unterstützung und vor allem viel Zeit. „Nachbarin Natur“ ist der Titel, den die Initiative von Anliegern oberhalb des Areals sich und damit auch dem Vorhaben gegeben hat. Das kleine, grüne Idyll am Kabeisemannsbach kann und soll sich in und wegen seiner einzigartigen Lage entwickeln.

Am Westkreuz in Bochum darf sich jetzt die Natur ausbreiten

Der Landesbetrieb Straßen NRW hat schon früh „grünes Licht“ für die Anwohner gegeben, nachdem die

Pläne zur Errichtung eines Autohofs an dieser Stelle auf Eis gelegt wurden. Zunächst diente die Fläche beim Ausbau des Westkreuzes zur Zwischenlagerung von Aushub und Baumaterial, dann legte der Landesbetrieb doch noch deutlich den Daumen drauf und legte sich fest: Hier sollte der Ausgleich geschaffen werden für die Eingriffe in die Natur und die Landschaft, die beim Autobahnbau unvermeidlich waren. Eine Kompensationsfläche, auf der die Wünsche der Anrainer von Johannisburger und Elbinger Straße sozusagen auf fruchtbaren Boden fielen.

Sie regten die Anlage eines Auenwaldes an, allerdings vermittelte die Emscher-Genossenschaft, die den Kabeisemannsbach an dieser Stelle bewirtschaftet und im Rahmen des Emscher-Umbaus auch noch

renaturieren will, das dies rein technisch kaum möglich wäre. In einem frühen Stadium suchte Bernd Rehfäuter, Landschaftsingenieur bei Straßen NRW, schon Kontakt. Er breitete aus, vorstellbar wären kleinere Neupflanzungen mit Hochstämmen und Buschgruppen, dazu Biotopelemente wie Natursteinblöcke, Totholz und Greifvogel-Sitzstangen, wie dies auch gegenüber am Regenrückhaltebecken schon geschehen war.

Areal wurde kürzlich aufbereitet

Tatsächlich ist nun vor kurzer Zeit und wegen der versteckten Lage geradezu unbemerkt der Aufwuchs auf dem fraglichen Areal mit schwerem Gerät einmal beseitigt und damit Grund geschaffen worden für eine Bepflanzung, etwa mit Wildblumen für eine Bienenwiese.

Rehfäuter hatte bereits erklärt: „Die Vegetation soll weitgehend erhalten werden, sich nach und nach weiterentwickeln und nur in Teilbereichen zweimal pro Jahr gemäht werden.“ Als Abschirmung der Fläche zum Fuß-/Radweg parallel zu den Straßenbahnschienen könnte eine heimische Heckenart gepflanzt werden.

Kontakt zum Westend-Netzwerk

Das Projekt ist unlängst auch schon bei der Gründung des Netzwerks Westend vorgestellt worden. Dabei sind Kontakte zur Ruhrstadt-Gartenmiliz, die an der Maarbrücke in Goldhamme aktiv ist, entstanden und sollen nun weiter intensiviert werden. Die Siedlerinitiative aus der Johannisburger Straße hat gute Aussichten, die Fläche auf Zeit anzupachten, um die Pflege unter Naturschutz-Gesichtspunkten sicherzustellen. Dazu soll ein Pflanz- und Pflegevertrag ab etwa Mitte 2022 mit einem Verein oder einer Initiative abgeschlossen werden, um Ansprechpartner vor Ort zu haben.

Anna Gregorowicz schwebt vor, heimische, wildbienen-freundliche Sämereien zu verwenden, Nisthilfen für die Insekten nach Empfehlung des Naturschutzbundes Nabu in einem Workshop zu bauen und dafür Schulen, Siedler und Initiativen mit ins Boot zu holen.

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