Bildung

Künstler aus Wattenscheid skizziert Armut mit spitzer Mine

Der Wattenscheider Künstler Waldemar Mandzel hat ein neues Unterrichtswerk veröffentlicht. Es geht um das Thema Armut.

Der Wattenscheider Künstler Waldemar Mandzel hat ein neues Unterrichtswerk veröffentlicht. Es geht um das Thema Armut.

Foto: WAZ / FFS

Wattenscheid.  Schüler sollen sich mit Armut, ihren Formen und Ursachen auseinandersetzen. Der Wattenscheider Waldemar Mandzel (72) legt ein neues Werk vor.

Sie schlägt weltweit zu, trifft Kinder genau wie Ältere, mal urplötzlich, mal schleichend: Armut. Welche Ursachen sie haben kann, warum sich grundlegende existenzielle, strukturelle und auch geografische Probleme leidig konstant zeigen, stellt der Wattenscheider Künstler Waldemar Mandzel (72) in seinem neuen Unterrichtswerk zur Schau – und zur Diskussion unter Schülern.

Kuchen bleibt im Halse stecken

In zerlumpter Kleidung steht die untere Schicht auf einem dünnen Boden. Mit einem gemeinsamen Kraftakt wird die mittlere Schicht gestemmt. Der Blick nach ganz oben bleibt der menschlichen Kuchenmasse verwehrt. Ganz oben auf der Backware, noch über der obersten Schicht samt Zuckergussglasur mit Geldbündelverzierungen, thront die Elite. „Ungleichheit“ nennt Waldemar Mandzel (72) seinen karikaturistischen Kuchen .

Könnte man dieses Werk noch als „bittersüß“ beschreiben, wird der freischaffende Maler und Grafiker an anderer Stelle deutlicher. Die mediale Ausbeutung der unter Armut Leidenden, die zwar abgelichtet werden, denen man sich aber offenbar nicht nähern mag, ist eine Gesprächsgrundlage. Weitere Themenbereiche gehen von zu niedriger Rente bis zu tödlichen Auswirkungen einer verarmten Gesellschaft in sogenannten Entwicklungsländern.

Impulse setzen

Mandzel möchte so erneut Impulse setzen. Ausgelegt ist das Unterrichtswerk für die Jahrgänge sieben bis 13. „Kritisch hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden“ sollen sich die Schüler. Dafür können unterschiedliche Methoden im Unterricht angewendet werden: Kurzreferate, Diskussionen, Gruppenpuzzle, Mindmaps und Comicstrips schlägt der Wattenscheider Künstler für einen lehrreichen Einsatz vor.

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Durch seine jahrelange Tätigkeit kann Waldemar Mandzel auf einen großen Fundus an Zeichnungen zugreifen. „Diesen stocke ich auf, es kommen neue Sachen hinzu, vorhandene werden aktualisiert. Vor allem in Detailfragen.“ Beim Thema Armut muss auch er konstatieren: „Die Grundursachen sind leider seit Jahrzehnten gleich.“

Kinderarmut im Fokus

Kritisch beäugt werden spezielle Ursachen im Kapitel „Politische Förderung der Armut“. Schlagwörter wie „Militär“ und „Luxusprobleme“ sollen anregen. Gerade in Bezug auf Kinderarmut wird auch die aktuelle Situation durch die Corona-Pandemie bedacht. Nicht nur UNICEF schlug Alarm in Bezug auf unmittelbare und langfristige Folgen durch Covid-19. Natürlich gehe es „um plötzliche Arbeitslosigkeit – egal ob durch Krankheit oder Wirtschaftsflaute“, sagt Mandzel.

Als Vorsitzender des Künstlertreffs Wattenscheid erlebt er den Kampf der gesamten Kulturbranche mit: „Viele Künstler sind betroffen, brüten vor sich hin. Auch wir können uns natürlich nicht mehr treffen.“ Die vorerst letzte Ausstellung wurde im Februar eröffnet – die Bilder hängen noch immer in der Awo am August-Bebel-Platz, veranschaulicht Mandzel den Stillstand: „Eine Vernissage mit Lesungen und Musik – das geht natürlich nicht. Geplante Ausstellungen in 2021 stehen auf der Kippe, wir können keine Termine machen, nichts planen.“

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