Lesung

Krimi-Duo öffnet und belebt sein „Datengrab“ in der Bücherei

Reinhard Junge und Christiane Bogenstahl legten einen lebendingen Auftritt hin vor rund 50 Besuchern hin.

Foto: Timo Gilke

Reinhard Junge und Christiane Bogenstahl legten einen lebendingen Auftritt hin vor rund 50 Besuchern hin. Foto: Timo Gilke

Wattenscheid.   Reinhard Junge und Christiane Bogenstahl rüsten „Pegasus“-Team für die Welt 3.0. Ruhrpott-Schnauze trifft auf Leichenfund, Fortsetzung folgt.

Eine (fiktive) Institution des Ruhrgebiet-Krimis kehrt im Datengewand 3.0 zurück: das Dortmunder Video-Team „Pegasus“. Eine höchst konträre Mischung aus entblößten, gequälten Körpern und sadistischen Trieben sowie locker-illustren Dialogen im markigen Kohlenpott-Klang präsentierten Christiane Bogenstahl und Reinhard Junge am Donnerstagabend in der Bücherei Wattenscheid. Bewegt vorgetragen im Wechselspiel und mit dezenten schauspielerischen Leistungen hauchten sie ihrem ersten gemeinsamen Werk „Datengrab“ Leben ein.

Von „heiter“ bis „hart“: Lesung bot viel Abwechslung

Rund 50 Besucher kamen zur kostenlosen Lesung, für die sich „LiesWAT!“, der Förderverein der Bücherei, verantwortlich zeigte. Das mit viel Einsatz Vorgetragene sorgte mal für Lacher, dann für Totenstille. Den literarischen Sprung von „heiter“ zu „hart“ und die unterschiedlichen Wirkweisen des Krimis weiß auch Bogenstahl einzuordnen: „Wir haben gerade einmal die Reihen gescannt. Es sind keine Kinder hier, also können wir auch die folgende Passage lesen.“

Genre-Klassiker und Kritik

Neben allen Zutaten, die das Genre definieren – skelettierte Leiche, verschollene Person, Ermittlungsarbeit, Figuren mit Ecken und Kanten – sparen Reinhard Junge, der gemeinsam mit „Leo P. Ard“ (Jürgen Pomorin) das „Pegasus“-Team erstmals 1988 mit Kameras ausstattete, und seine neue „Co-Autorin“ Bogenstahl auch nicht mit kritischen Tönen. Universitätssysteme, Machtmissbrauch, Konkurrenz zwischen staatlichen Institutionen und das namensgebende Thema „Daten“ werden filetiert.

Wattenscheid ist Schauplatz

Die nötige Expertise zu „Backup-Software“ und speziellen „Recherche-Methoden“ bringt Bogenstahl berufsmäßig mit in die Story ein: Die Fachinformatikerin ist u.a. seit 2013 IT-Projektleiterin. So integrieren sich PC-Crash-Kurs, Datenkraken und leidige Windows-Probleme (Alt-Steuerung-Entfernen) in den Fluss des Geschehens und schlagen gleichsam auch die Brücke zwischen den Generationen.

Als Schauplatz wählen der Wahl-Wattenscheider Junge (gebürtiger Dortmunder) und die hier geborene Bogenstahl auch die eigene Heimat: Varenholzstraße, S-Bahnhof Höntrop samt Pizzeria, die A40 und der Einsteinweg werden in die Geschichte eingesponnen.

Signierstunde zur „Halbzeit“

Dass die beiden auch privat ein Paar sind, befeuert die Dynamik des Vortrages und trägt zur lockeren, ehrlichen Stimmung – trotz teils düsterer Thematik – unter den Zuhörern bei. Schon nach der ersten Hälfte erfüllt das Autoren-Duo Autogrammwünsche und signiert das gemeinsame Erstlingswerk. Barbara Jauer (65) wurde durch einen Freund aufmerksam auf die Lesung: „Ich bin zum ersten Mal hier in der Bücherei. Den Vortrag finde ich spannend, interessant und auch sehr witzig“, ist die Besucherin voll des Lobes.

Ideen für einen „Datengrab“-Nachfolger gebe es schon, machen die Autoren Hoffnung auf eine Fortsetzung. „Zunächst befassen wir uns aber mit der Digitalisierung der Memoiren meines Vaters, der acht Jahre lang in einem Konzentrationslager inhaftiert war“, setzt Reinhard Junge Prioritäten.

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