Gastronomie

Junges Duo übernimmt Wattenscheider Traditionskneipe Toffte

Die Gaststätte Toffte am Wattenscheider Hellweg hat neue Besitzer.

Die Gaststätte Toffte am Wattenscheider Hellweg hat neue Besitzer.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Höntrop.  Die kultige Gastronomie am Wattenscheider Hellweg steht unter neuer Leitung. Denis Zemelka und Tristan Kurschatke sind mit viel Elan gestartet.

Die in Ehren längst dunkel gewordenen Bodendielen und Tische sprechen für sich, Pflanzen an den typischen Bleiglasfenstern zeigen aber genauso, dass sich etwas Neues tut am Wattenscheider Hellweg, Ecke Lohackerstraße. Mit Denis Zemelka (21) und Tristan Kurschatke (20) hat ein junges Duo die Traditionskneipe Toffte übernommen.

Wattenscheider Kneipe Toffte soll Alternative zum Bermuda-Dreieck in Bochum sein

Die beiden eingefleischten Höntroper sind trotz der Last der Corona-Einschränkungen verheißungsvoll gestartet und mit dem Echo der ersten Zeit auch schon rundheraus zufrieden. „Der Laden ist ja auch eigentlich immer gut gelaufen, ist auch seit Beginn der Pandemie weiter gut besucht gewesen“, stellen die beiden Jung-Gastronomen klar.

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Sie sind dabei nicht völlig naiv ins kalte Wasser gesprungen. So haben sie beide Erfahrungen in verschiedenen Kneipen im Bochumer Bermuda-Dreieck gesammelt. Vor allem haben sie den Schritt in Selbstständigkeit aber auch bewusst zu zweit gemacht. Dennis übernimmt eher den Bereich Personal, die Schichtpläne und die Umsetzung und Einhaltung des Hygienekonzepts („da sind wir echt streng, kein Vertun“), Tristan kümmert sich um die Termine wie die mit dem Steuerberater oder zur Spülung der Leitungen.

„Einfach so hätte uns ja auch niemand zugetraut, mit gerade mal über 20 eine Kneipe zu übernehmen“ sagen sie nicht ohne Selbstvertrauen. Und legen gleich nach: „ Es ist durchaus möglich, auch in der gerade richtig schwierigen Zeit für diese Branche eine Gastronomie wirtschaftlich zu führen .“ Dass es nicht gleich wieder 150 Leute vor dem Tresen in Fünfer-Reihen und regelrechter Stadion-Atmosphäre werden konnten, war ihnen schon klar.

Die gesunde Mischung ist es, auf die sie setzen, Stammkunden, ältere wie jüngere Gäste. „Wir wollen schon eine Alternative zum Bermuda-Dreieck bieten“, erklärt Denis, „denn wo soll man denn sonst hier in der Gegend hin? Das heißt gerade für die Jüngeren, dass die ganz schön tief in die Tasche greifen müssen und auf den Fahrplan der Öffis gucken müssen.“

Natürlich liegt das Kolpinghaus gleich gegenüber, aber dessen Wirt Sascha Vincon setzt mit Küche und großem Saal schließlich auf ein völlig anderes Konzept. Im Kolpinghaus hat Tristan sogar schon gearbeitet. Küche gibt’s im Toffte nicht, nur Snacks zum Bier, „Nachos und sowas“. Die Tafel neben dem Tresen zeigt aber schon, dass sich Dennis und Tristan umorientieren. Denn der Wochen-Kalender bietet gleich nach dem klassischen „Gedeck“ mit Bier und Klarem den „Student’s Day“, eine „Happy Hour“ am Wochenende und ausdrücklich einen Schwerpunkt-Tag mit Limo und Eistee – den Sonntag.

Zwei Ruhetage gönnen sie sich mit den acht Angestellten, überwiegend als Stamm übernommen, und weiteren Aushilfen. Außer der Reihe geöffnet ist allerdings, wie am nächsten Mittwoch, wenn Fußball auf „Sky“ lockt. „Da orientieren wir uns an den Spielplänen, wenn Bochum, Bayern oder Dortmund spielen.“ Und natürlich Schalke. Die Fußball-Tipp-Tafel hängt gleich am Eingang.

Sie haben sich die Brauerei aussuchen können, setzen auf Fiege und Krombacher aus dem Hahn. „Aber die Karte haben wir nicht nur neu gestaltet, sondern auch ein paar der Whiskys rausgenommen und dafür Longdrinks dazu“. Es gibt auch eine eigene Weinkarte. Neu ist einiges, „wir haben alles gestrichen, Wände und Decken, und neue Lampen installiert“, natürlich ist dabei aber der kultige Kranz von leeren Flaschen mitten im Schankraum geblieben, der Kronleuchter.

„In der Nacht vor dem Start hab’ ich vielleicht ‘ne Stunde geschlafen“, erzählt Dennis, und bei der Feuertaufe kam es auch gleich dicke: die elektronische Kasse streikte. „Gleich eine Katastrophe, aber wir sind dann nach dem ersten Schock wieder auf die Striche auf dem Deckel umgeschwenkt, das ging dann sogar richtig gut.“

Geblieben ist die Chronik der Höntroper Gänsereiter mit der Liste der Könige an der Wand und auch der Historienschrank im Gesellschaftsraum mit den Orden und Fotos der Wattenscheider Stadtprinzenpaare, die „Ahnentafeln“ selbstverständlich. Auf den Karneval setzen Dennis und Tristan unbedingt, wenn die Pandemie wieder einen halbwegs normalen Betrieb zulässt.

Und sie träumen schon ein bisschen von dem, was da vielleicht noch geht: Besonderes zu Halloween, 80er-Partys, Karaoke, Live-Musik und einfach Frühschoppen an Feiertagen. „Einfach Kneipenkultur“ zeigen sie sich optimistisch.

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