Initiative

Jugendliche drehen eine Trainingsrunde mit dem Gold-Läufer

David Behre, Leichtathlet und Paralympics-Teilnehmer, läuft sich mit den Jugendlichen auf der Tartanbahn in der Lohrheide warm. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

David Behre, Leichtathlet und Paralympics-Teilnehmer, läuft sich mit den Jugendlichen auf der Tartanbahn in der Lohrheide warm. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Leithe.  Im Talentcamp Ruhr können 40 Teilnehmer aus 13 Städten im Revier ihre Stärken ausbauen. In der Lohrheide leitet Athlet David Behre eine Station.

Sie gehen auf die Tartanbahn im Lohrheidestadion und laufen nicht um Titel. Sie machen sich auf dem Rasen warm und haben keine Bestzeiten oder Rekordweiten im Blick. Eigentlich haben sie nur ihre Gruppe und sich im Blick, und für heute David Behre, einen Ausnahme-Athleten, der ihnen seine Sicht vom Leistungssport näher bringt. David hat schon eine Goldmedaille geholt, die er heute auch auf der Tribüne beim ersten Kennenlernen zeigt. Was jetzt noch seine Sporthose verbirgt: David hat keine Unterschenkel mehr.

Deshalb ist er auch schon zum zweiten Male im Ferien-Talent-Camp Ruhr dabei, eine Bildungsinitiative von Initiativkreis Ruhr und Talentmetropole. Der Titel seines Buches macht schon deutlich, was David im Kopf auszeichnet: „Sprint zurück ins Leben“. Der Profisportler sicherte sich über 200 Meter den Vizeweltmeistertitel, mit der Sprintstaffel über viermal 100 Meter wurde er Weltmeister. Daher redet er auch weniger über Technik als über Motivation, und genau das ist es, was das Talentcamp den 40 Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren über zehn Tage in den Ferien mitgeben möchte.

Noten sind hier gleichgültig

Larissa Närdemann, einzige hauptamtliche Teamerin in der ehrenamtlichen Begleiterstaffel, erzählt von dem „ziemlich bunten Haufen“, der sich für zehn Tage Camp an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen zusammenrauft. „Sie kommen aus allen Schulformen und aus insgesamt 13 Städten im Ruhrgebiet. Die Noten sind für uns und hier völlig gleichgültig, sie müssen nur von einem Lehrer für das Initiativprogramm empfohlen werden.“

Vorrang haben soziale Talente, „Potenzial, das wir ausbauen und fördern können,“ erklärt die Campleiterin, „oder Talente, die sonst vielleicht untergehen würden,“ etwa, weil die Jugendlichen besondere Schicksale mitschleppen, als Geflüchtete, in Trauerarbeit oder aus schwierigem sozialen Milieu. „Das können sie hier erst ‘mal zu Hause lassen, komplett.“

Mit dem Schicksal zum Vorbild

Interessant macht dann die Gruppe, dass sich die Jugendlichen „im wirklichen Leben,“ meint Närdemann lächelnd, „wohl nie begegnen würden. Und hier können alle voneinander profitieren, auch wir Teamer nehmen immer etwas davon mit.“

Mit David arbeiten sie das zweite Mal zusammen, „denn der arbeitet sehr stark und sehr authentisch mit der Vorbild-Idee. Er kann die Jugendlichen motivieren, weil er selbst einen Schicksalsschlag abbekommen hat und gestärkt daraus wieder hervorgegangen ist.“

Zukunft der Lohrheide

Gar nicht so im Blick haben die Jugendlichen und auch die Betreuer das einsame Transparent an der Tribüne gegenüber. „Eventbühne Lohrheide“ prangt da stolz. Jasmin Buck, Pressereferentin der Essener Initiativkreis Ruhr GmbH, meint mit Blick auf die gerade keimenden Konzepte zur Aufwertung des altehrwürdigen Stadions und auch zur Leichtathletik-Europameisterschaft der Gehörlosen, die hier ansteht: „Das passt schon zusammen, vielleicht ist das heute ja ein Startschuss.“

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