Auf eine Tasse Kaffee

Jeder Abschied bedeutet gleichzeitg auch einen neuen Anfang

Der Friedhofsverwalter Hans-Jörg Masanek geht in die passive Altersteilzeit.

Foto: Gero Helm

Der Friedhofsverwalter Hans-Jörg Masanek geht in die passive Altersteilzeit. Foto: Gero Helm

Wattenscheid.   Friedhofsverwalter Hans-Jörg Masanek geht in Altersteilzeit. Über 7000 Beerdigungen in 32 Jahren. Tausende Angehörige in der Trauer begleitet.

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Für Hans-Jörg Masanek (63), Verwalter des evangelischen Friedhofs in Wattenscheid, begann am 1. August die passive Phase seiner Altersteilzeit. 32 Jahre war er dort nicht nur Dienststellenleiter und Ansprechpartner in Beerdigungsfragen, sondern vor allem Begleiter von trauernden Menschen. Auf eine Tasse Kaffee trafen sich WAZ-Mitarbeiter Norbert Philipp und Hans-Jörg Masanek in den Räumen der Friedhofsverwaltung an der Westenfelder Straße.

Fast Ihr gesamtes Arbeitsleben waren Sie als Friedhofsverwalter tätig. Wie ist es dazu gekommen?

Masanek: Vieles hat sich gefügt. Wir wohnten an der Wasserstraße, der heutigen Otto-Brenner-Straße. Meine Mutter suchte häufig die Stille auf dem Friedhof, um zu lesen oder zu handarbeiten. Ich war immer mit dabei und buddelte fleißig mit Eimerchen und Schüppchen. Als sie mit 36 Jahren starb, pflegte ich als siebenjähriger Junge, gemeinsam mit meinem Vater, fortan ihr Grab. Von Kindheit an war ich leider sozusagen schon im Thema. Nach dem Abi am Märkischen Gymnasium studierte ich auf Lehramt. 1985 bewarb ich mich auf die Ausschreibung der Evangelischen Gemeinde hin und wurde Friedhofsverwalter; bis heute liebevoll getragen von meiner Frau Ingrid, unseren zwei verheirateten Kindern und vier Enkelkindern.

Dann sehen wir bei Ihnen ein lachendes und ein weinendes Auge?

Das lachende überwiegt! Nun habe ich mehr Zeit für meine Hobbys wie Musik, den Gospelchor und meine Trompete. Zeit für die Familie, auch das ist mir wichtig. Vor allem aber mehr Zeit für meine Enkel, die einen fitten Opa gut gebrauchen können. Auch meiner Kirchengemeinde schenke ich mehr Zeitanteile. Fehlen werden mir die intensiven, sinngebenden Begegnungen mit den Menschen auf ,meinem’ Friedhof.

Die Trauerbegleitung als Schwerpunkt in der Friedhofsverwaltung?

Ja, ich sehe das so. Über 7000 Beerdigungen in 32 Jahren. Tausende von Angehörigen habe ich in ihrer Trauer begleitet, eine Hauptaufgabe meiner Tätigkeit als Verwalter des christlichen Friedhofs. Ein Friedhof ist eben nicht nur Begräbnisstätte, sondern vor allem auch Begegnungsstätte. Jemanden hergeben zu müssen, einen geliebten Menschen loszulassen, ist eine der schwersten Aufgaben in unserem Leben. Ich war für die Trauernden da und ansprechbar.

Und wie ist das mit Ihnen? Was hat Ihnen in Ihrem Dienst geholfen?

Mein Glaube. Ich verwalte ja nur die vorletzten Dinge. Für mich ist der Friedhof „Kleiderablage für die Ewigkeit“, nicht mehr und nicht weniger. Jemand sagte mal, ich wirke wie ein „Herbergsvater“. Genau das wollte ich gern sein, das war eine Hauptintention meiner Tätigkeit – wollte mich von Herzen als glaubwürdiger Nachfolger des Herrn Jesus Christus erweisen. Wichtig ist mir ein Grundsatz von Mutter Teresa geworden: „Lass nicht zu, dass du einen Menschen triffst, der nach der Begegnung mit dir nicht glücklicher ist denn zuvor.“ Aber auch mein Humor, manchmal etwas ,schwarz’, hilft mir, Erlebtes zu verarbeiten.

Menschen lieben Geschichten. Welche Geschichte aus Ihrer Dienstzeit fällt Ihnen spontan ein?

Eine Geschichte, die gut 25 Jahre zurückliegt: Der damalige Gärtner hatte wohl nicht richtig gemessen. Jedenfalls blieb der Sarg hängen. Zunächst glitt er sanft nach unten, blieb aber auf halben Weg stecken. Mit einem leichten Fußstubs versuchte ein Träger den Sarg noch in die richtige Position zu bringen, als dieser sich doch unerwartet in Richtung Grabsohle verabschiedete. Der Angestellte des Beerdigungsinstituts hinterher. Bevor wir mit der Beerdigungszeremonie fortfahren konnten, mussten wir erst den Sargträger bergen. Eine schwierige Situation, nicht nur für mich. Viele hätten sich ausschütten können vor Lachen. Es galt aber, aus Respekt vor den Angehörigen und der Situation eine angemessene Haltung zu bewahren.

Nachdem Sie das Friedhofstor zum letzten Mal hinter sich geschlossen haben, werden Sie...

... dies nicht zum letzen Mal tun, da ich ehrenamtlich meinen Nachfolger einarbeite. Die Stelle wurde erst vor kurzem zur Wiederbesetzung ausgeschrieben. Gleichzeitig begeben wir uns auf Wohnungssuche im Wattenscheider Süden, um in die Nähe unserer Kinder und Enkel zu ziehen. Auch kann ich umgehend familiäre Dienstleistungen intensivieren, wie beispielsweise Fahr- und Hütedienste. Zudem wollen meine Frau und ich mehr Kurzurlaube machen.

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