Frauen im Polizeidienst

In den 1980er Jahren anderen Polizistinnen den Weg geebnet

Neuer Anblick für Verkehrsteilnehmer in NRW: Monika Schumann kontrolliert 1985 auf dem Wattenscheider Hellweg Foto: Alfred Winter/Repro: Svenja Hanusch

Neuer Anblick für Verkehrsteilnehmer in NRW: Monika Schumann kontrolliert 1985 auf dem Wattenscheider Hellweg Foto: Alfred Winter/Repro: Svenja Hanusch

Wattenscheid/NRW.   Monika Schumann (55) gehörte zu den ersten Frauen, die 1982 in NRW ihre Ausbildung bei der Polizei begannen. Vorbehalte schnell entkräftet.

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„Ich habe mir damals keine Gedanken gemacht“, stellt Monika Schumann (55) sofort klar. 1982 begann die gebürtige Höntroperin ihre Ausbildung bei der Polizei. „Wir waren die ersten 74 Frauen, die in NRW zu Polizistinnen ausgebildet wurden. Für mich war es immer ein Traumberuf und ich hatte das große Glück, dass es nach meinem Abitur auf der Hellweg Schule auch in unserem Bundesland möglich wurde.“

Anderer Ehrenkodex

Natürlich habe auch sie Vorbehalte mitbekommen: „Frauen bei der Polizei taugen nichts, hieß es immer mal wieder, weil dann ja die Kollegen auf die ,armen Schätzchen’ bei einer Kneipenschlägerei aufpassen müssten“, erinnert sich Schumann. Und lacht. Mit der Realität habe das freilich wenig zu tun gehabt: „Ich persönlich wurde nie angegriffen. Allein durch die Anwesenheit haben wir Polizistinnen manche Situation deeskalieren können.“ Das mag auch daran gelegen haben, dass früher „vielleicht ein anderer Ehrenkodex“ gegolten habe: „Sowohl Ganoven als auch Kollegen taten sich damals schwer, gegen Frauen einzuschreiten.“

Mehr tun als die Männer

Ab und an mussten Schumann und ihre Kolleginnen dennoch „mehr tun“ als die männliche Zunft: „Wenn man sich aber einmal bewiesen hatte, war alles gut. Denn ging es nicht mehr um ,Mann oder Frau’, sondern um die Persönlichkeit und Kompetenz.“

Zur Not musste auch mal diskutiert werden, berichtet Schumann: „1983 stand in Krefeld der Besuch des späteren US-Präsidenten George Bush an. Wir sollten mit der Hundertschaft hin, doch im Vorfeld hieß es, man wolle die Frauen nicht an vorderster Front im Einsatz haben.“

Kaffee ausschenken

Vielmehr sollten die Polizistinnen Fahrzeuge fahren, Sanitätsdienst leisten und Essen ausgeben: „Wir haben sofort gesagt, dass wir genauso ausgebildet wurden wie die Jungs und nicht zur Polizei gegangenen sind, um Kaffee auszuschenken. Wenn eine Hundertschaft fast zur Hälfte aus Frauen besteht, wie es bei uns der Fall war, funktioniert das allein organisatorisch nicht und wir waren genauso im Einsatz wie die Männer.“

Auch bei der Uniform war man sich anfangs wohl nicht ganz sicher, wie die neuen Kolleginnen eingekleidet werden sollten: „Unsere Dienstschuhe und -stiefel hatten einen Blockabsatz von circa sieben Zentimeter – passend zum Rock.“ Eine Verfolgung war damit kaum möglich, so dass man schließlich „die normalen Männerhosen“ bekommen habe, die es dann zu kürzen galt.

Den Frauen heute vieles leichter gemacht

Und dennoch sagt sie: „Ich hatte nie das Gefühl, ständig gegen Windmühlen zu kämpfen. Aber im Nachhinein betrachtet haben wir sicherlich den Frauen, die jetzt draußen im Dienst sind, vieles leichter gemacht.“

Im Mai 2017 ging Monika Schumann, eine der ersten Polizistinnen in NRW, nach 35 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in Frühpension. Ihre Berufswahl hat sie nie bereut: „Ich würde immer wieder Polizistin werden.“

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