Stadtentwicklung

Im Ladenlokal entstehen Ideen für eine neue Nachbarschaft

Die kreativen Köpfe haben sich im Pop-Up-Laden „WAT-Craft“ an der Hochstraße 72 viel vorgenommen.

Die kreativen Köpfe haben sich im Pop-Up-Laden „WAT-Craft“ an der Hochstraße 72 viel vorgenommen.

Foto: Joachim Haenisch

Wattenscheid-Mitte.   An der Hochstraße 72 nutzen kreative Köpfe ein leerstehendes Ladenlokal neu. Workshops, Projekte und Rezeptbörsen sollen zum Selbermachen anregen.

Die erste Passantin, die an diesem Tag auf den Betrieb in dem Ladenlokal an der Hochstraße 72 aufmerksam wird und mit ihren Einkaufstaschen stehenbleibt, äußert umgehend: „Die Idee ist ja nicht schlecht, vor allem kommt mal ein bisschen Leben in das Viertel.“ Und sie will wohl wiederkommen, denn ganz ist das Fragezeichen nicht verschwunden, und die Neugier soll ja auch bleiben. Die Ideenwerkstatt hat ihren Betrieb aufgenommen.

„WatCraft“ steht im Schaufenster, gleich daneben „zu vermieten“, denn erst einmal ist es nur eine vorübergehende Nutzung. „Wir haben einen Hauseigentümer gefunden, der uns das Ladenlokal für drei Monate überlässt, und jetzt haben wir das Wichtigste: Heizung, Strom,“ meint Jan Bunse zufrieden, „und Internet.“ So etwas nur auf Zeit und kostenlos zu finden, war nicht einfach.

Beispiele aus der nahen Umgebung

Die kreative Gruppe, die das Forschungsprojekt „Urbane Produktion Ruhr“ vor Ort verkörpert, hat sich auf Wattenscheid konzentriert, auf die Hochstraße, weil das Viertel mit seinen zahlreichen Leerständen auch im Integrierten Stadt-Entwicklungs-Konzept/Soziale Stadt aufgeführt wird. Erfahrungen haben die „Urbanisten“, das Institut Arbeit und Technik

, das städtische Planungsamt und die Wirtschaftsentwicklung Bochum unter anderem schon mit dem „Luther-Lab“ in der entwidmeten Lutherkirche in Langendreer gemacht.

Auch die „Insane Urban Cowboys“ im nahen Ückendorf wollen diskutieren, ausprobieren und anregen, wie Netzwerke und Unterstützungsstrukturen entstehen können. Vielleicht „Nachbarschaft“ im besten Sinne, wie die Fragen auf den Info-Entwürfen im Fenster anregen: „Wo finde ich einen...? Wer kennt...? Wer weiß...?“, viel davon aus Zeiten, als die Angebote „um die Ecke“ noch bekannt waren.

Nachhaltigkeit und kurze Wege

Was bei WatCraft (Englisch für „Fertigkeit“, auch „Werken“ oder

„Handwerk“) ganz oben oder immer dahinter steht, sind Ziele wie selber Machen statt Kaufen, lokale Ökonomie, Nachhaltigkeit und kurze Wege.

Das soll zu einer Stärkung des Stadtteils beitragen und zu ökonomischer und gesellschaftlicher Teilhabe. Wie es die erste Passantin formulierte: „Die meisten bleiben nur immer zwei, drei Monate. Und viele haben einfach immer ‘was zu meckern, statt mal ‘was zu machen.“

Beispiele, dass und wie es anders geht, hängen im WatCraft-Schaufenster, produzierende Kleinbetriebe, die erfolgreich am Markt bestehen. Oder dass sich Menschen zu Kollektiven und Genossenschaften zusammenschließen, die sich eine gemeinsame Infrastruktur teilen, gemeinsam ihre Materialien einkaufen oder wieder- und weiterverwenden und daraus Ideen und Produkte vermarkten.

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