Abriss

Hitlerjugend und Rocker waren schon im Jugendheim Eppendorf

Das ehemalige Jugendheim neben der alten Schule Ruhrstraße 30 wurde mittlerweile abgerissen.

Das ehemalige Jugendheim neben der alten Schule Ruhrstraße 30 wurde mittlerweile abgerissen.

Foto: Gero Helm

Eppendorf.   Das ehemalige Jugendheim an der Ruhrstraße 30 ist Geschichte: Das Gebäude wurde abgerissen. Wohnbebauung ist geplant.

Alle Nebengebäude auf dem Gelände an der ehemaligen Grundschule Ruhrstraße 30 sind mittlerweile abgerissen, jetzt steht dort nur noch die schon vor Jahren geschlossene alte Eppendorfer Schule. Auch das ehemalige Jugendheim neben dem Schulgebäude wurde abgebrochen.

Der Eppendorfer Heimatforscher Jürgen Reinhardt hat sich mit der Geschichte dieses Hauses befasst, dessen Historie bis ins Jahr 1937 zurückreicht. Das haben seine Recherchen ergeben. „Da wurde es als erstes Haus der Hitlerjugend in Wattenscheid gebaut.“ Dazu gibt es einen Bericht in der Allgemeinen Wattenscheider Zeitung vom 27. Januar 1937. Aus einem Zeitungsartikel drei Tage später geht hervor, dass zur Einweihung dieses Jugendheims alle Eppendorfer ihre Häuser mit Fahnen schmücken sollten.

Waffenfund alarmiert die Polizei

„Nicht viele Leute kennen die Geschichte des Gebäudes“, erklärt Jürgen Reinhardt. Das Haus habe erst wieder in den 1970er Jahren von sich reden gemacht, „als der damals über Eppendorf hinaus bekannte Beat Club Munscheid (BCM) dort ansässig war“. Das Haus wurde dann im Jahr 1978 geschlossen – damit endete auch die Geschichte des BCM in Eppendorf. „Danach wurde es an verschiedene Familien vermietet“, erklärt Jürgen Reinhardt.

Jugendamt ließ das Clubheim schließen

Er hat im Archiv auch einen alten WAZ-Bericht vom 3. Februar 1978 über die Schließung des BCM-Clubheims durch das Jugendamt gefunden. „Die Räume an der Ruhrstraße wurden dicht gemacht, weil die Mitglieder des BCM durch eine Wirtshausschlägerei und unerlaubten Waffenbesitz unschön auf sich aufmerksam gemacht hatten“, heißt es darin zu den Begleitumständen. Und weiter: „Besonders die von der Polizei bei einer Hausdurchsuchung an der Ruhrstraße sichergestellten 37 Waffen werfen ein schlechtes Licht auf den Verein.“ Es handelte sich um Messer, Gewehre und Beile.

Waffen hingen an den Wänden

Der Beat Club Munscheid – er hatte rund 40 Anhänger – betonte, dass die Waffen lediglich „fest montiert an den Wänden gehangen haben“ und „von uns nicht durch die Gegend geschleppt wurden, um die Stadt unsicher zu machen“, erklärte damals der BCM-Präsident. Nur zur Zierde und nicht zum Zerstören wollten die BCM-Mitglieder ihre Waffen verstanden wissen. Sie seien keineswegs schwerbewaffnete Rocker, versuchte er das Bild in der Öffentlichkeit zurecht zu rücken.

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