Erntedank

Hier wird das tägliche Brot auch noch eigenhändig gebacken

Anita Jüntgen holt mit Unterstützung von Rüdiger Förste vom „Ofenteam“ die Brote aus dem Ofen.

Anita Jüntgen holt mit Unterstützung von Rüdiger Förste vom „Ofenteam“ die Brote aus dem Ofen.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Mitte.  Im Brot-Kurs im Wattenscheider Gemeindezentrum gibt es Tipps vom Mehl bis zur Kruste. Anita Jüntgen achtet auf nachhaltige und regionale Rezepte.

Sie mag die bildhafte Sprache: „Der Teig ist nicht wie eine feste Kugel, mehr so wie Betonmörtel“ oder: „Dann habt ihr so einen schönen Wobbel“. Dabei lächelt Anita Jüntgen die ganze Zeit, aber die Details liegen ihr am Herzen, und sie meint es ganz ernst. Denn es hängt viel dran an ihrem Brotbackkurs, ganz viel Leidenschaft. Das macht diesen vermeintlich schlichten „Brotback-Kurs“ im Gemeindezentrum an der Alten Kirche so ungewöhnlich. Und er passt so völlig in den Rahmen des Erntedankfestes.

Das sticht in der Wattenscheider Innenstadt damit auch wieder einmal hervor, auch wenn gleich nebenan die Herbstkirmes im herbstlichen Niesel vor sich hin blinkt und leuchtet. Direkt an der markanten evangelischen Kirche, der Alten Kirche, hat die Gemeinde das Neue Gemeindezentrum hoch gezogen, und immer wieder zieht hier Leben ein.

Acht „Teiglinge“ kommen in den Holzofen

Die Teilnehmerinnen, denn die beiden Männer sind eifrig dabei, aber dennoch eher für die Quote da, stört es auch überhaupt nicht, dass sie sich tiefer bücken müssen als gewohnt. Denn die Küche ist für Kinder angelegt. Macht nichts, schließlich entsteht jetzt erst einmal der Teig, das Brot bekommt Form, Farbe, Geschmack erst im massiven Holzofen auf dem Freigelände. Den heizt das Spezialisten-Team rechtzeitig vorher an, nach gut drei Stunden hat er dann seine 280 Grad für den Flammkuchen. Dann kommen auch die ersten Besucher zum Erntedankfest, diesmal ohne den gewohnten Gottesdienst, der war nur um 11 Uhr in der Friedenskirche.

Erst der Flammkuchen, dann die Brote, dann Süßes

Ist die erste mächtige Hitze dann abgeklungen, hat der Ofen die richtige Temperatur für die acht „Teiglinge“ für Buttermilchbrot, Körnerbrot, Weizenvollkorn oder „Boule“, das französische Weizenbrot. „Wie Baguette“, erklärt Kursleiterin Jüntgen, „schmeckt aber so richtig.“ Zum Schluss kommen dann die „Weckmänner“, wie „Stutenkerle“, süß, für die kleinen Gäste. Aus den Teigresten werden Rollen für’s

Stockbrot über der Feuerschale.

Anita Jüntgen backt seit sechs Jahren ihre Brote, sogar die Brötchen, und schwört auf Mühlen, die mit Bauern aus der Region arbeiten und nachhaltig produzieren.

Wo das Korn gewachsen ist

„Am liebsten einer aus Warstein, der ist wohl der einzige in NRW, der sogar nur Öko-Strom einsetzt.“ Von Anfang bis Ende, vom Rohstoff bis zum Genuss des fertigen Produktes, achtet sie auf die Details und gibt dieses Wissen, die Erfahrungen weiter, und das sehr glaubhaft. „Das Backen bringt mich runter, wie die Gartenarbeit“, erzählt Jüntgen, „deshalb ist es mir auch wichtig, das Mehl möglichst von da zu beziehen, wo das Korn gewachsen ist. Diese Verbindung ist nicht mehr selbstverständlich.“

Vielleicht wird die aber wieder so selbstverständlich, wie täglich Brot zu backen.

Den nächsten Kurs versammelt Anita Jüntgen im Gemeindezentrum an der Alten Kirche am 23. und 24. November. Infos und Anmeldung unter anita@juentgenneuhoff.de,

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