Schule

Grundschüler lernen Verhalten in Konfliktsituationen

„Stopp, lass das“: Jan Spicher trainiert mit den Kindern.

Foto: Gero Helm

„Stopp, lass das“: Jan Spicher trainiert mit den Kindern. Foto: Gero Helm

Bochum-Wattenscheid.   Die Gertrudis-Grundschule an der Vorstadtstraße bietet erstmals das Projekt „Gewaltfrei Lernen.“ Es geht um Vorbeugung und Konfliktlösung.

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Schubsen, treten, schlagen, beleidigen, mobben – an den Schulen haben die Konflikte unter Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen. Das betrifft nicht nur die älteren Schüler, auch viele Grundschulen stellen fest, dass sich der Umgang verändert hat, das Klima rauer geworden ist auf den Schulhöfen und in den Klassen.

Gegensteuern ist also angesagt, Vorbeugung ebenso wichtig, wie das richtige Verhalten in Konfliktfällen zu trainieren. Die Gertrudis-Grundschule an der Vorstadtstraße geht dabei mit gutem Beispiel voran, dort läuft erstmals das Projekt „Gewaltfrei Lernen.“

Streitigkeiten haben zugenommen

„In den letzten Jahren haben Streitigkeiten zugenommen, werden manchmal auch aggressiver ausgetragen, hören nicht sofort auf. Situationen eskalieren schneller“, hat Schulleiterin Tanja Knopp beobachtet. Kinder reagieren oft impulsgesteuert; sie sollen schon früh lernen, wie man besonnen reagiert und Respekt entwickelt. Derzeit läuft das Projekt in Theorie und Praxis an dieser Schule, durchgeführt vom Verein „Gewaltfrei Lernen e.V.“ mit Sitz in Pulheim. Alle 13 Klassen (insgesamt 360 Kinder) werden in jeweils drei Doppelstunden trainiert.

Partnerwechsel-Spiele helfen gegen Ausgrenzung und Mobbing, erhöhen den Respekt voreinander, tragen dazu bei, dass sich die Kinder besser kennenlernen. Auch konkrete Konfliktsituationen werden in der Turnhalle trainiert: Die Kinder heben als Abwehrhaltung die Hände, rufen laut „Stopp, lass das“, gehen einen Schritt zurück. Reden über das Problem, holen gegebenenfalls Hilfe. „Es geht in den Übungen auch darum, Kinder stark und selbstbewusst zu machen, Körperhaltung und Blickkontakt sind dabei wichtig“, erklärt Trainer Jan Spicher.

Verbale und körperliche Gewalt

Seine Erfahrungen aus vielen Jahren: „Körperliche Schikanen, Wutausbrüche und Beleidigungen sind auch in Grundschulen keine Seltenheit. Eine positive Lernatmosphäre wird so gestört und erschwert konzentriertes Lernen.“ Der Verein „Gewaltfrei Lernen e.V.“ will Schülern Hilfen an die Hand geben, sich gegen verbale, aber auch körperliche Gewalt zu schützen. Die Trainer helfen, das schuleigene Sozialkonzept zu erweitern, sind bundesweit in Kindergärten, Grund- und weiterbildenden Schulen tätig. Die Eltern und Lehrer werden durch Informationen einbezogen.


>>> INFO: Projekt wird fortgeführt

  • Das Projekt an der Gertrudisschule kostet rund 8600 Euro. Zwei Drittel der Summe steuern Sponsoren (Unfallkasse sowie die Sparda-Stiftung Kunst, Kultur und Soziales) bei, der Rest kommt vom Förderverein der Schule und den Eltern (fünf Euro pro Kind).
  • „Das Projekt soll im kommenden Schuljahr fortgeführt werden“, erklärt Tanja Knopp. „Es ist bisher gut angekommen. Und Nachhaltigkeit ist wichtig.“
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