Feuerwehr Günnigfeld

Geschichten tief aus der Schatzkiste herausgekramt

Heinz-Otto Föllmer, Karl Appelhoff (sen.) und Theo Banaszak, (v.l.) mit dem Modell des Schlauchturms im alten Schulungsraum, der immer noch wie vor 66 Jahren aussieht. Fotos:Gero Helm

Heinz-Otto Föllmer, Karl Appelhoff (sen.) und Theo Banaszak, (v.l.) mit dem Modell des Schlauchturms im alten Schulungsraum, der immer noch wie vor 66 Jahren aussieht. Fotos:Gero Helm

Wattenscheid.   Urgesteine der Freiwilligen Feuerwehr Günnigfeld erzählen aus den Anfangstagen. Bald steigt hier im Gerätehaus das letzte Feuerwehrfest.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Was kommt mit, was kommt weg?“ Erst einmal streift der Blick durch die Fahrzeughalle an der Böckenbuschstraße, bleibt in den Ecken und Winkeln hängen. Gleich an den Treppen stehen Schränke, Kästen, Kisten. Eng ist es bei der Freiwilligen Feuerwehr in Günnigfeld. Noch. Der Neubau an der Osterfeldstraße wächst schon kräftig, im Altbau steht das Feuerwehrfest an, das letzte hier am 25. und 26. August.

Keine Abrissparty

„Keine Abrissparty“, beruhigt Löschzugführer Karl Appelhoff (55), der Dritte. Vater Karl (85), ehemaliger Chef der Floriansjünger, greift mit seinem früheren „Vize“ Theo Banaszak (84) und Heinz-Otto Föllmer (84) ganz tief in die Schatzkiste. Erinnerungen bis in die Zeit der Baustelle 1951, die kommen reichlich mit. Die Jubiläumshefte, die sie gehütet haben, sind über diese 66 Jahre vergilbt, aber nicht verknickt.

Die „Lauschepper-Kasse“

Ganz besonders hat es ihnen der alte Turm angetan, dessen Modell heute die „Lauschepper-Kasse“ birgt – für den Obolus, wenn einer eine Runde schmeißt. Dort haben sie die Schläuche gewaschen und anschließend mit Talkum gefüllt. „Den hab’ ich als damals mit abgerissen, da gab’s 80 Reichsmark für beim Schrotthändler,“ schmunzelt Banaszak. „Und die Steine haben wir im Stadtgarten abgeladen.“ Gefahren hat die damals der Chauffeur des Oberbürgermeisters nach Feierabend, „mit ‘nem Dreitonner, aber mit Kipper. Der wohnte ja gleich hier.“

Dunkle Fassade

Möglich wurde der Bau ‘51, weil die Polizei gleich mit einziehen sollte, „und die Miete für die nächsten zehn Jahre vorgestreckt hat“ - der unscheinbaren dunklen Fassade zur Straße sieht man diese historische Belegung längst nicht mehr an. Einsätze konnten sie ohnehin nur fahren, weil der 3,5-Tonner, ein „Opel Blitz“, so einen kleinen Wendekreis hatte.

Kleiner Löffel

Und nötig war der Bau wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, weil der Löschzug im Alarmfall erst an der Hauptwache an der Voedestraße einen Wagen holen musste. Eine Berufsfeuerwehr gab es in Wattenscheid noch nicht, der Brandschutz hing ausschließlich an den Freiwilligen – die seinerzeit bei allen Versammlungen in Günnigfeld einen kleinen Löffel in der Brusttasche hatten, schließlich war ein hauptberuflicher Bäcker in ihren Reihen.

Alle Gewerke sind vertreten

Alle Gewerke vertreten, vor allem „immer ein Maurer“, wie Heinz-Otto Föllmer. Denn alles wurde in Eigenregie gemacht. Und auch heute sind die drei „Silberrücken“ nach dem Ausscheiden aus dem Feuerwehrdienst längst noch nicht untätig.

Als Ehemalige halten sie den Verpflegungszug auf Trab. Dazu kommt die Gulaschkanone an die Hängerkupplung eines 30 Jahre alten LF 8, „für den gibt’s jetzt schon keine Lampen mehr.“

Das Wasser „tröppelte“

Die neuen Löschfahrzeuge, ein LF 8 alter Norm und ein LF 10 kommen mit, dazu viele weitere Zeugen der Geschichte („die Lederhelme, die ham ‘se nach’m Krieg verkauft“) in den Vitrinen. Damit auch die Erinnerung an Großeinsätze, als es hieß: „Beim Buchhändler brennt’s“, und tatsächlich waren es aber die Flammen, die vom Turm der Friedenskirche loderten. „Da haben wir die Balken auf der einen Seite nass gehalten, damit der nicht auf das Kirchenschiff kracht. Das Wasser tröppelte ja in der Höhe nur.“ Seinen wohl einschneidendsten, größten Einsatz hatte der aktuelle Zug beim Brand im Bergmannsheil, erzählt Karl Appelhoff (III.).

Etwa 50 Einsätze im Schnitt pro Jahr

Etwa 50 sind es im Schnitt nun pro Jahr, bald vom Neubau aus, „noch im Dorf“, aber näher an der Umgehungsstraße, zügiger beim Einsatz. Dann gibt es neue Umkleiden und Duschen, auch für die Jugendfeuerwehr, inzwischen nach 20 Jahren die stärkste Gruppe in ganz Bochum. „Für die wurde es immer enger, und wir sind heilfroh, dass die Eltern so friedlich geblieben sind,“ so der Löschzugführer.

Schwarze Finger – vom Skatkloppen

Ein bisschen traurig, „jaa“, sind sie schon, allein bei den Karnevalsfeten, die hier „30, 40, 50 Mann hoch“ gefeiert haben, „der Rest in der Küche. Und dann gab’s Alarm, ausgerechnet bei der Sargfabrik Schleutker“. Oder bei der Bereitschaft über Weihnachten, bei der sie die Kollegen in Wattenscheid abgelöst haben, damit die zuhause feiern konnten. „Und nachher hatten die schwarze Finger - vom Skatkloppen“.

Tanz in den Mai 2018

Besonderes ist nicht geplant für das Feuerwehrfest. Aber für die Einweihung des neuen Gerätehauses („das ist schon fast ‘ne Feuerwache“). Denn die soll am 30. April 2018 steigen, mit dem Tanz in den Mai, „und dann kommt wieder ganz Günnigfeld.“ Und auch die drei Ehemaligen wollen dabei sein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik