Kleingarten

Geplatztes Rohr hält Kleingärtner in Wattenscheid auf Trab

Kleingärtner Franz Krupinski (links) und der erste Vorsitzende Michael Baumann stehen an der Baugrube auf dem Vereinsgelände des KGV Fröhliche Morgensonne.

Kleingärtner Franz Krupinski (links) und der erste Vorsitzende Michael Baumann stehen an der Baugrube auf dem Vereinsgelände des KGV Fröhliche Morgensonne.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Westenfeld.  Der Kleingartenverein Fröhliche Morgensonne erlebt turbulente Wochen. Als Teile der Anlage plötzlich unter Wasser standen, packten alle mit an.

Aufregende Wochen liegen hinter den Schrebergärtnern des Kleingartenvereins Fröhliche Morgensonne. Seit 1955 geht es in der Laubenkolonie nahe der Berliner Straße so gesellig wie beschaulich zu. Die 51 Parzellen sind stets gut gebucht und prima in Schuss, jeder kennt jeden. Doch seit einem Sonntag im August ist hier nichts mehr im grünen Bereich: „So etwas“, erzählt der zweite Vorsitzende Franz Krupinski, „hatten wir noch nie.“

Als bei dem Vorsitzenden Michael Baumann an jenem Morgen das Handy klingelte, ahnte er nichts Böses. „Doch dann hieß es: Hier sprudelt’s aus der Erde!“ Baumann eilte zum Kleingarten – und in der Tat: Auf dem Gehweg nahe des Vereinsheims stand alles unter Wasser, offenbar war das Leitungsrohr geplatzt. Ein befreundeter Kleingärtner organisierte kurzerhand einen Bagger, und gemeinsam nahmen sie den Schaden unter die Lupe: „Da war ein langer Riss in der Leitung“, sagt Baumann.

Alte Pläne gaben über den Verlauf der Wasserleitung unterhalb der Kolonie nur wenig Auskunft, so dass die Kleingärtner selber zur Tat schritten. „Mit einem Aushang bat ich um Unterstützung, damit wir das Rohr freilegen konnten“, erzählt der Vorsitzende. „Die Resonanz war super.“

Kleingärtner packen mit an

Etwa zehn Kleingärtner erklärten sich sofort bereit, den Spaten in die Hand zu nehmen und mit anzupacken. Auf einer Länge von etwa 150 Metern geht jetzt ein breiter Graben durch die Anlage. Wasser fließt hier nicht mehr: Sehr zum Bedauern von sieben Kleingärtnern, deren Parzellen nur noch notdürftig mit einem kleinen Schlauch versorgt werden. „Mitten im Sommer war das kein Spaß“, so Baumann, „aber was will man machen.“

Eine Spezialfirma ist jetzt damit beauftragt worden, die Leitung neu zu verlegen. In der kommenden Woche sollen die Arbeiten beginnen. Etwa 2000 Euro, so rechnen die Kleingärtner, dürften allein fürs Material fällig werden, dazu kommt der Arbeitslohn. „Der Stadtverband hat aber seine Unterstützung signalisiert, was uns sehr freut“, meint Baumann. „Dann brauchen sich unsere Mitglieder nicht so sehr zu strecken.“ Und damit das große Malheur nicht noch einmal geschieht, will der Verein alsbald sämtliche Wasserleitungen unter der Anlage erneuern: „In den nächsten drei bis vier Jahren sollte uns das gelingen“, sagt Baumann zuversichtlich.

Eigene Tomaten schmecken am besten

Der KGV Fröhliche Morgensonne ist eine Anlage, in der das Miteinander der Generationen und der Nationen groß geschrieben wird. 30 Prozent der Parzellen sind laut Vereinssatzung ausländischen Gärtnern vorbehalten. „Wir haben viele russische und polnische Kollegen, die sich ganz toll mit einbringen“, sagt Baumann.

Schrebergärtner aus zehn Nationen pflegen hier gemeinsam ihr liebstes Hobby: Es ist die Lust am Draußensein, am Gemüseanbauen und am Selbermachen, die alle eint. „Tomaten aus dem eigenen Garten schmecken einfach am besten“, meint Franz Krupinski. Der pensionierte Maschinenschlosser entdeckte die Anlage 1995 beim Spazierengehen und ist seither treuer Pächter einer Parzelle mit Häuschen, Garten und ganz viel Grün.

„Ich habe erst gedacht, ich miete mir einfach ein Häuschen und lege dann die Beine hoch“, sagt er. „Von wegen! Glaubt ja keiner, wie viel Arbeit das ist.“

Erinnerungen an die Kindheit

Doch die Arbeit macht auch großen Spaß, meint Michael Baumann, der im März im Alter von 49 Jahren zum relativ jungen Vorsitzenden des KGV gewählt wurde. Den nahenden Herbst und Winter muss er wohl überbrücken. „Aber wenn im Januar die ersten Sonnenstrahlen scheinen, dann bin ich schon wieder hier und werkel in meinem Garten.“

Den hat Michael Baumann übrigens von seinen Eltern übernommen. Schon sein Vater war leidenschaftlicher Laubenpieper. „Als kleiner Junge habe ich schon hier gesessen und im Garten unter dem großen Baum mit Playmobil gespielt“, erinnert er sich – und fand beim Laubfegen viele Jahre später tatsächlich noch ein Playmobil-Männchen von damals unter dem Baum: „Das war ein unglaublicher Moment.“

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