Rosenmontag

Wattenscheid: Gänsereiter verzichten künftig auf echte Gans

Gänsereiterkönig wird, wer der toten Gans den Kopf abreißt.

Gänsereiterkönig wird, wer der toten Gans den Kopf abreißt.

Foto: Gero Helm

Wattenscheid.   Die Gänsereiter aus Höntrop und Sevinghausen verzichten künftig auf echte Gänse beim Königsritt. Die Alternative könnte eine Attrappe sein.

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Die beiden Gänsereitervereine aus Höntrop und Sevinghausen werden künftig auf die Verwendung von echten Gänsen beim Ritt um den Königstitel am Rosenmontag verzichten. Noch offen ist, wie die Alternative bei den traditionsreichen Reiterwettkämpfen aussieht – das könnte eine Attrappe sein, die sogenannte Gummigans.

Freiwillige Entscheidung

Rechtsanwalt Achim Hehrs, der die beiden Clubs berät und vertritt, betont, dass es sich „um eine autarke und freiwillige Entscheidung“ der Vereine handelt. „Jeder Club hat für sich entschieden.“ Dazu hatte es kürzlich Mitgliederversammlungen gegeben, auf denen „kontrovers“ über die Neuerung ab 2018 diskutiert worden sei und dann „mit großer Mehrheit“ dafür gestimmt wurde, erklären Oberschulte Markus Oskamp (Höntrop) und Vorsitzender Bernd Wirth zur Osten (Sevinghausen).

Brauchtum erhalten

Es gehe darum, Brauchtum und Tradition zu erhalten. Den Ritt um die Königsgans gibt es seit über 400 Jahren. „Und das Brauchtum gilt es für die Zukunft zu sichern.“ Deshalb habe man sich vor dem Hintergrund, dass ein allmähliches Umdenken bei den Mitgliedern und in der Bevölkerung zum Thema „echte Gans“ eingesetzt sei, dazu entschlossen, diesen Schritt für die Zukunft zu gehen und zu reagieren. „Und wir gehen davon aus, dass die Neuerung auf eine große Akzeptanz trifft.“

Attrappe möglich

Wie diese Neuerung aussieht, ist noch nicht klar. Die Vereine waren in den Vorjahren beim benachbarten Gänsereiterverein in Essen-Freisenbruch zugegen, der bei seinem Königsreiten bereits auf eine Gänseattrappe umgestiegen ist. „Und dort kommt dies gut an, bei den Zuschauern und bei den Mitgliedern. Das wäre eine Alternative. Aber die konkrete Form steht noch nicht fest“, erklärt Achim Hehrs. Weiterhin wolle man den Besuchern beim Königsreiten am Rosenmontag einen „attraktiven und spannenden Wettkampf“ bieten.

Hehrs betont, dass die Verwendung der toten Gänse, die „artgerecht gehalten wurden und ordnungsgemäß geschlachtet wurden“, bisher nie beanstandet worden sei – „weder von Gerichten noch von städtischen Behörden. Es gab stets Kontrollen“. Die Tiere werden später beim Königsessen der Gänsereiter verzehrt.


>>> Info: Protest der Tierrechtler

>> Seit Jahren haben Tierrechtler gegen die Verwendung echter Gänse mobil gemacht. Mit Demonstrationen vor Ort, mit Eingaben bei der Stadt und mit juristischen Schritten. Es hatte auch Mediationsgespräche zwischen Vertretern der Tierrechtler und Gänsereiter gegeben.

>>> Kommentar von Ralf Drews

Die beiden Gänsereiterclubs aus Höntrop und Sevinghausen betonen, sich aus freien Stücken für die Neuerung entschieden zu haben. Weder Behörden noch Gerichte haben bisher etwas beanstandet. Ihre weitsichtige Entscheidung zeigt, dass sie das Brauchtum auch für die Zukunft sichern wollen. Am Rosenmontag geht es schließlich darum, den Zuschauern und Mitgliedern einen attraktiven Reiterwettkampf um die Königswürde zu bieten.

Das geht sicherlich – so sie denn kommt – auch mit einer Gänse- attrappe. Und vielleicht lockt die Neuerung auch neue Besucher zum Reitplatz. Das Beispiel des Nachbarvereins aus Freisenbruch zeigt, dass die Umstellung gut funktioniert hat.

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