Kirchenstreik

Frauen aus Wattenscheid rufen auf zum Kirchenstreik

Verwaltungsmitarbeiterin Pia Scholz (li.) und die ehrenamtliche Mitarbeiterin im Arbeitskreis „Trauerpastorale“ im Kolumbarium, Elisabeth Hartmann-Kulla, sowie weitere Engagierte rufen auf zum Kirchenstreik. Foto:Dietmar Wäsche

Verwaltungsmitarbeiterin Pia Scholz (li.) und die ehrenamtliche Mitarbeiterin im Arbeitskreis „Trauerpastorale“ im Kolumbarium, Elisabeth Hartmann-Kulla, sowie weitere Engagierte rufen auf zum Kirchenstreik. Foto:Dietmar Wäsche

Wattenscheid.   Engagierte Frauen aus der Pfarrei St. Gertrud Wattenscheid planen im Mai einen Kirchenstreik. Sie machen damit auf Ungerechtigkeiten aufmerksam.

Zum Kirchenstreik rufen im Mai engagierte Frauen in der Großpfarrei St. Gertrud auf. Vor allem ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, aber auch Hauptamtliche, die sich in und für Kirche einsetzen und aktiv wirken, wollen mit diesem Kirchenstreik die Aufmerksamkeit der Bürger und vor allem der Deutschen Bischofskonferenz erreichen. Vom 11. bis 18. Mai werden Engagierte, wie Elisabeth Hartmann-Kulla, „die Kirche nicht betreten. Wir bestreiken den Kirchenraum, stellvertretend für die Organisationsstruktur innerhalb der Kirche. Wir bestreiken nicht die Kirche, die uns seit 2000 Jahren als Einrichtung wichtig ist und uns verbindet.“

Die Frauen wollen damit sichtbare Zeichen setzen und ihren Unmut ausdrücken: Gegen den nur verhaltenen Umgang der Bischofskonferenz mit dem Thema „Missbrauch“, für die Rolle der Frau in der Kirche mit dem Wunsch nach Diakonat und Priesteramt und für eine offene Sexualmoral und somit die Anerkennung aller Lebensformen, vor allem der gleichgeschlechtlichen, durch die Institution Kirche.

„Es ist ein Kampf für die Frauen und die Gerechtigkeit.“

Elisabeth Hartmann-Kulla, engagiert in der Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (KFD) und Mitarbeiterin im Arbeitskreis (AK) „Trauerpastorale“ im Kolumbarium St. Pius: „Es ist ein Kampf für die Frauen und die Gerechtigkeit.“ Und: „Wenn ein Pfarrer Missbrauch begangen hat, muss er, wie jeder andere Bürger auch, strafrechtlich behandelt werden. Wir hatten gehofft, dass sich die Bischöfe klar positionieren.“

Im AK „Trauerpastorale“ Kolumbarium arbeiten rund zehn Frauen mit. Hartmann-Kulla: „Wir haben diesen Kirchenstreik angeregt und schließen uns damit der Aktion ,Maria 2.0’, die von einer Frauengruppe der Münsteraner Gemeinde Heilig Kreuz ausgeht, an.“

Gottesdienst findet draußen statt

Auch Pia Scholz, hauptamtliche Verwaltungsangestellte in St. Gertrud und für das Kolumbarium zuständig, wird sich außerhalb ihrer Dienstzeit am Streik beteiligen. Pia Scholz: „Ich stehe inhaltlich absolut hinter den Forderungen der Frauen. Natürlich werde ich zu meinen Arbeitszeiten im Kolumbarium sein, werde es morgens aufschließen und bin Ansprechpartnerin für die Bürger. Ich will nicht, dass es die Trauernden trifft.“

Beisetzungen finden natürlich statt

Nach der Dienstzeit aber schließt sie das Kolumbarium, das sonst die gesamte Woche über von morgens bis abends geöffnet ist, ab. An den Wochenenden ist – auch jetzt schon – ein beauftragter Schließdienst für die Öffnungszeiten des Kolumbariums zuständig. Scholz ergänzt: „Beisetzungen finden natürlich statt. Dafür sind die Hauptamtlichen zuständig.“

Gottesdienst findet im Freien statt

Stellvertretend für weitere Aktive sagen Hartmann-Kulla und Scholz: „Wir wollen aufmerksam machen.“ So fällt das für den 12. Mai angekündigte Trauercafé im Kolumbarium aus. Der Gottesdienst ,Dank an die verstorbenen Eltern’ findet am 16. Mai um 19 Uhr statt – „und zwar draußen, vermutlich auf dem Platz vor dem Kolumbarium St. Pius“. Vor dem Kolumbarium soll in der Protestzeit ein Banner gespannt werden – mit der Aufschrift „Wir streiken“.

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