Landwirtschaft

Extreme Dürre und Hitzen machen der Ernte zu schaffen

Die Felder und Ackerflächen in Wattenscheid leiden unter der anhaltenden Dürre und der intensiven Sonneneinstrahlung.

Foto: Gero Helm

Die Felder und Ackerflächen in Wattenscheid leiden unter der anhaltenden Dürre und der intensiven Sonneneinstrahlung.

Wattenscheid.   Landwirte spüren die Auswirkungen der aktuellen Trockenphase. Die Böden können nicht bearbeitet werden, der Mais bildet keine Kolben mehr aus.

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Hitze und sengende Sonne legen vorerst eine Pause ein. Die geringen Niederschläge der Woche waren hingegen nur ein paar Tropfen auf die heißen Felder, die anhaltende Dürre wirkt sich negativ auf Wachstum, Ernte und Ertrag aus. Die WAZ sprach mit drei Wattenscheider Landwirten.

Mit bis zu 30 Prozent Einbußen rechnet Ernst-Wilhelm Westerhoff bei der Getreideernte: „Das wäre noch zu verschmerzen. Das Problem ist aber, dass wir schon mit dem ,Greening’ gestartet sein müssten.“

Regen erreicht die Wurzeln nicht

Die Zwischenfruchtmischung speichert u.a. Stickstoff im Acker, unterdrückt Unkraut auf natürliche Art und bietet Insekten Blüten: „In die staubtrockenen Böden kann aber nicht gesät werden“, fährt Westerhoff fort: „Wir haben noch keine Bearbeitung durchgeführt, da es viel Verschleiß gegeben hätte, ohne Feuchtigkeit eh nichts keimen kann.“ Der Regen am Mittwoch habe kaum geholfen: „Das Wasser ist 1,5cm in den Boden eingedrungen, nicht bei den Wurzeln angekommen. Der Mais benötigt dringend Wasser, damit sich die Kolben noch bilden können.“

Zuvor hatten bereits die Erdbeeren verrückt gespielt: „Durch die Hitze im Frühjahr ist das Blühfenster von fünf auf eineinhalb Wochen geschrumpft, die frühen und späten Erdbeeren waren gleichzeitig reif.“ Raps, der „um den 25. August herum“ in die Erde müsste, steht ebenfalls ein hartes Schicksal bevor.

Hälfte der jungen Tannen verloren

Dennoch sei man in Wattenscheid bisher mit „einem blauen Auge davon gekommen“, urteilt Berufskollege Hermann Appelbaum: „Im Gegensatz zum Osten Deutschlands, wo die Lage existenzbedrohend ist. Wir haben hier schwerere, tiefe Böden, so dass Weizen und Raps nicht so stark betroffen sind.“ Anders sieht es bei Appelbaums Erdbeeren und den beliebten Weihnachtstannen aus: „Wir mussten stark bewässern, was natürlich mit Kosten verbunden ist. Dennoch haben wir die Hälfte der in diesem Jahr neu gepflanzten Tannen bereits verloren.“

„So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt“

Dass die derzeitige Dürre, die laut Prognosen noch bis in den September anhalten könnte, keineswegs überdramatisiert wird, macht der Landwirt unmissverständlich klar: „So etwas habe ich in meiner Laufbahn seit 1976 noch nie erlebt. Die Böden sind hart wie Beton, könnten jetzt gar keine Feuchtigkeit aufnehmen, Starkregen wäre keine Lösung.“ Also müsse man erfinderisch sein: „Wir haben eine Tiefenlockerung gemacht, so dass der Acker an einer Stelle bricht, Wasser in die tieferen Schichten gelangen könnte.“

Einbußen beim Getreide sind noch im Rahmen

Mit Geräten rückt Martin Kohlleppel nicht auf seine Felder aus: „Die Bodenbearbeitung ist nicht möglich, man kommt nicht durch.“ Die Verdichtungen müssten durch intensive Arbeiten von unten gelöst werden. Und dennoch: „Die Einbußen beim Getreide liegen bisher bei fünf bis zehn Prozent, was absolut im Rahmen ist und mich ehrlich gesagt selbst gewundert hat.“

Zu wenig Niederschlag ist das Hauptproblem

Der Mais lässt wiederum auch bei Kohlleppel die Kolben hängen, die Pflanzen werden gelb: „Man muss definitiv davon ausgehen, dass der Ertrag geringer ausfällt, anders geht es gar nicht. Das Niederschlagsdefizit seit April ist das Hauptproblem.“

Künstliche Bewässerung kann Regen nicht ersetzen 

Die drei Wattenscheider Landwirte differenzieren klar zwischen Ackerbau und Tierhaltung. Martin Kohlleppel: „Rinderbetriebe haben zum Beispiel große Probleme. Die Weiden sind ausgetrocknet, Futter muss in großen Mengen hinzugekauft werden.“ Das sei bei dem zu deckenden Bedarf logistisch kompliziert, entsprechend kaum finanzierbar.

Da die Böden bis auf einen halben Meter ausgetrocknet seien, geht Hermann Appelbaum davon aus, den Mais „vier bis sechs Wochen früher“ vom Feld zu holen. Zwar sieht es das landwirtschaftliche Urgestein pragmatisch, das Wetter könne man eben nicht bestimmen, gleichzeitig ist ihm eine Feststellung wichtig: „Wir Landwirte sind nicht die Buhmänner für die globale Erderwärmung. Dagegen wehren wir uns.“

Gegen intensiven

Sonnenschein kommt

keine Pflanze an

Ernst-Wilhelm Westerhoff fügt einen weiteren Punkt an: „Schon der April war praktisch ein Sommermonat. Das Gießen mit dem Wasserschlauch kann den Regen nicht ersetzen, vor allem gegen den intensiven Sonnenschein kommt keine Pflanze an.“ Zumindest seine Kürbisse hat er durch zusätzliche Bewässerung durch die Dürre retten können.

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