Kirchenstreik

Engagierte katholische Frauen rufen zum Kirchenstreik auf

Maria Berberich, Hiltrud Dißmann und Dagmar Sachers (v.l.) bemalen das Streiktransparent. Fotos:Gero Helm

Maria Berberich, Hiltrud Dißmann und Dagmar Sachers (v.l.) bemalen das Streiktransparent. Fotos:Gero Helm

Wattenscheid.   Mitglieder aus der Pfarrei St. Gertrud machen auf Ungerechtigkeiten in der Kirche aufmerksam. Sie laden zum Gottesdienst vor dem Kolumbarium ein.

Weil ihnen an Kirche liegt, gehen sie in den „Kirchenstreik“. Viele Ehrenamtliche des Arbeitskreises „Trauerpastoral“ im Kolumbarium St. Pius werden vom 11. bis 18. Mai die Kirche nicht betreten. Elisabeth Hartmann-Kulla: „Wir bestreiken den Kirchenraum, stellvertretend für die Organisationsstruktur innerhalb der Kirche. Wir bestreiken nicht die Kirche, die uns wichtig ist und uns verbindet.“ Der Grund: Die Engagierten wollen ein Zeichen setzen gegen „den nur verhaltenen Umgang der Bischofskonferenz mit dem Thema ,Missbrauch’, für die Rolle der Frau in der Kirche mit dem Wunsch nach Diakonat und Priesteramt und für eine offene Sexualmoral und die Anerkennung aller Lebensformen, vor allem der gleichgeschlechtlichen, durch die Institution Kirche.“ Und: „Es ist ein Kampf für die Frauen und die Gerechtigkeit.“

Ehrenamtliche fordern Überstellung der Missbrauchstäter

Die Ehrenamtlichen fordern „die selbstverständliche Überstellung des Missbrauchstäter an weltliche Gerichte und eine uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden“. Sie haben „diesen Kirchenstreik angeregt und schließen uns damit der Aktion ,Maria 2.0’, die von einer Frauengruppe der Münsteraner Gemeinde Heilig Kreuz ausgeht, an,“ so die Ehrenamtlichen.

In dieser Woche sind die Engagierten schon emsig dabei, Vorbereitungen zu treffen. Elisabeth Hartmann-Kulla, Maria Berberich, Hiltrud Dißmann, Gabi Hinz, Dagmar Sachers oder das Ehepaar Annemarie und Robert Sondermann treffen sich im Kolumbarium und fertigen das Transparent. Ein großes weißes Tuch wird mit der Aufschrift „Wir streiken“ versehen. Maria Berberich: „Das Transparent hängen wir, gut sichtbar, vor die mittlere Eingangstür.“ Elisabeth Hartmann-Kulla erklärt den zu vielen Schals geschnittenen weißen Stoff: „Weiß ist die Farbe des Lichts, aber auch der Trauer und vor allem des Neuanfangs.“

Trauercafé fällt aus

In der Streikwoche wird das Kolumbarium nur bis in die Mittagszeit hinein geöffnet sein. Das Trauercafé am 12. Mai fällt aus. Der Gedenkgottesdienst am 16. Mai findet um 19 Uhr draußen vor der Begräbniskirche statt. Maria Berberich: „Hier werden wir die Kirche symbolisch umarmen und ein 350 Meter langes weißes Band um das Kolumbarium spannen.“ Die Besucher werden – auch per Handzettel – über den Grund des Streiks informiert. Die Ehrenamtlichen tragen weiße Kleidung oder ihre Schals.

Pia Scholz, Verwaltungsangestellte und für das Kolumbarium zuständig, beteiligt sich außerhalb ihrer Dienstzeit am Streik: „Ich werde zu meinen Arbeitszeiten im Kolumbarium sein und bin Ansprechpartnerin für die Bürger. Ich will nicht, dass es die Trauernden trifft.“ In den Nachmittagsstunden ist das Kolumbarium geschlossen. Scholz: „Beisetzungen finden statt. Dafür sind die Hauptamtlichen zuständig.“

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