Jugend

Engagierte bauten Jugendarbeit nach 1945 in Wattenscheid auf

Gemeinsam Kartoffeln schälen: Helfer und Jugendliche aus Wattenscheid bei einer Freizeit; links Hedwig Müller.

Gemeinsam Kartoffeln schälen: Helfer und Jugendliche aus Wattenscheid bei einer Freizeit; links Hedwig Müller.

Foto: Archiv Müller/Gaeb

Wattenscheid.  Nach dem Krieg gab es viele Mitstreiter, die die Jugendarbeit in Wattenscheid aufgebaut haben. Ludwig Müller gehörte bei der ev. Kirche dazu.

Als Ute Gaeb (geb. Müller) am 23. September den WAZ-Artikel „Aufbruch in eine neue Zeit“ über die evangelische Jugendarbeit in Wattenscheid las und die Fotos dazu sah, hat sie das Thema gleich auch persönlich berührt. „Aus meinen persönlichen Archivunterlagen, zu denen auch viele alte Bilder gehören, kann ich zu der evangelischen Jugendarbeit einiges mitteilen“, betont sie.

Aufbau nach dem Krieg

Die Jugendarbeit in Wattenscheid nach dem Krieg habe ihr Vater seit 1948 mitgestaltet. „Ludwig Müller wurde am 1. Oktober 1948 von der Evangelischen Kirchengemeinde Wattenscheid als Jugendwart/Jugenddiakon eingestellt“, blickt die Höntroperin zurück. „Sie bestand damals aus sechs Pfarrbezirken mit etwa 30.000 Gemeindemitgliedern, in denen er sich um die männliche Jugend, u.a. in Höntrop und Leithe, kümmern musste und sie in den Jugendstunden mit der Bibel vertraut machen.“ Früher war die kirchliche Jugendarbeit noch für Mädchen und Jungen getrennt.

Auch Ute Gaeb nahm an zahlreichen Aktivitäten teil. Sport, Spiel, Ausflüge, Zeltlager an mehreren Talsperren, Freizeiten (u.a. auf Norderney, mehrmals auf Ameland) und Filmnachmittage – damals noch im alten ev. Gemeindehaus an der Voedestraße 77 – haben stattgefunden. Dort hat ihre Familie zunächst auch gewohnt, bis der Umzug in das Pfarrhaus neben dem neuen Ludwig-Steil-Haus erfolgte.

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Auch Hausbesuche gab es

Zu den wichtigsten Aufgaben ihres Vaters habe damals auch die Verbindung mit den Jugendlichen durch Hausbesuche mit den Eltern gehört. „1956 konnte dann der Umzug in das neu eröffnete Ludwig-Steil-Haus vonstatten gehen, das über eine Turnhalle und einen Tischtennis- und Billardraum verfügte. Das war damals eine moderne und großzügige Einrichtung für die Jugendarbeit in Wattenscheid“, sagt die 69-Jährige rückblickend.

„1960 hat mein Vater dann die Jugendarbeit an seinen Nachfolger abgegeben, um als hauptamtlicher Religionslehrer an der Berufsschule an der Westenfelder Straße zu arbeiten. Diese Unterrichtstätigkeit hatte er bereits seit 1954 nebenberuflich durchgeführt.“ In einem alten Zeitungsbericht hieß es, „bis 1960 ging halb Wattenscheid durch seine Jungschararbeit“. Er habe auch sehr gut Prälat Hermann Mikus aus der katholischen Kirchengemeinde gekannt. Die beiden seien ein „gutes Gespann“ gewesen. „Mein Vater kannte Prälat Mikus durch die Tätigkeit in der Berufsschule, sie waren eng befreundet. Sie lebten die Ökumene.“

„Meine Mutter Hedwig hat immer mit anderen Frauen in den Freizeiten für 50 bis 60 Jugendliche gekocht, die jungen Leute halfen gerne mit“, erinnert sich Ute Gaeb. Ihre Eltern sind 1992 gestorben, ihr Vater war 77, ihre Mutter 72.

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