Leben in der Stadt

Einfahrt frei für die Begegnung unter den Nachbarn

Malen mit Aquarell- oder Acrylfarben probieren vor allem die kleinen Besucher gern aus, wenn auch mit Hilfestellung. Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Malen mit Aquarell- oder Acrylfarben probieren vor allem die kleinen Besucher gern aus, wenn auch mit Hilfestellung. Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Westenfeld.  Die Initiative „Mittendrin“ bietet „Kunst und Kultur in der Einfahrt“ zum Anfassen und Mitmachen. Die Wattenscheider Stadtkultur zeigt Vielfalt.

Samstagnachmittag, reich bestückte Kaffeetafel, durch den Garten schlendern, ein bisschen Live-Gitarrenmusik im Ohr, große und kleine Bilder als Blickfang und dazu Hammerschläge auf dem Amboss: Das ist die Ur-Substanz der Ruhrgebiets-Mischung zu „Umsonst und Draußen“, die hier immer geht. Entspannung pur vermittelt „Kunst und Kultur in der Einfahrt“ an der Graf-Adolf-Straße bei der Premiere der Initiative „Mittendrin“ und der ersten eigenen Veranstaltung.

Sichtlich gelassen empfängt einer der Initiatoren, Martin Lenz, die nach und nach eintreffenden Besucher. Vorsichtshalber hat „Mittendrin“ noch mit Aushängen und Flyern in den Briefkästen der Umgebung auf das Event hingewiesen, und tatsächlich meint Lenz: „Zur Hälfte Freunde und Bekannte, Hälfte neu.“ Denn es ist alles privat, und das hat Riesenvorteile. „Wir haben keine Auflagen, können einfach ‘mal machen,“ sagt er schmunzelnd. Aber vorsichtshalber hängen an den Straßenbäumen noch Plakate, in der Einfahrt Foto-Hinweise auf den Datenschutz.

Spaß schon bei der Vorbereitung

Vielleicht deshalb hatte die Truppe von Kreativisten, die hier zum Ansehen und Mitmachen einlädt, auch schon „einen Riesenspaß bei der Vorbereitung“. Und die Besucher bekommen etwas zum Mitnehmen, neben dem Beweis, dass in Wattenscheid noch vieles geht bei Stadtkultur und Nachbarschaft.

Watten-Zwerge aus der Grube

Lenz überlegt deshalb auch nicht lange auf die Frage, ob er sich eine Fortsetzung denken könne: „Das kann man auf jeden Fall wieder machen. Die Gäste bekommen Wattenscheider Geschichte und Geschichten mit auf den Weg, die so wohl kaum woanders zusammenkommen. Etwa von den „Watten-Zwergen“ bei Bildhauerin Barbara Neumann, die beim Modellieren zum Ausprobieren von den Grubenzwergen erzählt, die nach dem Ende des Bergbaus eine neue Heimat suchen und in Wattenscheid gefunden haben.

Heißes Eisen dekorativ gebogen

Oder von „Eisenbieger“ Frank Feldmann, ursprünglich Zahntechniker, der „auf die Schnelle ein paar Sachen zusammengepackt hat“ und an seiner Feldesse anleitet, wie dekorative Schlangen oder Pflanzstäbe aus Baustahl-Stangen gemacht werden. Nebenan bei Ulla Schreibers Acrylmalerei muss der Papa sich auf die Frage: „Was wird denn das?“ aus Kindermund überzeugt gefallen lassen: „Ein Bild. Das weiß ich doch nicht.“

Bier mit Extra-Stich

Oder Bierbrauer Gerd Ruhmann, der eigentlich aus Hordel kommt, aber Spaß an der Nachbarschaft hier in Westenfeld gefunden hat, plaudert aus seinem Erfahrungs-Schatzkästchen, während beim Eisenbieger sein „Stacheleisen“ entstehen soll. Denn während die Müller früher beim Hufschmied warteten, dass ihre Pferde neu beschlagen wurden, griffen sie gern im Winter zum Humpen Bier. Und weil der Schmied „immer ein Eisen im Feuer hatte“, stachen sie es in den Krug. Der Restzucker karamellisierte, das Bier wurde süffig und warm. „Das geht nicht mit obergärigem Bier, wie hier mit dem Pils, aber mit altfränkischen Braubieren,“ von denen er noch etwas zum Aufräumen am Abend hat.

Martin Lenz fasst zusammen: „Hier gibt es unheimlich viele Verknüpfungen zwischen den Menschen und den Initiativen, und wenn man die nur einmal antippt, dann kommen die.“ In die Einfahrt und sind mittendrin.

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