Kunstvolles Gedenken

Eine Erinnerungswolke entsteht im Kolumbarium St. Pius

Die Künstlerin Gabriele Wilpers installiert derzeit eine Erinnerungswolke aus persönlichen Gegenständen im Wattenscheider Kolumbarium St. Pius.

Die Künstlerin Gabriele Wilpers installiert derzeit eine Erinnerungswolke aus persönlichen Gegenständen im Wattenscheider Kolumbarium St. Pius.

Foto: Jürgen Theobald

Wattenscheid.   Angehörige von Verstorbenen reichen ganz persönliche Gegenstände ein. Künstlerin Gabriele Wilpers erschafft aus diesen ein schwebendes Raumbild.

Erinnerungen schweben durch den ehemaligen Chorraum. Jedes Objekt birgt eine Geschichte, etwas Vergangenes in sich. Und doch zeugen sie vom Leben, das in der Gedankenwelt der Angehörigen erhalten bleibt. Die einzelnen Stücke fügen sich zusammen, verdichten den Nebel des Gedenkens zu einer „Erinnerungswolke“ im Kolumbarium St. Pius.

25 Gegenstände – Uhren, Ringe, eine Gartenschere, eine alte Mundharmonika – hat Gabriele Wilpers (65) von Verwandten und Hinterbliebenen erhalten: „Es ist ergreifend. Alle Objekte erzählen Geschichten, dokumentieren etwas und sind ein Stück Alltagskultur“, sagt die Essener Künstlerin. Aus diesen individuellen Erinnerungsstücken entsteht nach und nach ein „räumliches Bild“, die Wolke, die Karfreitag (19. April) der Öffentlichkeit in ihrer ersten Form im Kolumbarium präsentiert werden soll.

Künstlerische Installation als fortlaufender Prozess

Fertig oder abgeschlossen ist Wilpers’ künstlerische Installation damit nicht: „Es ist ein prozesshafter Vorgang. Wenn die ersten Dinge – manche aus Metall, andere aus Glas – hängen, werden weitere Angehörige aufmerksam werden.“ Das schwebende Raumbild könne mit der Zeit ausgeweitet werden.

So sei es auch bereits mit den Namen der Verstorbenen gewesen, die in St. Pius zu lesen sind, erzählt Pia Scholz (Kolumbarium): „Viele Leuten haben uns daraufhin angesprochen. So ähnlich erhoffen wir es uns auch für die Erinnerungswolke.“ Die Reaktionen der Trauernden und Angehörigen seien „sehr positiv“ gewesen, berichtet Scholz. Die Entstehung des Kunstwerkes konnten Besucher während der Öffnungszeiten (täglich 10-18 Uhr) mitverfolgen. Wilpers: „Sehr viele Leute kommen hier vorbei.“

Transparente Angelschnüre

Die Künstlerin und ihr Partner Herbert Galle lassen für das freie Kunstwerk transparente Angelschnüre durch die Decke herunter: „An diese werden dann die Andenken angeheftet, die von gemeinsam erlebten und bewegenden Augenblicken erzählen.“ Die Künstlerin ergänzt die über einen Zeitraum von rund einem Jahr gesammelten, meist reflektierenden Gegenstände um stilisierte, goldfarbige beblätterte Zweige aus eloxiertem Aluminium sowie um gläserne Tropfen.

Verwandtschaft zum Abschiedsraum

Damit bildet die hängende Installation auch eine „Verwandtschaft zum Abschiedsraum“ in St. Pius, den Wilpers bereits zuvor gestaltet hat. Da jede Schnur einzeln durch die Kirchendecke in den Chorraum gezogen werden muss, sei die Arbeit durchaus aufwendig: „Allerdings handelt es sich ja nicht um ein temporäres Werk.“ Es soll bleiben, sich verdichten.

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