WAT-Gespräch

Der Traditions-Friseursalon Ridder bleibt Höntrop erhalten

Kamm und Schere hat Benedikt Damwerth ausnahmsweise in der Hand, hier mit Freundin Michelle Walden (l., künftig Marketing, Event-Management), Martina Ridder, Alina Thomas (vorn) und Ulrike Hacker im Salon Ridder in Wattenscheid.

Kamm und Schere hat Benedikt Damwerth ausnahmsweise in der Hand, hier mit Freundin Michelle Walden (l., künftig Marketing, Event-Management), Martina Ridder, Alina Thomas (vorn) und Ulrike Hacker im Salon Ridder in Wattenscheid.

Foto: Uli Kolmann / WAZ

Wattenscheid-Höntrop.  Benedikt Damwerth übernimmt Friseurgeschäft Ridder in Wattenscheid-Höntrop. Nach dem Tod des Chefs schlug Corona zu. Die Nachfolge ist nun sicher.

Ein Inhaberwechsel der besonderen Art steht am 1. Oktober im Salon Ridder an, dem Traditionsgeschäft an der Höntroper Straße 38. „Ein Holzwurm übernimmt“, kann Martina Ridder äußerst zufrieden bekannt geben, „wenn auch nicht mit Kamm und Schere.“ Denn nach dem Tod von Joachim Ridder im Januar überschlugen sich die Spekulationen im Ortsteil. Tischler und Nachbar Dominik Damwerth, fest in Höntrop verwurzelt, führt nun als eigentlich Fachfremder das Geschäft weiter.

Salon mit Tradition

Mehr aus einer Laune heraus hatte Martina Ridder ihm zugeworfen „Dann mach Du das doch“, als sich keine zufriedenstellende Lösung für die Nachfolge abzeichnete und die Schließung keine Option sein konnte. Der Gedanke ließ den Inhaber des Türenstudios nur zwei Häuser weiter nicht mehr los, schließlich kannte er den Salon und die Eheleute Ridder doch auch schon Jahrzehnte. So rechnete er und sagte zu.

Als Friseurgeschäft 68 Jahre am Ort

Die Meisterbriefe über dem hölzernen Kinder-Friseurstuhl von 1952 in der Eingangsnische verweisen auf die 68 Jahre Tradition des Salons hier im Haus aus dem Baujahr 1900. Entsprechend erlebte der Handwerker Damwerth bei der gerade erfolgten Renovierung der Räume einige Überraschungen hinter den betagten Wandverkleidungen. Das Fachwerk blieb aber sichtbar erhalten, die Lampen unterstreichen noch den Retro-Aspekt. Die Spiegel sind neu, die Stühle neu bezogen, die Elektrik komplett überholt.

Vor allem bleibt das Personal erhalten, was die zahlreichen Stammkunden schon zu Beginn der Corona-Pandemie sehr schätzten. Auch Damwerth ist sicher: „Die können schöne Köpfe machen“, und haben ihn schon herzlich aufgenommen, auch als Nicht-Friseur. „Außerdem haben sie ihr Handwerk von der Pike auf gelernt“, ist der neue Chef überzeugt.

Neue Trends und altes Handwerk

Salonleiterin wird Alina Thomas (30), seit sechs Jahren im Betrieb, „und in drei Jahren vom Chef zum Meisterbrief gebracht“, erinnert sie lächelnd. Der Name des Salons bleibt, Neues wird aber Einzug finden, ist sie mit Damwerth einig. „Wir wollen das Themenfeld erweitern, auch mal wilde Farben bieten, dazu Make Up, aber auch Hochsteck-Frisuren und Styling für die Hochzeit“, erklären sie.

Der Chef selbst steuert noch zum neuen Flair an alter Adresse bei, künftig Ladies’ Nights anzubieten mit einem Wohlfühl-Angebot am Abend. „Und einen Flechtkurs für junge Väter kleiner Prinzessinnen“, denn da sieht der 40-jährige Unternehmer unbedingt Bedarf. Wie auch bei der Internetpräsenz des Salons, „das war bisher kaum ein Thema, auch wenn der Laden so gut gelaufen ist, dass es Wartezeiten gab.“

Auch ein lebendiges Erbe

Martina Ridder ist jedenfalls mit dieser Lösung glücklich: „Ich weiß, dass das gut wird.“ Den Salon gibt sie auch als lebendiges Erbe von Joachim Ridder weiter, der sich als Vorsitzender der Kolpingspielschar und WAT-Stadtprinz sowie als Stimmungssänger auf der Bühne in der Karnevalszeit einen Namen gemacht hatte. Und der 42 Jahre das Friseurgeschäft am Orte geführt hatte. https://www.waz.de/article225939965.ece

https://www.waz.de/archiv-daten/article217475059.ece

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