Gastronomie

Der Patron des Ristorante „Piccolo“ nimmt jetzt Abschied

Luigi Iorio (r.) steht gemeinsam mit seinen Nachfolgern Clemente Benedetto und Angela Trotta vor dem „Piccolo“ an der Hochstraße in Wattenscheid. Fotos:Ingo Otto

Luigi Iorio (r.) steht gemeinsam mit seinen Nachfolgern Clemente Benedetto und Angela Trotta vor dem „Piccolo“ an der Hochstraße in Wattenscheid. Fotos:Ingo Otto

Wattenscheid-Mitte.   Luigo Iorio (66) gründete 1975 die Pizzeria „Piccolo“ in Wattenscheid. Er geht nach 44 in den Ruhestand. Neue Betreiber führen Tradition weiter.

1975 in Wattenscheid. Die schmerzhafte Eingemeindung nach Bochum ist erst wenige Monate her. Steilmann zählt zu den größten Textilunternehmen Europas. Die SG 09 kickt mit dem argentischen Millionen-Einkauf Carlos Babington in der neu geschaffenen 2. Bundesliga. An der Hochstraße eröffnet Luigi Iorio die Pizzeria „Piccolo“. Sein Ristorante wird zu einem Stück Stadtgeschichte. Nun nimmt der Patron Abschied. Nach fast 44 Jahren. Mit 66 Jahren. Mit großer Wehmut und Dankbarkeit.

Zeit für einen neuen Lebensabschnitt

„Es ist Zeit für einen neuen Lebensabschnitt“, sagt Luigi Iorio. Anfang der 70er Jahre war er von der Amalfi-Küste nach Deutschland gekommen, um hier sein Glück zu suchen. Er fand es. Mit seiner Ehefrau Sandra, die er in der Eisdiele einer Tante in Essen-Steele kennen und lieben lernte. Und mit dem damals leerstehenden Lokal an der Hochstraße 43, in dem sich der gelernte Koch im Januar 1975 selbstständig machte.

Fast wie im Urlaub in Italien

„Piccolo“ kam schnell groß raus. „Beim Italiener“ Pizza und Pasta zu essen war noch selten und daher schwer angesagt. Die Gäste durften sich fast wie im Urlaub fühlen. Die Leute kamen von überall her und haben sich extra fein angezogen. Manchmal standen sie Schlange bis zur Post. Viele 09-Spieler waren Stammgäste“, erinnerte sich das Ehepaar Iorio, als 2015 das 40-jährige Bestehen gefeiert wurde.

Längst sind die Zeiten in der gesamten Gastronomie schwieriger geworden. „Piccolo“ hat überlebt – dank der familiären Atmosphäre und Top-Qualität, die man in all den Jahrzehnten geboten habe, betont Luigi Iorio.

Zeit, den Ruhestand zu genießen

Jetzt sei es Zeit, den Ruhestand zu genießen. Konkrete Pläne für die Zukunft haben die Iorios noch nicht. Alsbald wollen sie die beiden Söhne besuchen, die in London leben und arbeiten.

Die Gründer gehen. Die Tradition lebt fort. Angela Trotta und Clemente Benedetto, bislang privat und geschäftlich in Köln zu Hause, haben das Lokal zum Jahreswechsel übernommen. Eine glückliche Fügung: Eine gemeinsame Freundin hatte den Kontakt geknüpft.

Auf Spezialitäten konzentrieren

Was Luigi Iorio bis zuletzt nicht durchzusetzen vermochte („Die Gäste waren es doch so gewöhnt“), wollen die neuen Betreiber in Angriff nehmen: Die Karte zu entschlacken, sich auf einige Spezialitäten der italienischen Küche, darunter auch Fleisch- und Fischgerichte, zu fokussieren, sich das Prinzip „weniger ist mehr“ zu eigen zu machen. Die knackfrischen Tagesangebote, typisch mediterran auf einer Tafel dargeboten, spielen dabei eine große Rolle. Motto: „Wenn fertig, dann fertig.“ Heißt: Geschlemmt wird nur, solange der Vorrat in der Küche reicht.

Und wenn’s noch Fragen gibt: Luigi Iorio steht seinen Nachfolgern als Berater zur Verfügung: „Ich bin ja nicht aus der Welt.“

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