Leonie Saint

Das Leben nach der Porno-Karriere

Foto: WAZ

Wattenscheid. Die 22-Jährige macht keinen Hehl aus ihrer Vergangenheit. Ihre Klingel ist doppelt beschriftet. „L. Saint" steht auf der Eingangstür ihrer Mietwohnung im Wattenscheider Norden. Einst war sie einer der Stars der Porno-Branche. Nun probiert sie sich als seriöse Schauspielerin.

Keine besonders glamouröse Gegend: Viele der Hausfassaden sind grau, sie erinnern an einen Film von Adolf Winkelmann. Warum sie ausgerechnet in Günnigfeld wohnt? „Hier habe ich meine Ruhe und gute Einkaufsmöglichkeiten. Außerdem verstehe ich mich mit den Nachbarn gut, und wir haben einen großen Garten", sagt Leonie Saint, ein echtes Kind des Reviers: In Herne ist sie aufgewachsen, später lebte sie in Bochum-Hamme, seit drei Jahren in Günnigfeld.

Das geneigte, vorwiegend männliche Publikum kennt Leonie, die eigentlich Simone heißt, nur unter ihrem Pseudonym: Einst war sie einer der Stars der Porno-Branche. Nun probiert sie sich als seriöse Schauspielerin. Seit dem 19. März ist sie in Mario Barths Kino-Komödie „Männersache" zu sehen. Im Film geht um einen von Barth verkörperten erfolglosen Komiker, der erst bekannt wird, als er anfängt, seine Freunde zu verhöhnen. Saint spielt eine Nebenrolle, drei Tage drehte sie mit Barth in Berlin. „Die Arbeit mit Mario hat mir supergut gefallen. Das war mal etwas anderes." Ein schöner Dreh: „Mario ist gut drauf. Ein netter Chef. Er kann aber gröber werden, wenn es nicht so läuft, wie er es sich vorstellt."

Zwanzig Heiratsanträge

Leonie Saint sitzt am Wohnzimmertisch in ihrer dreieinhalb-Zimmer-Wohnung, sie nippt an einem Glas Wasser mit Apfelaroma. An der Wand hängt eine Fotocollage. Leonie an der Seite von Bushido, Peter Nottmeier, den Backstreet Boys, Bela B. und Fernseh-Polizist Harry. Ihr Bekanntheitsgrad mag noch ausbaufähig sein – in der Promi-Szene hat sie bereits einen Namen. Die Stars und Sternchen treffen sich regelmäßig: Auf Preisverleihungen wie dem „Comet", der „Eins Live Krone" oder der „Venus" kommen die Prominenten und diejenigen, die es noch werden wollen, zusammen. „Als ich das erste Mal Die Ärzte getroffen habe, war ich richtig aufgeregt, wie ein kleines Kind. Schon seit Jahren bin ich ein großer Fan von denen."

Obgleich sie seit fast einem Jahr keine Hardcore-Filme mehr dreht, bekommt sie häufig Fanpost aus der ganzen Welt – die Porno-Branche ist dank des weltweiten Netzes globalisiert. „Besonders rührend finde ich es, wenn mir Soldaten aus Afghanistan schreiben. Ich hoffe, ich kann sie mit meinen Briefen ein wenig trösten." Nicht selten finden sich unter den Zuschriften Heiratsanträge. Zwanzig Stück, sagt Leonie, habe sie im Laufe der Jahre schon bekommen. Doch Auftritte in Film und Fernsehen sind nur Spielerei. „In einigen Jahren möchte ich mich mit meiner eigenen Modelagentur selbstständig machen." Vielen ehemaligen Porno-Darstellern fällt es schwer, nach der exhibitionistischen eine „seriöse" Karriere zu starten. Saint ist auf dem besten Wege, dies zu schaffen. Denn im Gegensatz zu vielen Kolleginnen hat sie, davon ist die junge Frau überzeugt, etwas im Kopf. „Ich bin kein blondet Döofken."

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