Reformation

„Blaues Band“ verbindet Kirchen beim Reformationsjubiläum

Die „blaue Linie“ symbolisierte die Taufe, die Verbindung der Konfessionen,

Foto: Gero Helm

Die „blaue Linie“ symbolisierte die Taufe, die Verbindung der Konfessionen, Foto: Gero Helm

Wattenscheid.   „Reformation des Herzens“ wird mit ökumenischem Fest in der City gefeiert.Besucher pilgern zwischen Programmpunkten und Orten hin und her

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„Wo bist Du?“, fragte die evangelische Friedenskirche. „Du siehst mich!“, ermutigte die katholische Propsteikirche St. Gertrud. „Hier bin ich“, löste schließlich die Alte Kirche samt evangelischem Gemeindezentrum in leuchtenden Großbuchstaben auf.

Das Reformationsjubiläum im Lutherjahr wurde am Dienstag in ganz Wattenscheid gefeiert. Am Abend setzten dann die Gemeinden beider Konfessionen ein Zeichen für das Miteinander – nicht mehr die Spaltung der christlichen Kirche, sondern der Weg zurück, aufeinander zu, wurde bei der „Reformation des Herzens“ gefeiert.

Wege der Spaltung werden verlassen

Mit Liedern und Gesang, getaucht in blaues Licht, begann das ökumenische Fest „zwischen Reformation und Allerheiligen“ um 20 Uhr auf dem Alten Markt. Dort hatten sich die Gemeinden, Bürger und Besucher der vielen Gottesdienste zusammengefunden. „Die Bewegung der Reformation steht auch für die Spaltung“, richtete Pfarrer Uwe Gerstenkorn (Evangelische Kirchengemeinde Wattenscheid) das Wort an die Versammelten. Nun aber wolle man „die Wege verlassen, die uns trennen, weiter aufeinander zugehen und sich kennenlernen.“

Unterwegs „zwischen den Kirchen“

Die Begrüßung sprach Gerstenkorn am „blauen Band“. LED-Scheinwerfer verbanden die Alte Kirche über den Marktplatz hinweg mit der Propsteikirche und erleuchteten den Weg durch die Dunkelheit. In beiden Gotteshäusern wurde ab 20.30 Uhr abwechslungsreiches Programm geboten, die Menschen sollten unterwegs „zwischen den Kirchen“ sein; im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.

Programm gut besucht

Dichtes Gedränge herrschte im Gemeindezentrum, das mit einem Büchertisch und Buffet aufwartete. Zudem gab es die „ErfahrBar“, in der sich Interessierte von Pastor Klaus Reiermann (kath. Gemeinde St. Joseph) salben und segnen lassen und mit ihm ins Gespräch kommen konnten. Eine Musik- und Wortcollage widmete sich nebenan „Glaube und Gnade“, angeordnet in einem Kreuz, das nach und nach um weitere Aspekte ergänzt wurde.

Während im Kirchenraum Musik und Gesang den Ton angaben, wurden die Ankommenden von einem „Bettler“ an der Türe begrüßt, der Münzen nicht sammelte, sondern verteilte. „Ich bin reich beschenkt, nimm dir was raus“, lautete die populäre wie zweideutige Botschaft auf seinem Schild. Wer das Gespräch mit ihm suchte, dürfte überrascht gewesen sein, dass Pfarrer Frank Dressler antwortete.

Worte sollen zeitgemäß sein

In der Propsteikirche diskutierten katholische und evangelische Gemeindemitglieder über die Bedeutung der Reformation und ihres Initiators, Martin Luther. Seine Übersetzung der Bibel in Verbindung mit der Erfindung des Buchdruckes habe eine Wirkung entfaltet, „als hätte sich eine Schatztruhe geöffnet“, befand Bernd Albers (Gemeinderat St. Gertrud).

Und dennoch: Wichtig ist immer eine zeitgemäße Übersetzung. Auch Martin Luthers knapp 500 Jahre alten Zeilen sind schließlich nicht in Stein gemeißelt, denn, so folgerte Albers: „Worte brauchen Menschen, die sie finden, auflesen und hören.“

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