Auf eine Tasse Kaffee mit...

Bestatter Kai Kaczmarek liebt das Leben und seinen Beruf

Kai Kaczmarek trinkt aus einer Tasse mit fröhlichen Farben: „Meine Tasse ist bunt wie das Leben. Der Kaffee ist schon schwarz genug.“ Foto:Joachim Haenisch

Kai Kaczmarek trinkt aus einer Tasse mit fröhlichen Farben: „Meine Tasse ist bunt wie das Leben. Der Kaffee ist schon schwarz genug.“ Foto:Joachim Haenisch

Wattenscheid.  Bestatter Kai Kaczmarek (40) begegnet täglich trauernden Menschen.Trotzdem arbeitet er mit Freude und Empathie. „Der Tod gehört zum Leben dazu.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vermutlich beneiden ihn nicht viele Menschen um seine Aufgabe. Er ist seit Mitte der 1990er Jahre im Bestattungshaus der Familie tätig. Eigentlich war eine Berufskarriere als Bestatter nicht geplant. Kai Kaczmarek (40) traf sich mit WAZ-Mitarbeiter Norbert Philipp auf eine Tasse Kaffee in den Räumen des Familienunternehmens (Dahlhoff) an der Voedestraße, Nähe August-Bebel-Platz.

Sind Sie ein waschechter Wattenscheider?

Kai Kaczmarek: Ja, natürlich. Im Martin-Luther-Krankenhaus entdeckte ich das Licht der Welt und habe nahtlos bis zum Abitur eine Wattenscheider Sozialisation erfahren. Als Kind war ich im Kindergarten SPEM der Caritas in Höntrop, anschließend besuchte ich die Kirchschule in Höntrop und das Hellweg-Gymnasium. Es folgte das Studium für Angewandte Medienwirtschaft auf Rügen an der dortigen Medienakademie. Nur ein kurze Zeit lang arbeitete ich für verschiedene Produktionsfirmen in Hamburg und Köln. Es zog mich ab 2003 überwiegend aber wieder nach Wattenscheid zurück und ich habe mich dann immer mehr in den Familienbetrieb eingebracht. Seitdem wohne ich zusammen mit meiner Freundin wieder in der alten Hellwegstadt.

Wie kam die Wendung hin zum Bestatterberuf?

Jeder muss seinen Lebensweg erst mal finden. Das war für mich irgendwann ganz selbstverständlich und natürlich, ich bin ja auch damit aufgewachsen. Die Zusammenarbeit mit meiner Mutter, meinem Onkel und unserem Team war und ist sehr gut. Heute freue ich mich darauf, das Bestattungshaus einmal weiterführen zu dürfen.

Sie sind jeden Tag mit dem Tod konfrontiert.

Ja, aber der Tod gehört zum Leben dazu. Bestatter zu sein ist ein verantwortungsvoller Beruf. Wir entlasten Angehörige, damit sie Raum für ihre Trauer haben. Dabei stellen wir sozusagen die Weichen, um die Trauer in die richtigen Bahnen zu lenken, so dass sich Hinterbliebene auf das Abschiednehmen einlassen können. Darüber hinaus helfen wir auf Wunsch, eine individuelle Bestattung zu gestalten. Jeder Mensch besaß eine eigene Persönlichkeit, die man mit in eine Trauerfeier einfließen lassen kann.

Wie gehen Sie damit um, täglich schweren Schicksalen zu begegnen?

Wenn jemand aus der Familie, ein Freund oder eine Freundin stirbt, bin ich Trauernder wie jeder andere auch. Auch meine Tätigkeit im Bestattungshaus geht mir natürlich nahe und ich fühle mit Angehörigen mit, das ist wichtig. Grundsätzlich ist es dann immer gut, Gespräche zu führen. In meinem Privatleben bedeuten mir Familie und Freunde viel, ebenso wie sportliche und kulturelle Aktivitäten. Meine Oma sagte immer: „Nur wer gut zu sich selbst ist, kann auch gut zu anderen sein“.

Und das gelingt immer?

Nein, natürlich nicht. Vieles geht mir besonders nah. Unerwartete und tragische Sterbefälle, wenn der Verlust sehr schmerzhaft ist. Vor allem wenn junge Menschen und Kinder sterben. Ganze Schulklassen nehmen dann auf dem Friedhof Abschied. Das macht mich natürlich selbst traurig und nachdenklich und ich muss es dann erst mal verarbeiten.

Ist es also doch ein schwerer Beruf?

Es ist ein sensibler und ernsthafter Beruf. Aber in Trauergesprächen oder in traurigen Situationen darf auch mal gelacht werden. Auch diese Seite ist wichtig und kann dabei helfen, wieder mit einem Lächeln nach vorne schauen zu können. Neulich z.B. verirrte sich bei einer Trauerfeier ein Spatz in den Kirchraum und übernahm sozusagen das Wort des Geistlichen. Der Spatz setzte sich auf das Mikrofon und begann darauf herum zu picken, gut hörbar für alle über die Lautsprecher. Viele Trauergäste mussten schmunzeln und die Traurigkeit war für einen Moment verflogen. Man kann aus dem Beruf viel fürs Leben lernen. Ich versuche deshalb, mein eigenes Leben bewusster zu gestalten, den Moment zu leben, weil der jetzige Moment der einzige ist, den wir ganz sicher haben.

Ein Friedhof in Karlsruhe: Sandkästen neben Grabsteinen. Der Spielplatz soll Kindern helfen, dem Tod zu begegnen. Was sagen Sie dazu?

Das kann eine gute Sache sein, neue Wege zur Trauerbewältigung zu gehen. Kinder trauern auch und können so vielleicht leichter mit einem Verlust umgehen. Der Friedhof wird für sie zugänglicher. Ich habe schon oft erlebt, dass Kinder durch ihre unbekümmerte Art in einer traurigen Situation dieser ein wenig Leichtigkeit verleihen. Ein Spielplatz auf dem Friedhof gestaltet den Ort freundlicher und offener für das Leben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik