Schule

Aus Brachfläche in Wattenscheid wird ein Klassenzimmer

Das Projekt „Klassenzimmer für alle“ gewinnt weitere Konturen. Gero Helm / FUNKE Fotoservices.

Das Projekt „Klassenzimmer für alle“ gewinnt weitere Konturen. Gero Helm / FUNKE Fotoservices.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Mitte.  Als „Höhepunkt“ des Projekts „Ein Klassenzimmer für alle“ bezeichnet Florian Heinkel (VHS) die Bauarbeiten neben der Liselotte-Rauner-Schule.

Es wird gehämmert und gebohrt, gestrichen und geschraubt. Schubkarre um Schubkarre füllen sich die sechs neuen Hochbeete mit Erde, der Unterstand ist abgedichtet, spendet Schatten. Das „Klassenzimmer für alle“ im Freien hat an der Swidbertstraße rasant Gestalt angenommen, zieht dank rustikaler Holzbauweise die Blicke von Passanten auf sich und eröffnet neue Perspektiven auf der Brachfläche.

Als „Höhepunkt“ des im Februar gestarteten Projektes „Klassenzimmer für alle“ bezeichnet Florian Heinkel (VHS Bochum) die Bauarbeiten, die von Schülern der Liselotte-Rauner-Schule und Studierenden der Technischen Universität (TU) Dortmund vollbracht werden. Innerhalb der VHS-Reihe „Expedition Wattenscheid“ hatten Teilnehmer auf die lange ungenutzte Fläche – der Abriss des einstigen Gesundheitsamtes begann im März 2017 – hingewiesen.

Auch Bewohner profitieren

Heinkel und seine Teammitglieder suchten Kontakt zu den Schülern, führten Workshops durch und fragten, was gewünscht sei. Mehr Grün, ein Unterstand, Sitzmöglichkeiten lauteten einige Vorschläge, die auch für interessierte Anwohner äußerst sinnvoll werden können. Schließlich soll das neue Klassenzimmer seinem Namen gerecht werden und allen Bürgern von Nutzen sein.

Lehrer Stefan Weistermeier setzt auf eine solche Kooperation mit Nachbarn, mit denen die Schüler in Kontakt kommen sollen. Einen „Perspektivenaustausch“ könne man so ermöglichen, ergänzt Heinkel, der genau wie Schülerschaft, Schulleitung, Studenten und VHS auf die Weiterführung des Klassenzimmers hofft, nach diesem „ersten großen Aufschlag in Wattenscheid“.

Dass es nun so schnell so produktiv werden konnte, sei vielen Personen und Ämtern zu verdanken, betont Heinkel: „Wir hatten Unterstützung von Bezirksbürgermeister Manfred Molszich, vom Schulverwaltungs- und Stadtplanungsamt, der TU Dortmund, der Evangelischen Hochschule und natürlich der Liselotte-Rauner-Schule.“ Leiter Marcel Schnürer gibt das Lob zurück: „Die Skepsis, wie das Projekt realisiert werden könne, war schnell verflogen. Die VHS hat koordiniert, es vorangetrieben, die Schüler begeistert und Sponsoren und Firmen als Unterstützer gefunden.“

Besonders Hauptschüler spreche die praktische Arbeit an, sagt Schnürer: „Sie können anpacken und neue Kompetenzen nicht nur aus dem Buch ziehen. So haben wir zum Beispiel beste Chancen, das Thema Klimawandel zu vermitteln.“ Zudem könne der Unterricht ausgeweitet werden, im Freien stattfinden und neue Berufsgruppen geöffnet werden. Im Garten- und Landschaftsbereich aber auch in Schreinereien sei häufig zu wenig Nachwuchs vorhanden, so der Schulleiter. „Das weckt Interesse.“

Monique (12) und Denise (11) bestätigen die Einschätzung. Die beiden Freundinnen haben wie viele andere Schüler freiwillig am Projekt teilgenommen: „Es hat richtig Spaß gemacht und der Platz ist wichtig. Zum Spielen und Chillen, wir haben einen Unterstand, wenn’s regnet, und werden Gemüse anpflanzen.“

Das möchten die Schüler dann pflegen, regen daher eine neue „Garten AG“ an. Schnürer will „alles daran setzen“, diese auf den Weg zu bringen. Bis dahin soll die Fläche mit „unheimlich Potenzial“, so die einhellige Meinung, weiter wachsen und genutzt werden – von allen. Und so wieder einen Sinn erfüllen und Entwicklungschancen bieten.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben