Kirche

Aufbruch in eine neue Zeit der Jugendarbeit in Wattenscheid

Robert Lux vor seiner Wohnung in Altenbochum. Er war langjähriger Leiter des Ludwig-Steil-Hauses in Wattenscheid und spricht über 50 Jahre evangelische Jugendarbeit.

Robert Lux vor seiner Wohnung in Altenbochum. Er war langjähriger Leiter des Ludwig-Steil-Hauses in Wattenscheid und spricht über 50 Jahre evangelische Jugendarbeit.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid.  Schlaghosen, Musik, lange Haare: In den 1970er Jahren begann auch in der Jugendarbeit eine neue Zeitrechnung. Robert Lux hat sie mitgestaltet.

Nach einem Artikel zur evangelischen Jugendarbeit in Wattenscheid meldete sich der ehemalige Leiter der „Offenen Tür im Ludwig-Steil-Haus“ der Evangelischen Kirchengemeinde Wattenscheid, Robert Lux, bei der Redaktion. Er bot an, sein noch vorhandenes Archiv zu öffnen. Bis zur Schließung im Dezember 2014 beheimatete das Wattenscheider Ludwig-Steil-Haus die Offene Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Gemeinde.

Der Veränderungsdruck war damals groß

Vor 50 Jahren begann der Aufbruch in eine neue Zeit. Vielerorts prägte noch eine „Hausmeisterpädagogik“ die Inhalte und Formen der Freizeitangebote. Fachleute waren in der Regel weit und breit nicht in Sicht. „Der Veränderungsdruck war damals groß“, sagt Robert Lux mit bedeutungsvollem Blick. Gemeint war ein „Wertewandelschub“ mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen in den 1970er Jahren, ausgelöst durch die so genannte „68er Bewegung“.

Jetzt kamen die Profis zum Zuge

„Jugendarbeit kann nur sachgemäß mit einem Team von erwachsenen Hauptamtlichen durchgeführt werden, die bereit sind, ihre Ziele vor und mit den Jugendlichen zu leben“, führt Lux aus. Eine Folge dieser konzeptionellen Neuausrichtung kirchlicher Jugendarbeit auf dem Weg zum „Haus der Offenen Tür“ (HOT) war der Umbau von Jugendräumen zu einer Diskothek.

„Die Einrichtung einer Diskothek wurde von einem Gelsenkirchener Innenarchitekten geplant und von Jugendlichen umgesetzt“, kann sich Robert Lux erinnern. Rund 20 Jugendliche hauchten mit viel handwerklichem Geschick und noch mehr Engagement den Planungen Leben ein. Selbst die Tischlampen wurden selbst genäht. Nach sechs Monaten Bauzeit konnte im Mai 1971 mit einer ersten Disko-Veranstaltung die Eröffnung gefeiert werden.

Täglich 400 Besucher

Die Wattenscheider Einrichtung war die erste ihrer Art in Bochum und Wattenscheid. Von weit her pilgerten Jugendliche ins Ludwig-Steil-Haus. Bis zu 400 Besucher täglich. Manche nahmen zwei Stunden Anfahrtszeit in Kauf, um die Disko zu besuchen. Ursache hierfür war nicht nur das attraktive Angebot. Die geburtenstärksten Jahrgänge nach dem Krieg wuchsen in den 1970er Jahren in das Jugendalter. Jedoch war das Raumangebot begrenzt und die Besucherzahl musste auf 250 Jugendliche beschränkt werden.

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Die Begriffe „Solidarität“ und „Emanzipation“ umschrieben damals die Lernziele: So wurde der gesamte Diskobetrieb in den Verantwortungsbereich der Jugend gestellt und durch die Schaffung von Mitwirkungsgremien die Besucherinnen und Besucher an der Leitung der gesamten Einrichtung beteiligt.

Bildungsarbeit und Ferienfreizeiten

Ähnlich hoch war der Zulauf in anderen Angebotsbereichen. Zur dokumentierten Struktur zählten neben dicht getakteten Bildungsseminaren an Wochenenden auch Ferienfreizeiten mit unterschiedlichen Ansätzen. Bis zu drei Freizeit-Maßnahmen wurden alljährlich angeboten. Beispielsweise Planwagenfahrten in das Münsterland und Deutsch-Französische Jugendbegegnungen nach Langlade im Süden Frankreichs.

Wer weitere Infos rund um das Thema hat, kann sich gern melden:
redaktion.wattenscheid@waz.de

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