Gesellschaft

Alter Markt wird zum ökumenischen Treffpunkt der Fackelzüge

Nach den Gottesdiensten trafen sich die Besucher der Ökumenischen Nacht mit Fackeln in den Händen zur Feuer-Schau des Zirkus Ratz Fatz.

Nach den Gottesdiensten trafen sich die Besucher der Ökumenischen Nacht mit Fackeln in den Händen zur Feuer-Schau des Zirkus Ratz Fatz.

Foto: Olaf Ziegler / FFS

Wattenscheid-Mitte.  Die Allerheiligen-Nacht der Wattenscheider Gemeinden steht im Zeichen von Feuer, Glut und Asche. Aktionen lassen die Nachbarn zusammenrücken.

Der Kontrast bot sich schon am August-Bebel-Platz, wo die Passanten eilig noch die letzten Feiertags-Einkäufe erledigten, während weiter unten am Alten Markt eher in der Stille Öl-Lämpchen verteilt und einige Strahler aufgebaut wurden. Mit dem Glockengeläut im Wattenscheider Zentrum und dem Verlöschen der Lichter in den Geschäften setzten sich dann zwei Fackelzüge nach den Abendgottesdiensten von der Friedenskirche und der Propstei St. Gertrud in Bewegung und trafen sich vor der Alten Kirche. Der zweite lange Abend des Reformationsfestes und der Nacht zu Allerheiligen wurde erneut ökumenisch begangen und stand im Zeichen von „Feuer, Glut & Asche“.

Ein Halbrund bildeten die Fackelträger und einige kleine Halloween-Hexen und mystisch kostümierte Gestalten als Kulisse für das Feuerspektakel des Zirkus Ratz Fatz, das einen rasanten Einstieg in den langen Abend rund um das evangelische Zentrum bot. Thematisch leiteten Gemeindereferentin Anke Wolf und Pfarrer Uwe Gerstenkorn mit der offenen Frage ein: „Wie sähe es aus mit so viel Feuer in unseren Gottesdiensten, in unserem Miteinander und in unserem ökumenischen Zusammenleben?“

Einladung zu ansteckenden Begegnungen

Allein darin, dass viele Besucher den ganzen Abend über blieben, zeigte sich, dass die Gelegenheit für „ansteckende Begegnungen“ gern genutzt wurde. Dabei entstanden „Feuerbilder“ in der Fotowerkstatt mit interessanten und überraschenden Lichteffekten vor schwarzem Hintergrund, sammelten sich die Kinder mit Stöcken für das Stockbrot rund um Feuerschalen, bereitete eine Gruppe den Teig vor, der im Holzofen gebacken werden sollte.

Kulisse aus Hammerschlägen und Kohlenglut

Mit Hammerschlägen auf rotglühendem Eisen und einem Blick in die Kohle der Feldesse scharte Schmied Thomas Mantowski, der eigens aus dem Deilbach-Tal in Essen-Kupferdreh angereist war, ständig die Neugierigen um seinen Amboss. Für den richtigen Takt beim Schmieden eines eisernen Herzens ließ sich eine Interessierte sogar vom Takt der „Ode an die Freude“ inspirieren, die Freude des schönen Götterfunkens ließ ihr Werk nach und nach gelungene Form annehmen. Und die Zuschauer genossen die Schmiedeglut vor dem Gemeindezentrum zum Aufwärmen mit Früchtepunsch und Finger-Food vom reichgedeckten Imbiss-Tisch.

Persönliche Schilderungen von „brennendem“ Engagement

„Brannte nicht unser Herz?“ hatten die Organisatoren aus den Gemeinden die thematische Runde überschrieben, in denen aus ganz unterschiedlicher und sehr persönlicher Sicht Gäste schilderten, wofür sie „brannten“. Christoph Stollenwerk, Leitstellendisponent bei der Bochumer Feuerwehr, drei Frauen aus der Initiative „Maria 2.0“

in den katholischen Ortsgemeinden und Zoubeida Khodr, Leiterin der Höntroper Humanitären Solidarität Middle East e.V., erzählten von ihrer Motivation für ihren täglichen und alltäglichen Einsatz in und für die Gesellschaft, ob beruflich oder ehrenamtlich.

Pastor Klaus Reiermann nahm abschließend das übergreifende Motiv des Abends aus dem Lukas-Evangelium, die Geschichte vom Gang nach Emmaus, und das Zitat „Brannte nicht unser Herz?“ als roten Faden auf. „Es ist ein schönes, ein deutliches Zeichen, wenn wir hier gemeinsam das selbst gebackene Brot teilen. Es weist in eine gemeinsame Zukunft, weist einen Weg wie in der Emmaus-Geschichte, zeigt das Verbindende hier in Wattenscheid, dass wir weiter miteinander gehen.“

Selbst gebackenes Brot teilen

Die Klänge von meditativen Liedern aus Taize, der internationalen ökumenischen Bruderschaft im kleinen französischen Dorf, begleiteten das besinnliche Ende.

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