„Höllensturz“-Ausstellung

Künstler vollführen Höllenstürze und interpretieren Bruegel

Bernd Gülker, Kirsten Mawick, Marc de Bruijne, Jutta Brandt-Stracke und Hanna Ludwig-Schmidhuber zeigen ihre Werke in der neuen Ausstellung.Fotos:Ingo Otto

Bernd Gülker, Kirsten Mawick, Marc de Bruijne, Jutta Brandt-Stracke und Hanna Ludwig-Schmidhuber zeigen ihre Werke in der neuen Ausstellung.Fotos:Ingo Otto

  Ausstellung im Kunst- und Galeriehaus zeigt Interpretationen von Pieter Bruegels Original. Werke setzen auf Abstraktes und Aktualität.

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Der alte Kampf. Licht gegen Dunkelheit, Gut gegen Böse. Im „Sturz der rebellierenden Engel“ nehmen Himmelsgesandte den Kampf mit einem Wust aus dämonischen Mischwesen auf. Im Kunst- und Galeriehaus, Lohrheidestraße 57, messen sich 49 Künstler mit dem Original aus dem Jahr 1562 von Pieter Bruegel dem Älteren und zeigen ganz eigene Interpretationen des „Höllensturzes“. Die gleichnamige Ausstellung setzt auf abstrakte Aktualität und schickt sich an, den Betrachter zur (Selbst-)Reflexion hinzuleiten.

Das Resultat ist eine abwechslungsreiche Werkschau, in der die „Dämonen“ des „Hier und Jetzt“ an Stelle der einstmals grotesk-unbekannt anmutenden Chimären Bruegels gesetzt werden. Ausschlaggebend für die Wahl der Vorlage sei jedoch ursprünglich dessen Vielschichtigkeit gewesen, gibt Kunsthistoriker Bernd A. Gülker, stellvertretender Leiter des Kunstzentrums, Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Schau: „Die Künstler konnten das Bild als Baugrube nutzen, da es verschiedenste Möglichkeiten zum Andocken bietet.“

Hochmut und Fall

So komprimierte etwa Jutta Brandt-Stracke in „Lichtgestalt“ (Acryl) Bruegels Gestalten in abstrakte Formen und kehrt das vormals „Unbekannte mehr nach innen“, wie sie sagt: „Ich setze mich nicht nur mit der Vorlage und der Historie auseinander, sondern frage mich auch, wie ich es tun würde.“ Eine klare Trennung von Gut und Böse sehe sie dabei nicht: „Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.“

Unter anderem aus den Farben des Originals zieht Kirsten Mawick Inspiration: „Aus diesen und den Themen entstehen Emotionen, die ich abstrakt und informell in meinem Stil interpretiere.“ Mawick gliedert in ihrer Mischtechnik durch Akzentuierung des Helligkeitsverlaufs ihr Werk vom guten „Oben“ (hell) bis zum bösen „Unten“.

Marc de Bruijne widmet sich dem Ikarus Mythos: „Die gesprengten Ketten, Hochmut und Fall machen für mich den ‚Höllensturz‘ aus. Dass Ikarus die Lebenserfahrung seines Vaters missachtete, ist auf die heutige Zeit übertragbar.“ Die Umsetzung durch Airbrush-Mischtechnik bezeichnet er als „Herausforderung“.

Ein persönliches Inferno

Hanna Ludwig-Schmidhuber nahm sich ein zweites Vorbild: „Auf Sylt habe ich das Kunstwerk einer Jugendgruppe gesehen, das komplett aus angeschwemmtem Müll entstanden ist. Es ist erschreckend, welche Plastikmengen mittlerweile die Meere verdrecken, Tiere und Lebensraum töten.“ Dies sei ihr persönliches „Inferno“, welches sie mit realitätsnaher Farbgestaltung „umschlungen“ umgesetzt hat. Neben malerischen Ausarbeitungen in verschiedenen Techniken zeigt die Ausstellung auch kunstvolle Skulpturen (etwa aus Gips und Eisen), Fotografien und Interaktives. So werden Besucher angeregt, über allgemeine oder ihre persönlichen Höllenstürze zu sinnieren.

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