Ausprobiert

Warum Aquajogging kein Sport für Muffel ist

Wann ist endlich Schluss? WP-Redakteur Jonas Erlenkämper schielt beim Selbstversuch im Hallenbad auf die Uhr. . .

Wann ist endlich Schluss? WP-Redakteur Jonas Erlenkämper schielt beim Selbstversuch im Hallenbad auf die Uhr. . .

Foto: WAZ FotoPool

Warstein.   Aquajogging? Ist was für ältere Damen mit Badehaube, dachte unser Autor – und irrte. Ein Selbstversuch.

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Es ist ein kalter Winterabend an der Lortzingstraße: düster und windig. Wegen genau solcher Witterungsbedingungen ist meine Motivation, mich draußen zu bewegen, dieser Tage so groß wie die Chancen des SC Paderborn, in zwei Jahren in der Champions League zu spielen. Wobei Joggen sowieso noch nie mein Ding war. Also rein ins Allwetterbad. Vielleicht, denke ich mir, ist Aquajogging genau der richtige Sport für einen Sportmuffel wie mich.

Aquajogging klingt für mich nach einem Kurs für ältere Damen mit Badehaube. Der erste Eindruck überrascht mich deshalb ein wenig: Altersmäßig sind die Teilnehmer durchaus gemischt – und tatsächlich hat sich außer mir ein weiterer Mann im Allwetterbad eingefunden. Bevor wir ins Wasser dürfen, legen wir uns einen blauen Schaumstoff-Gurt um. Später wirft uns Hilda Oel Schuhe zu, die ebenfalls Auftrieb geben und so das Treten im Wasser erschweren.

Hilda Oel leitet diesen Kursus mit Verve und Routine. Die Dreweranerin wirkt fit vom Scheitel bis zur Sohle, was angesichts ihres Werdegangs nicht verwunderlich ist: Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet die 47-Jährige als Gymnastiklehrerin in Diensten des LWL, gibt Kurse und ist nach mehreren Spezialisierungen zu einer Fachfrau in Sachen Fitness geworden. „Aquajogging hat viel mit Körpergefühl zu tun“, sagt sie. „Während Schwimmen ein reines Ausdauertraining ist, trainiert man beim Aquajogging die Beine, den Rücken und die Oberkörpermuskulatur.“ Eigentlich vereine dieser Sport zwei Arten von Training – „wie wenn ich joggen gehe und danach ins Fitnessstudio“. Na dann.

Die Autorität einer Lehrerin

Los geht’s mit ein paar leichteren Übungen. Knie im Wechsel hochziehen, ein bisschen schwimmen. . . Der Gürtel zieht mich nach oben, es ist gar nicht so leicht, den Körper im Wasser gerade zu halten. Das funktioniert nur bei angespannter Bauchmuskulatur. Also gut, denke ich zum ersten Mal: So ganz locker-flockig geht das nicht.

Hilda Oel steht derweil mit zum Zopf zusammengeknoteten Haaren, einem pinken Leibchen und schwarzen Shorts am Beckenrand und erklärt die nächsten Übungen. Dabei hat sie die Autorität einer Lehrerin -- wenn Oel spricht, hören die Teilnehmer diszipliniert zu –, ist aber keine Schleiferin. „Wir wollen keinen Drill-Instructor da stehen haben“, sagt dazu Badleiter Patrick Pauschert. Sind ja schließlich alle freiwillig gekommen.

Wir Aquajogger ziehen das Tempo nun ein wenig an. 30 Minuten geht so ein Kurs. Nach einer Viertelstunde schiele ich zu der großen Uhr an der Wand – wie lange muss ich noch? Wir joggen im Gleichschritt, vom einen Ende des Beckens zum anderen. Dabei die Armbewegungen nicht vergessen. Das mit der Bauchspannung halte ich nicht ohne Unterbrechungen durch. Zum Glück fällt das unter Wasser nicht so auf. Hätte ich mal nicht so oft den Fitnessclub geschwänzt! Trotzdem: Wenn ich 15 Minuten durch den Wald renne, strengt mich das mehr an.

So denken offenbar auch andere Teilnehmer. „Viele wollen sich körperlich nicht so anstrengen wie etwa im Zumbakurs“, sagt Oel. Einen Muskelkater bekomme man nach dem Training selten. Das Gute am Aquajogging sei, dass die Sportler nicht topfit sein müssen. „Draußen zu joggen, das hält ein korpulenter Mensch vielleicht gar nicht durch.“ Im Wasser aber geht’s.

Fazit: Wer mit Elan dabei ist und es akzeptiert, vom Beckenrand Anweisungen zugerufen zu bekommen, hat Spaß. Aquajogging ist anstrengender als gedacht. Am schwierigsten ist die Koordination von Armen, Beinen, Oberkörper und Bauchspannung.

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