Montgolfiade

Montgolfiade: Mit dem Heißluftballon der Sonne entgegen

Der Sonne entgegen: In Warstein starten gleich mehrere Ballone in den Himmel.

Der Sonne entgegen: In Warstein starten gleich mehrere Ballone in den Himmel.

Foto: Ramona Richter

Warstein/Brilon.  Die Montgolfiade in Warstein neigt sich dem Ende zu. Kurz vor dem Finale geht es mit dem Heißluftballon von Warstein nach Brilon.

Sechs Uhr morgens auf dem Startplatz der Warsteiner Montgolfiade: Während die Sonne den Himmel in einen warmen orange färbt, werden die ersten Heißluftballone bereits aufgebaut. Es ist kalt, gerade einmal vier Grad zeigt das Thermometer. Optimale Wetterverhältnisse für die Morgenfahrt heißt es beim Pilotenbriefing.

Mit zitternden Beinen und einem mulmigen Gefühl im Magen schaue ich auf den Ballon mit der Nummer 45. Gemeinsam mit zwei Mitgliedern des Wehrstapeler Stratmann-Ballon-Teams und einem weiteren Gast werde ich zum allerersten Mal mit einem Heißluftballon fahren – ein Selbstversuch trotz Höhenangst.

Daniel Thamm ist an diesem Tag unser Pilot. Gemeinsam mit seiner Frau Sonja hat er schon einige Fahrten hinter sich. Im Mai hat er seine Prüfung zum Piloten erfolgreich bestanden. „Da oben gibt es keine Höhenangst“, versucht Manuela Klimmer mich am Boden zu beruhigen. Sie und ihr Mann Bernd Klimmer werden uns von dort aus mit dem Auto verfolgen.

Denn die Richtung ist bereits vor dem Start klar: Entweder man fährt tiefer in Richtung Norden oder aber es geht weit nach oben und in Richtung Brilon. Und wie es mein Schicksal möchte, geht es natürlich weit hinauf.

Traumhafter Ausblick über das Sauerland

Stück für Stück – Feuerstoß für Feuerstoß merke ich wie meine Beine eher einem Wackelpudding gleichen. Fast schon panisch halte ich die Schlaufe im Inneren des Korbes. Der Blick starr nach vorne gerichtet. Doch was ich dort sehe, verschlägt mir fast die Sprache. Zahlreiche Heißluftballone fahren dem Sonnenaufgang entgegen.

Nach einigen Minuten wage ich einen Blick weiter runter. Weiße Nebelfelder werden durchbrochen von dunkelgrünen Hügeln. Straßen schlängeln sich durch die Wälder. Windräder sehen aus, wie kleine Figuren einer Sauerlandminiatur – mal abgesehen von winzigen Kühen. „Ist das nicht traumhaft hier oben?“, fragt Sonja Thamm. Die Höhe verrät sie mir lieber nicht.

Ein teures Hobby

Zum Fahren seien die beiden durch Manuela und Bernd Klimmer gekommen. „Wir kommen aus dem gleichen Ort“, so Thamm. „Zu Beginn haben wir Ballone im Auto verfolgt. So fing das alles an.“ Bernd Klimmer sei schon länger als Pilot unterwegs – seit sechs Jahren im weiß-violetten Ballon. „Wir hatten das Glück, dass mein Chef einen eigenen Ballon mit seinem Schriftzug haben wollte“, so Klimmer. „Andere müssen lange nach einem Sponsoren suchen.“

Bis zu 70.000 Euro kann eine komplette Ausrüstung kosten. Allein die Hülle liege bei rund 24.000 Euro. „Wir müssen schon bis zu 60 Gäste im Jahre fahren, um allein die Umkosten wieder rein zu bekommen.“ Bereits jetzt ist die Warteliste von Team Stratmann lang. Wer Ballon fahren möchte, sollte sich demnach früh anmelden. „Wir arbeiten alle unter der Woche und fahren nebenbei – an Wochenenden und an freien Tagen. Da ist es zudem wichtig, dass an den Tagen auch die Wetterverhältnisse stimmen“, sagt Klimmer.

So auch bei der Montgolfiade. Nachdem am Donnerstag beide Starts ausfielen, freut sich das Team umso mehr, wieder in der Luft zu sein. Und auch ich genieße so langsam die Fahrt.

Sanfte Landung in Brilon

Nach gut einer Stunde erreichen wir Brilon. Zwischenzeitlich waren wir rund 25 Kilometer pro Stunde unterwegs. Schon von weiten erkenne ich den Kreisel am Ortseingang. Allmählich kommen die Häuser immer näher. Ein Blick in fremde Gärten verrät mir: Trampoline sind das, was für mich früher die Doppelschaukel war. In fast jedem dritten Garten steht so eins. Kinder laufen auf den Pausenhof und winken uns zu. „Wir hören sie, aber sie uns nicht,“ erklärt mir Bernd Thamm. Die Laute steigen nach oben.

Auf den Ohren bemerke ich einen leichten Druck – das läge daran, dass wir schneller sinken. Mit einem kleinen Rumpeln landen wir auf einem kleinen Gehweg, direkt hinter dem Stratmann-Standort in Brilon. Punktlandung.

Ballonfahrer-Taufe mit Bier und Feuer

Innerhalb weniger Minuten sind Manuela und Bernd Klimmer, die Verfolger, zur Stelle. Teamarbeit ist beim Abbauen gefragt und für Bernd Wendler, den anderen Gast, und mich ist das Abenteuer noch nicht vorbei.

„Wir haben eine Überraschung für euch. Kniet euch am besten vor dem Wagen hin“, so Thamm. Mit Bier, Feuer und Gras bekommen wir unsere traditionelle Ballonfahrer-Taufe. In nur wenigen Sekunden werde ich zur Prinzessin ernannt. „Möchtest du wissen, wie hoch wir waren?“, fragt Sonja Thamm. „Über eintausend Metern.“

Glücklich aber mit immer noch wackeligen Beinen geht es für mich zurück zum Startplatz. Für das Team geht es abends erneut in die Luft. Und auch am Wochenende werden in Warstein auf der Montgolfiade wieder zahlreiche Ballone zu sehen sein. Am Samstag endet das Festival.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben