Herten-Doncaster

Städtepartnerschaft „ist nicht in Gefahr“

Foto: Joachim Kleine-Büning

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Herten. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Engländern? Irgendwie normal – zumindest solange nicht wieder „König Fußball“ und irgendein Elfmeterschießen ins Spiel kommen. Seit einigen Tagen jedoch, seit der englische Premier David Cameron offen und lauthals gegen die EU polemisiert, ist die Stimmung hier und da zumindest getrübt.

Auch in Herten machen sich die Menschen so ihre Gedanken. Die 1989 festgezurrte Partnerschaft mit der nordostenglischen Stadt Doncaster besteht nach wie vor, sagen – wie berichtet – Bürgermeister und Verwaltung, obschon Doncasters dem Vernehmen nach geradezu erzkonservativer Bürgermeister Peter Davies eine Trennung einfordert, seit er 2009 gewählt wurde.

Der 63-Jährige, Mitglied der euroskeptischen „English Democrats“, gilt als Hardliner, als Gegner jedweder politischer Korrektheit, der etwa gerne mal die Förderung einer traditionellen Schwulen-Parade verboten hätte und die Städtepartnerschaft mit Herten unter „herausgeschmissenes Geld“ verbucht und abhakt.

Eine, die trotz derart harscher Worte einen unerwartet gelassenen Eindruck macht, ist Brigitte Bischoff-Doll, intime England-Kennerin und seit gut einem Jahr Vorsitzende des „Freundeskreises Doncaster“. „Wir scheren uns nicht darum, was einzelne Leute so alles von sich geben“, sagt die ehemalige Englisch-Lehrerin und weiß große Unterstützung aus Doncaster hinter sich.

Nahezu zeitgleich mit der Wahl Davies’ zum hauptamtlichen Bürgermeister bildete sich vor Ort eine Art Gegenbewegung, die DIPA (Doncaster International Partnerships Association), die sich mit Verve und Verstand gegen die abgeschmackten Parolen stellt, die vereinzelt bis nach Deutschland schwappen. „Alles gestandene Leute“, freut sich die 67-jährige Hertenerin. „Menschen etwa aus der Wirtschaft, Lehrer und ehemalige Ratsmitglieder oder der einstige Stadtdirektor Colin Jeynes“. Davies könne verbreiten, was er wolle, entscheidend sei am Ende des Tages doch, wie sich der Rat in Doncaster positioniere. „Und der hat einen Beschluss gegen Herten meines Wissens nicht gefasst. Punkt.“

Viel wichtiger indes sei ohnehin, wie die Menschen miteinander umgingen, die gut 50 Mitglieder des „Freundeskreises“ aus Herten und die des „Herten Friendship Clubs“ oder der „German Society“. Viele Leute aus Doncaster, so Bischoff-Doll, „sind nach wie vor äußerst interessiert an Herten“. Zahlreiche Freundschaften, die sich über die Jahre entwickelt hätten, Besuche, Gegenbesuche. Oder das äußerst gute Verhältnis zwischen der Erich-Klausener-Schule und dem Doncaster Jazz Orchestra mit dem musikalischen Direktor John Ellis.

Dass Doncaster Herten einmal offiziell den Laufpass gibt wie das Bishop’s Stortford mit dem hessischen Friedberg tat, Brigitte Bischoff-Doll kann es sich nicht vorstellen. „Bei der nächsten Wahl in drei Jahren wird Mister Davies ohnehin nicht wiedergewählt. Spätestens dann ist Ruhe.“

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