Sammler baut Museum

Moderne Kunst neben alten Ikonen

Für die Sammlung von Dr. Werner Jerke (re.) baut Architekt Detlef Wiegand hier sein viertes Museum im Vest – im ältesten Teil Recklinghausens.

Für die Sammlung von Dr. Werner Jerke (re.) baut Architekt Detlef Wiegand hier sein viertes Museum im Vest – im ältesten Teil Recklinghausens.

Foto: WAZ FotoPool

Recklinghausen / Vest.   Für die polnische Gegenwarts-Sammlung des Augenarztes Dr. Werner Jerke baut Detlef Wiegand sein viertes Museum im Vest – im ältesten Teil der Kreisstadt.

Für den Bauherrn ist’s „wie ein Sechser im Lotto“ – und für seinen Architekten bereits das vierte Museum im Vest. Der Recklinghäuser Augenarzt Dr. Werner Jerke lässt für seine stattliche Sammlung polnischer Moderne ein kleines Museum bauen – und zwar von Detlef Wiegand, dem Architekten des Jüdischen Museums Westfalen, der Neuen Galerie Gladbeck und der goldglänzenden Fuge am Ikonenmuseum.

Vis a vis baut Dr. Jerke. Das sichtlich vernachlässigte Eckhaus an Johannes-Janssen- und Münsterstraße steht im ältesten Teil der Altstadt, der wohl schon Jahrhunderte vor Recklinghausens Stadtwerdung bebaut war. Architekt und Bauherrn fasziniert die unmittelbare Nachbarschaft zum Ikonenmuseum. „Wir haben schnell zugeschlagen“, sagt Werner Jerke, „mit meiner Frau habe ich keine Woche überlegt“. Auch die Entscheidung für den Dorstener „Partner“ des Büros Kurscheidt und Partner war sofort klar – schließlich hatte das Team von je acht Architekten in Dorsten und Münster schon Dr. Jerkes Ärztehaus in Herten gebaut.

Der 55-jährige Augenarzt, aufgewachsen in der Nähe der oberschlesischen Partnerstadt Bytom (Beuthen), sammelt seit Jahrzehnten polnische Kunst – mit zwei Schwerpunkten: „den Konstruktivismus der 20er und 30er Jahre und die Gegenwartskunst seit den 60er Jahren“. Als „Hobby“, sagt Dr. Jerke, hat er in Krakau an freien Wochenenden ein Kunstgeschichts-Studium begonnen.

Von einer „sehr schwierigen Baustelle“ spricht Detlef Wiegand, der ebenfalls 55-jährige Architekt aus Dorsten – und sagt gleich darauf: „Es macht wieder richtig Spaß.“ Die Herausforderung eines „unmöglichen“ Grundstücks hatte er ja schon für den Anbau des Ikonenmuseums gemeistert.

Knapp 180 Quadratmeter misst die Grundfläche des abrissreifen Eckhauses. „Zuerst kommt die Stadt, dann das Haus“, sagt der Dipl.-Ing. – und meint den Zuschnitt des Gebäudes. Noch gebe es nur „Gedankenspiele, keinen Entwurf“. Fürs Parterre wünscht sich Dr. Jerke „eine Weinbar auf hohem Niveau“. Schließlich hat er selbst zwei Weinberge und lässt die Wein-Etiketten gern von Künstlern seines Heimatlandes gestalten. Die beiden Obergeschosse des Neubaus sollen die Sammlung von rund 500 Objekten – Gemälden, aber auch Skulpturen und Installationen – aufnehmen. Und Dr. Jerke will seine guten Kontakte zu polnischen Galerien nutzen, um Wechselausstellungen zu zeigen. Er selbst entlieh Bilder aus seiner Kollektion schon ans weltberühmte „Moma“ in New York.

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