Kohle-Protest

Kraftwerk Datteln: Bagger besetzt - Aktivisten festgenommen

Ein Dutzend Umweltaktivisten haben sich am Dienstag auf einem Förderkran der umstrittenen Kohlekraftwerks Datteln 4 verschanzt und ein Transparent mit der Aufschrift ·Nicht weggucken! Hingucken, nachdenken, handeln· befestigt.

Ein Dutzend Umweltaktivisten haben sich am Dienstag auf einem Förderkran der umstrittenen Kohlekraftwerks Datteln 4 verschanzt und ein Transparent mit der Aufschrift ·Nicht weggucken! Hingucken, nachdenken, handeln· befestigt.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Datteln.  Aktivisten haben am Dienstag einen Bagger am umstrittenen Kohlekraftwerke Datteln 4 besetzt und sich festgekettet. Sie wurden festgenommen.

Umweltaktivisten haben am Dienstagmorgen erneut eine Protestaktion am Kraftwerk Datteln 4 gestartet. Die Polizei zählte elf Aktivisten, die sich auf dem einem Bagger festgekettet hatten. Am Abend wurden die letzten drei vom Bagger geholt. Die Räumung sei nur mit größter Vorsicht möglich gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Um 6.30 Uhr war die Polizei von Mitarbeitern des Kraftwerk-Betreibers Uniper alarmiert worden. Umweltaktivisten hatten einen sogenannten Portalkratzer auf dem Gelände besetzt, mit denen Kohle auf Förderbänder geladen wird. Auch ein Hubschrauber kreiste über dem Gelände. Die Polizei forderte zudem Höhenretter der Feuerwehr als Unterstützung an. Die Eindringlinge hatten sich zum Teil in gut 50 Metern Höhe auf dem Baugerät verschanzt und festgekettet und mussten losgesägt werden.

Die Polizei sperrte unterdessen die Straße „Im Löringhof“ für den Durchgangsverkehr. Teilnehmer der Mahnwache der Kraftwerksgegner hätten jedoch weiterhin Zutritt und könnten den Ort der Mahnwache sowohl von Waltrop als auch von Datteln aus erreichen, teilte die Polizei via Twitter mit.

Uniper will Besetzer wegen Hausfriedensbruchs anzeigen

Laut einer Pressemitteilung der Aktivisten „Datteln-vom-Netz“, wollen diese mit der Aktion weitere Menschen ermutigen, aktiv zu werden und sich beim Klimaschutz nicht auf Regierungen zu verlassen. Die Protestler werfen Uniper vor, Kohle hauptsächlich aus Kolumbien und Russland zu beziehen. In diesen Ländern würden fehlende Arbeits- und Sicherheitsstandards das Leben der Bergleute gefährden. Außerdem rufen die Aktivisten zu einer Kundgebung vor dem Uniper-Gelände auf.

Ein Sprecher des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper sagte: „Durch widerrechtliches Betreten einer solchen großtechnischen Anlage gefährdet man sich selbst und Andere.“ Auch diesmal wolle Uniper Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs stellen.

Polizei hat Ermittlungskommission eingesetzt

Nach dem Kohlekompromiss hatte es bereits mehrere Protestaktionen gegen die geplante Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln 4 gegeben. Zuletzt hatten am 2. Februar rund 150 Menschen das Kraftwerksgelände gestürmt und einen Kran besetzt. Vor rund zehn Tagen hatten Aktivisten zudem eine Tonne Steinkohle vor der Zentrale des Energiekonzerns Uniper ausgeschüttet.

Bei der zuständigen Kreispolizei in Recklinghausen arbeitet seit der Besetzung Anfang Februar eine Ermittlungskommission. Nach wie vor seien nur wenige der insgesamt 102 damals vorläufig festgenommen Aktivisten identifiziert, sagte der Sprecher am Dienstag. Auch die Besetzer, die sich jetzt an den Kran gekettet hatten, wehrten sich ihre Identität zu verraten: „Sie haben erneut Fingerkuppen verklebt“, sagte der Sprecher. (dae/mit dpa)

Leserkommentare (11) Kommentar schreiben