Facebook-Party

Hunderte Jugendliche feiern Facebook-Party in Waltrop

Bis zu 700 ungebetene Gäste
wollten bei der Facebook-Party in einem Waltroper Vorgarten mitfeiern

Bis zu 700 ungebetene Gäste wollten bei der Facebook-Party in einem Waltroper Vorgarten mitfeiern

Foto: Björn Jadzinski

Waltrop.  700 ungebetene Gäste in einem Vorgarten - das ist die Bilanz einer Facebook-Party in Waltrop. Offenbar über ein geknacktes Nutzerkonto hatten Unbekannte eingeladen. Es kamen Hunderte Jugendliche und Polizisten aus mehreren Städten. Krawall machten die Gäste aber nicht.

Es geht am frühen Sonntagnachmittag herum wie ein Lauffeuer im digitalen Netz. „Hast du schon gehört, es gibt eine Facebook-Party bei uns in Waltrop!“, hallte es gefühlt aus jedem zweiten Handy von Jugendlichen. Ziel der Party-Gänger sollte eine ruhige Wohnstraße in der gutbürgerlichen Kettelersiedlung sein, hierhin hatte ein Jugendlicher eingeladen.

So zogen Massen von Menschen, die einen mit dem Bus und viele mit ihren Autos, in die enge Zone 30. Auf der Eichenstraße waren schnell alle Parkplätze und privaten Einfahrten dicht, und so mussten die Anreisenden mit ihren DO-, BO- und HER-Kennzeichen schon ein Stück weit laufen, um noch in Sichtweite der Eichenstraße zu kommen.

Spirituosen, laute Musik und bengalische Fackeln

Eingeladen hatten die Bewohner des belagerten Einfamilienhauses nicht, wie sich schnell herausstellte. Wie Polizeihauptkommissar Dieter Spoo noch in der Nacht in Waltrop mitteilte, war das Facebook-Konto wohl geknackt worden - jemand hatte sich unter falschem Namen einen Spaß erlaubt. Die mehreren hundert Gäste störte das sehr wenig. Mit Spirituosen, lauter Musik und bengalischen Fackeln wollten sie dennoch Party machen.

„Einfach nur geil, die Party! Ich würde immer wieder kommen“, verkündet eine etwa 15-Jährige, die mit ihrer Freundin aus Castrop-Rauxel gekommen ist, um sich ,wie sie sagt, „das Event“ anzusehen. Dass die Anwohner kein Verständnis für den Trubel haben, können die Partydamen nicht verstehen.

Facebook-Party mit Dortmunder Bier

„So etwas hab ich auch noch nicht gesehen“, sagt Thomas Spychala, der an einem Fenster steht und aus dem Staunen kaum noch heraus kommt. Dass die Party in eine Sackgasse geraten ist, haben die Hunderte, die sich in den Straßen verteilten, schnell gemerkt. Also wurde per Smartphone die Devise „Ab auf die Zeche!“ ausgegeben.

Die vierhundert Meter zur ehemaligen Schachtanlage in Brockenscheidt waren schnell gelaufen, und auf dem Industrieplatz vor dem Versandhaus Manufactum kam eine wirkliche Volksfeststimmung auf. „Hey, ist doch Party hier“, sagt einer der Feierwütigen - und schleppt mit seinem Kumpanen eine Kiste Dortmunder Bier zum Seilscheiben-Denkmal.

Polizisten aus Dortmund, Bochum, Wesel und Coesfeld

Auf Krawall waren die Meisten nicht gebürstet, sie wollten einfach die Ferien mit einer Freiluftparty begrüßen. Begrüßt wurden die Facebook-Freunde auch von der Polizei, die erst mit einem und dann mit 30 Streifenwagen nach dem Rechten schaute. „Es sind wohl so 500 bis 700 Personen auf dem Zechengelände gewesen“, sagt ein Beamter, doch die Lage bleibt friedlich.

„Facebook-Partys sind legal!“, skandiert die Menge, und die Polizei, die schnell aus Dortmund, Bochum und den Kreisen Wesel und Coesfeld herbeigerufen wurde, zeigt nur Präsenz. „Die Landesreserve ist abgerufen worden.“, sagt Polizeihauptkommissar Dieter Spoo. Wie viele Kollegen es letztendlich waren, kann er nicht ganz sagen.

Keine Festnahmen, nur ein Flaschenwurf

Ob es war, um den großteils ortsunkundigen Beamten ein Stück Waltrop zu zeigen, oder die fixe Idee eines Einzelnen, das ist unklar. Jedenfalls machten sich die Feiernden wieder auf dem Weg zur Eichenstraße, die jetzt schwer bewacht mit einigen Streifenwagen abgeschirmt wurde. Rund 200 bis 250 Personen versuchten es noch, doch die Polizei machte gegen 22 Uhr kurzen Prozess: Sie löste zum einen die Veranstaltung mit Lautsprecherdurchsagen auf und erteilte zum anderen einen kollektiven Platzverweis.

Doch die Feiernden zogen wieder zur Zeche und die Polizei hinterher. Was den Bewohnern und den Sicherheitskräften in die Karten spielte, war die Tatsache, dass in der Nacht auf Montag keine Nachtexpress-Busse fahren und noch vor Mitternacht einige zum Bus mussten. „Nach meinen Informationen hat es keine Festnahmen geben“, gibt Polizist Dieter Spoo bekannt - und ist sichtlich froh, dass der Spuk mit einem Flaschenwurf und etwas Feuerwerk und Geböller doch ein Ende gefunden hat.

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