Geierabend

Geierabend zeichnet Bahn mit dem Pannekopp aus

Roman Henri Marczewski

Roman Henri Marczewski

Foto: Bussenius

Herten/Westerholt/Buer.  Publikum des Geierabends verleiht die Auszeichnung, weil in Herten noch über Jahre kein Zug hält. Das gilt auch für Buer und Westerholt.

Zweifelhafte Aufmerksamkeit hat die Stadt Herten jetzt durch die Verleihung des Anti-Ordens „Pannekopp des Jahres“ an die Deutsche Bahn erhalten. Die fragwürdige Auszeichnung wird im Rahmen der karnevalistischen Comedy-Veranstaltung Geierabend verliehen, die alljährlich viele tausend Besucher auf die Zeche Zollern in Dortmund lockt.

Der Pannekopp würdigt in ironischer Manier „besondere Verdienste“ um das Ruhrgebiet. So wird der Deutschen Bahn Schuld daran gegeben, dass Herten die größte Stadt Festlandeuropas ohne eigenen Bahnhof ist. Zwar rauschen ab Dezember 2019 S-Bahn-Züge durch Herten, jedoch für Jahre ohne Halt, weil es weder in Herten-Mitte, noch in Westerholt und Buer-Nord einen Bahnhof gibt. Mindestens bis zum Jahr 2022 wird dieser Zustand noch andauern.

Zweiter Kandidat: Ministerpräsident Laschet

Zweiter Kandidat für den Preis war Ministerpräsident Armin Laschet wegen seiner Aussagen zum Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Ihm wird vorgeworfen, sein Versprechen, dass es mit ihm in Nordrhein-Westfalen keine Fahrverbote geben werde, gebrochen zu haben.

Über die Tatsache, dass die S-Bahn erst in ein paar Jahren in Herten und dann noch lange nicht in Buer-Nord und Westerholt hält, können viele Bürger gar nicht lachen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn ist eben so wenig erfreut über den Pannekopp-Orden, der in ihren Augen zu Unrecht an die Bahn gegangen ist. Sie erklärt auf Anfrage, dass die Schuld an der Misere eher beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zu suchen sei.

Bahn schiebt Verantwortung auf den VRR

Der habe Planung und Bau der Bahnsteige schließlich erst 2017 bei der DB beantragt. Derlei Verfahren benötigten aber ihre Zeit – nicht zuletzt, weil für den Bau der Haltepunkte Sperrzeiten für die Strecke beantragt werden müssten. Und die seien ein sehr kostbares Gut. „Da ist ein Vorlauf von drei Jahren üblich.“

Schließlich müssten die Kapazitäten des Gleisnetzes bestmöglich genutzt werden, damit der Bahnverkehr möglichst reibungslos läuft. Der Zeitrahmen sei unter den gegebenen Umständen für den Bau eines Bahnhofs normal: „Das ist schließlich nicht so, als würde man ein Billy-Regal aufbauen.“

Kopf-an-Kopf-Rennen

Über den Träger des Anti-Ordens hatten die 16.500 Zuschauer in den Geierabend-Shows per Applaus sowie auf der Geierabend-Internetseite abgestimmt. Die beiden Kandidaten lieferten sich auf der Zeche bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Entscheidend für den Sieg war das Online-Votum. Hier lag die Bahn von Anfang an deutlich vorn und entschied so die Gesamtwertung.

In der Schluss-Vorstellung sollte der 28,5 kg schwere Schrott-Orden, der bereits zum 17. Mal verliehen wird, übergeben werden. Allerdings war die Bahn nicht bereit, ihn anzunehmen.

Auch in Buer-Nord fehlt noch ein Bahnsteig

Ab Dezember 2019 sollen S-Bahn-Züge von Essen aus über Bottrop und Gladbeck nach Recklinghausen fahren. Weil Bahnhöfe und Bahnsteige fehlen, können diese Züge vorerst nicht in Buer-Nord, Westerholt und Herten halten.

Gebaut werden soll zunächst in Herten-Mitte und Westerholt. Für Westerholt werden noch mehrere Varianten geprüft, etwa auf dem Zechengelände oder im Kombination mit dem Neubau einer Brücke über die Bahnhofstraße. Für Herten-Mitte stehen die Pläne. Es wird Bahnsteige mit je zwei Wartehäuschen pro Gleis geben, an dem die S-Bahn einmal in der Stunde hält. Die Pläne müssen durch das Eisenbahnbundesamt genehmigt werden. Das dauert etwa ein Jahr. Theoretisch könnte der Bau Anfang 2020 starten. Die Bahn hatte zwei Sperrzeiten in 2020 und 2021 beantragt; jene für 2020 wurde abgelehnt. Allerdings kann der Bahnhof erst gebaut werden, wenn die neue Brücke Feldstraße fertig ist. 2022 sollen Fahrgäste in Mitte in die Bahn einsteigen. Die S-Bahn-Haltepunkte sind Thema im Stadtentwicklungsausschuss am 28. März, 17 Uhr, im Rathaus Herten. Wann mit einem Bahnsteigbau in Buer-Nord begonnen wird, ist noch völlig unbekannt.

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