Mit Kochtopf und Holzlöffel

Bergarbeiterfrauen demonstrieren gegen AV-Schließung

Bergarbeiterfrauen treffen sich am „Dicken Stein“ zum Demonstrationszug für den Erhalt des Bergbaus.  Martina Möller

Bergarbeiterfrauen treffen sich am „Dicken Stein“ zum Demonstrationszug für den Erhalt des Bergbaus. Martina Möller

Foto: Martina Moeller

Marl.  An der Schließung der Zeche können sie nicht mehr rütteln. Trotzdem treffen sich ein paar Dutzend Frauen und Männer am Freitag an der Kreuzung Zum Dicken Stein. Mit einem Demonstrationszug und einer Kundgebung vor dem Bergwerk AV 3/7 machen sie auf das Schicksal der Bergleute aufmerksam.

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Ist es für solche Aktionen nicht längst zu spät? "Das sehen wir nicht so", sagt Ingrid Dannenberg, Sprecherin der Bergarbeiterfrauen im Frauenverband Courage und Mitinitiatorin des Protestmarsches. Die Teilnehmerinnen haben nicht nur Plakate, sondern auch Kochtöpfe und Holzlöffel mitgebracht. Unter lautstarkem Geklapper zieht der kleine Demonstrationszug vom Abzweig "Zum dicken Stein" über die Carl-Duisberg-Straße bis zum Werkstor von AV 3/7.

"Wir Frauen erheben unsere Stimme" steht auf einem großen Transparent, "Die Zechenschließung geht uns alle an", auf einem Plakat. "Uns geht es vor allem um die jungen Kumpel und ihre Familien", sagt die ehemalige Marler Hauptschullehrerin Ingrid Dannenberg. Auch ihr Mann arbeitet seit vielen Jahren unter Tage auf AV. "Er hat Glück und kann Ende des Jahres in die Anpassung gehen, wenn die Zeche schließt", erzählt sie.

Man müsse sich um die vielen Kumpel kümmern, die nicht anpassungsberechtigt seien. "Junge Kollegen sehen ihre Zukunft bei Hartz IV", so Ingrid Dannenberg. Die Furcht sei groß, spätestens in drei Jahren bei der letzten Zechenschließung, arbeitslos zu werden.

Ermuntern und ermutigen

Dass es keine Zukunft für den Bergbau in Deutschland gibt, daran wollen die Demonstrantinnen nicht hinnehmen. "Hier wird der weltweit mit Mensch und Natur verträglichste Bergbau dichtgemacht", heißt es in der Erklärung des Frauenverbands Courage. Kohle sei als Rohstoff für die Industrie unverzichtbar (zum Beispiel für Karbonfaser oder Aktivkohlefilter). Der "umweltverträgliche Bergbau" müsse darum für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.

Vor AV 3/7 macht der Demonstrationszug der Marler Frauen halt. Zum Schichtwechsel beziehen sie Position vor dem Werkstor. Sie wollen den Bergarbeitern zeigen, dass sie nicht allein stehen, sie "ermuntern und ermutigen", so Ingrid Dannenberg.

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