Unfallstatistik

Zahl der Unfälle im Kreis Mettmann steigt auf mehr als 14000

Prävention wird bei der Polizei groß geschrieben. So ist die Kreispolizeibehörde mit der Aktion „Toter Winkel“ unterwegs – etwa in Velbert: Hier zu sehen (v.l.n.r.) sind Landrat Thomas Hendele, Bürgermeister Dirk Lukrafka, Polizeihauptkommissar Ralf Schefzig von der Direktion Verkehr und der Vorstand der Technischen Betriebe Velbert, Sven Lindemann

Prävention wird bei der Polizei groß geschrieben. So ist die Kreispolizeibehörde mit der Aktion „Toter Winkel“ unterwegs – etwa in Velbert: Hier zu sehen (v.l.n.r.) sind Landrat Thomas Hendele, Bürgermeister Dirk Lukrafka, Polizeihauptkommissar Ralf Schefzig von der Direktion Verkehr und der Vorstand der Technischen Betriebe Velbert, Sven Lindemann

Foto: Alexandra Roth

Kreis Mettmann.   Erstmals gibt es im Kreis Mettmann mehr als 14.000 Unfälle in einem Kalenderjahr. In Velbert und Heiligenhaus sind die Zahlen aber rückläufig.

Alle 37 Minuten kracht es auf den Straßen im Kreis Mettmann – statistisch gesehen. Alle fünf Stunden wird bei einem solchen Unfall ein Mensch verletzt, alle zwei Stunden flüchtet ein Unfallverursacher.

Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreisgebiet im Jahr 2018 auf mehr als 14.000 angestiegen. „Erstmals liegen wir damit über dieser Marke“, sagte Manfred Frorath bei der Vorstellung der Unfallstatistik. Der Abteilungsleiter Polizei betonte aber, dass der Kreis damit immer noch deutlich unter der Marke für das Land Nordrhein-Westfalen bleibe.

Vier von zehn Unfallfluchten werden aufgeklärt

Zugenommen hat auch die Zahl der Unfallfluchten – um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Das zeigt ein bestimmtes Verhalten“, sagte Landrat Thomas Hendele. „Nämlich dass es mehr Menschen gibt, die für ihr Verhalten keine Verantwortung mehr übernehmen.“ Allerdings werden in vier von zehn Fällen die Verursacher erwischt – wenn niemand verletzt oder gar getötet wurde. Ist das der Fall, steigt die Aufklärungsquote sogar auf fast 65 Prozent. Das liege daran, erläuterte Ralf Schefzig (Leiter Direktion Verkehr der Kreispolizei), „dass wir in so einem Fall ähnlich ermitteln, wie bei einem Tötungsdelikt.“ Eine Sonderkommission übernehme dann die Arbeit.

Zahl der Verkehrstoten ist erneut gesunken

Positives gab es auch zu berichten: So ist die Zahl der Verkehrstoten auf sieben gesunken, im Vorjahr waren es noch zehn, 2016 noch elf. Auch gab es weniger Schwerverletzte und weniger Fußgänger waren an Unfällen beteiligt. Dem gegenüber stehen mehr Leichtverletzte und deutlich mehr verletzte Radfahrer bzw. Pedelecfahrer: Waren es 2017 noch 380 verletzte Radler, zählte die Polizei 2018 schon 466 – eine Zunahme um mehr als 22 Prozent.

„Das liegt zum einen daran, dass die Verkaufszahlen für Pedelecs explodieren“, erläuterte Ralf Schefzig, „zum anderen hatten wir den langen Sommer.“ Zudem habe der Kreis viel Landschaft zu bieten, „die Leute sind mehr unterwegs, was ja eigentlich auch gut ist.“ Doch gerade diejenigen, die auf ein Pedelec umsteigen, sollten mit dem Zweirad auch umgehen können. „Ich appelliere an alle: Nutzen Sie die Angebote, die es gibt“, unterstrich Schefzig. So böte etwa die Verkehrswacht Übungseinheiten an – „und das sogar kostenlos“. Besonders auffällig: Gerade Senioren, also Menschen über 65, sind häufiger Opfer von Pedelec-Unfällen. Die Zahl der Betroffenen hat sich von 2017 auf 2018 mehr als verdoppelt, von 13 auf 28.

Velbert und Heiligenhaus entwickeln sich gegen den Trend

Velbert und Heiligenhaus wiederum laufen bei fast allen wichtigen Statistiken dem kreisweiten Trend entgegen. In beiden Städten ging die Zahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2018 zurück – in Heiligenhaus um 16,6 Prozent, in Velbert immerhin um 3,3 Prozent. So waren in beiden Städten weniger Fußgänger Opfer von Unfällen (Velbert -7, Heiligenhaus -9), In Heiligenhaus verunglückten weniger Kinder (-8, in Velbert blieb es bei 19), weniger junge Erwachsene und weniger Senioren wurden verletzt.

Heiligenhaus sticht aber auch bei den Fahrradunfällen heraus: Entgegen dem landesweiten Trend sank die Zahl von 20 Unfällen in 2017 auf nur noch sieben. Velbert hingegen bestätigt die Entwicklung, hier verunglückten 13 Radfahrer mehr als 2017 (41). Zugenommen haben in beiden Städten hingegen die Motorradunfälle. In Heiligenhaus verdreifachte sich die Zahl nahezu auf 14, in Velbert gab es 54 Unfälle mit Motorradfahrern (+4).

Motorrad-Kontrollen haben schon begonnen

„Der Kreis-Norden ist ein Schwerpunkt für Zweiradunfälle“, erläuterte der Leiter der Verkehrsdirektion, Ralf Schefzig. Die Polizei werde dort „ein Schippchen drauf legen.“ Die ersten Kontrollen hätten schon stattgefunden – aufgrund des schönen Wetters wesentlich früher, als ursprünglich geplant. Neben Kontrollen – der aktuelle Negativ-Spitzenreiter wurde mit 164 km/h in einer 80er-Zone erwischt – setzen die Beamten dabei auf Prävention. „Wir werden zum Saisonstart bei Händlern sein, auch am Haus Scheppen beteiligen wir uns an Aktionen der Essener Kollegen“, sagte Schefzig.

>> MEHR DROGENKONTROLLEN ANGEKÜNDIGT

  • Seit 2017 gelten illegale Autorennen nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Neun solcher Rennen hat die Polizei im Jahr 2018 registriert. „Der Kreis ist kein Schwerpunkt, aber es gibt durchaus einige Stellen, die sich anbieten“, sagte Ralf Schefzig, Leiter der Direktion Verkehr.
  • Ein weiterer Schwerpunkt der Kontrollen wird der Bereich Drogen am Steuer sein, so Schefzig. Hier registrierte die Polizei 28 Unfälle im Jahr 2018, bei denen mindestens ein Beteiligter unter Drogen stand. „Wir gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist“, so Schefzig.

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