Gesundheit

Die Zahl der Apotheken sinkt auch im Kreis

Die Zeiten werden schwerer für die niedergelassenen Apotheken. Ein Velberter Apotheker setzt nun auf den Onlinehandel.

Die Zeiten werden schwerer für die niedergelassenen Apotheken. Ein Velberter Apotheker setzt nun auf den Onlinehandel.

Foto: Jan Woitas/dpa

Velberter steuert gegen und setzt ab 2018 neues Online-Versandsystem ein. Damit will er schneller liefern, als die Online-Apotheken.

Medikamente direkt ins warme Heim geliefert bekommen? Was wie ein Traum für jeden Kranken erschient, birgt ein großes Problem: Der Online-Versandhandel mit Medikamenten floriert auf Kosten der öffentlichen Apotheken, die immer häufiger schließen müssen – auch im Kreis. So gab es im Jahre 2011 laut Inge Funke, Sprecherin des Apothekenverbandes für Mettmann, Ratingen und Velbert, noch 124 öffentliche Apotheken. Im letzten Jahr lag diese Zahl nur noch bei 119. Trotz wachsender Kreis-Bevölkerung sinkt die Anzahl der Apotheken.

Gutachten erhitzt die Gemüter

Die Diskussion um das Apothekensterben heizt ein bisher noch gar nicht veröffentlichtes Gutachten an, aus dem Zeitungen bereits Auszüge zitierten. Dort heißt es, in der Bundesrepublik seien knapp 10 000 Apotheken von der Schließung bedroht – annähernd 50 Prozent aller deutschen öffentlichen Anlaufstellen für Medikamente. Seit Jahresbeginn mussten zudem im Bundesgebiet laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) fast 150 Apotheken schließen.

Doktorarbeit zum Thema

Jochen Pfeifer, Inhaber der Velberter Adler Apotheke, hat über die Zukunft der öffentlichen deutschen Apotheken seine Doktorarbeit geschrieben und lehrt zu diesem Thema in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er sagt: „Meine Apotheke existiert seit 1902. Und ich möchte auch, dass sie noch ein bisschen weiterexistiert.“

Apotheker müssen sich bewegen

Damit dieser Wunsch für alle Apotheken in Erfüllung geht, müsse gehandelt werden: „Wir müssen uns – in Zeiten der Digitalisierung – bewegen.“ Pfeifer selbst hat diesen Appell bereits umgesetzt: Zu Beginn des nächsten Jahres wird die Adler Apotheke über ein komplett neues Online-Versandsystem verfügen. Innerhalb eines halben Tages soll es dann möglich sein, die lokalen Kunden zu beliefern. „Da könnten dann die Versand-Apotheken nicht mit den lokalen Anbietern mithalten, zumindest was die Lieferungs-Zeit betrifft.“

Versorgung gewährleisten

Sollte die Zahl der Apotheken weiter schrumpfen, kann die sogenannte wohnortnahe Versorgung für die Bevölkerung, besonders in ländlichen Gebieten, nur noch schwer gewährleistet werden. Pfeifer gibt zu Bedenken: „Eine sogenannte wohnortnahe Versorgung ist für die Menschen natürlich sehr wichtig, es kann nicht jeder über sein Smartphone und sein Tablet bestellen. Alles ist seniorengerecht; und die Apotheken?“

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